Ab ins kalte Nass

Ins kalte Wasser eintauchen braucht Überwindung. Doch es lohnt sich: Winterschwimmen kann bei guter Gesundheit positive Effekte haben.

Egal, wie kalt es draussen ist: Die Facebook-Gruppe «4 Seasons Outdoor Swimmers Zurich» trifft sich jeweils am Sonntag bei jedem Wetter zum Schwimmen in der Limmat. Rund hundert Mitglieder gehören der Gruppe an, aktiv sind etwa deren zwölf, alle zwischen 29 und 60 Jahre alt.

Wichtige Faustregel

Die Gruppe hält sich bei ihrem Hobby fest an folgende Faustregel: Schwimme maximal so viele Minuten, wie das Wasser Grade über null hat. «Dieser Grundsatz ist wichtig», bestätigt Christoph Dehnert, der Sportarzt und Kardiologe vom Sports Medical Center Medbase in Zürich.

«Die zeitliche Begrenzung verhindert, dass der Körper auskühlt. Denn hält man sich zu lange in kaltem Wasser auf, sinkt die Temperatur des Blutes in Armen und Beinen. Gelangt kaltes Blut zum Herzen, kann es Rhythmusstörungen auslösen, und das kann gefährlich werden», so Christoph Dehnert. Dies ist auch der Grund, weshalb der Arzt empfiehlt, sich nach der Abkühlung nicht sportlich zu betätigen. Besser sei es, man gebe dem Körper die Zeit, sich wieder aufzuwärmen und zu regenerieren.

Dr. Christoph Dehnert
Schwimme maximal so viele Minuten, wie das Wasser Grade über null hat.
PD Dr. med. Christoph Dehnert, Facharzt für allgemeine Innere Medizin, Medbase
Volkssport in Finnland und Russland

In nördlichen Ländern ist Winterschwimmen als Volkssport schon länger beliebt. In Finnland etwa erlebt das Baden in ins Eis gehackten Löchern momentan sogar eine Art Renaissance – besonders bei jungen Menschen. Das kalte Morgenbad gibt ihnen einen natürlichen Energieschub für den Tag. In Russland wiederum hat es vorwiegend religiöse Tradition: Im Januar begehen orthodoxe Christen jeweils das rituelle Eisbaden zum Epiphaniasfest, um sich symbolisch von ihren Sünden reinzuwaschen. Allein in Moskau tauchen zu diesem Zweck Tausende in die eisigen Fluten.

Gut für das Immunsystem

Menschen mit Herz­-Kreislauf-Erkrankungen rät er generell vom Winterschwimmen ab. Wer aber gesund ist und nicht an zu hohem Blutdruck leidet, darf dem eisigen Hobby unbesorgt nachgehen. Mehr noch: Es kann positive gesundheitliche Effekte haben.

Im kalten Wasser verengen sich die Venen, sodass das Blut aus den Armen und Beinen in die inneren Organe gedrückt wird. Dies ist ein gutes Training für die Gefässe. «Die Hände, Füsse und Schleimhäute werden besser durchblutet und das Immunsystem stimuliert. Langfristig ist man damit resistenter gegenüber Infekten», weiss Christoph Dehnert.

Gut für die Stimmung

Auch von einer stimmungsaufhellenden Wirkung wird berichtet. Diese erklärt sich der Mediziner so: «Wie bei anderen Sportarten auch werden beim Schwimmen Botenstoffe wie etwa das Glückshormon Serotonin ausgeschüttet. Dies wirkt sich auf die Stimmung aus.»

von Regula Burkhardt-Lehmann


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