Wieder einmal auf den Vitaparcours

Auf 500 Vitaparcours in der ganzen Schweiz kann man in freier Natur etwas für seine Fitness tun. Macht das wirklich Spass? Unsere Autorin Vera Sohmer will es wissen.

Stichtag war im März: Ein idealer Monat, der Winterfaulheit adieu zu sagen und sich wieder mehr an der frischen Luft zu bewegen. Also Laufschuhe schnüren und in den Waldpark am Dorfrand Heidens AR gehen. Das hübsche Areal kenne ich von Spaziergängen und Joggingrunden.

Erinnerung an Turnstunden

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Vom hier angelegten Vitaparcours nahm ich bislang kaum Notiz. Aufgefallen waren mir nur die an Ketten baumelnden weissen Ringe. Sie erinnerten mich an den Turnunterricht von früher, der nicht immer lustig war.

Heute möchte ich wissen, ob Turnen noch oder wieder Freude macht. Und sich das freudige Gefühl steigern lässt, wenn man es draussen tut. Die 1968 gegründeten Vitaparcours haben sich genau dies zum Ziel gesetzt.

Zudem sollen sie den Breitensport und die Gesundheitsprävention fördern. 43 Übungen dienen Ausdauer, Beweglichkeit, Geschicklichkeit und Kraft.

Aufwärmen und los gehts

Die Laufstrecke zwischen den Stationen darf zur Ausdauer gezählt werden. Das Ganze ist also auch eine Bestandsaufnahme, wie es um den eigenen Zustand steht. «Bitte aufwärmen, bevor Sie loslegen», steht auf der Begrüssungstafel.

Gute Idee, denn die Luft ist kühl und lässt einen frösteln. Ich trabe ein paar Mal den Waldweg hin und her und bin schnell aus der Puste. Hier ist eindeutig Handlungsbedarf.

Vera Sohmer
Mit den Händen die Kunststoff-Ringe greifen und bei stabilem Oberkörper die Beine über dem Waldboden kreisen lassen. Linksherum, rechtsherum – unglaublich, wie befreiend das ist.
Vera Sohmer

Die erste Station

Kurz verschnaufen und die erste Station ansteuern – Beweglichkeit steht auf dem Plan. Die Fussschaukel gelingt. Das Hüpfen auf beiden Beinen bei gleichzeitigem Grätschen und Kreuzen mag albern ausschauen, aber belebt den Kreislauf und hebt die Laune.

Doch das langsame Armschwingen rückwärts tut in den Schultern weh. Die verspannte Muskulatur wird mir noch bei mancher Übung die Grenzen zeigen. Die Liegestütze rücklings geht gar nicht. Aber das ist nicht schlimm, denn Liegestützen mochte ich nie.

Kleine Erfolgserlebnisse

Konkrete Tipps
  • Zum ersten Mal oder seit langem wieder auf dem Vitaparcours? Wählen Sie das richtige Outfit. Tragen Sie Laufschuhe, die den Fuss stützen, Schläge dämpfen und die Abrollbewegung führen. Und bequeme, funktionelle Laufbekleidung.
  • Aufwärmen ist Pflicht: Ein paar Minuten Gehen, Hüpfen, Laufen. Ideal ist, wenn man dabei nicht ausser Atem kommt. Danach ein paar Dehnübungen einbauen, aber nur so, bis der Muskel leicht zieht.
  • Gehen Sie in mässigem Tempo von Posten zu Posten. Ideal für Einsteiger ist einer der 21 Kurzparcours. Auf längeren Übungsstrecken gilt: sich nicht überfordern.

Weitere Tipps und Infos bei Zurich Vitaparcours

Während einige Übungen Mängel in der Fitness offenlegen, stellen sich bei anderen kleine Erfolgserlebnisse ein. Beim schnellen Auf- und Absteigen auf einem Baumstumpf bin ich einsame Spitze und übertreffe die vorgegebene Mindestzeit um ein Vielfaches. Skepsis hingegen bei den Turnringen: Würde ich dranhängen wie ein nasser Sack?

Erst einmal die Spaziergängerin mit Mops vorbeiziehen lassen. Jetzt mit den Händen die Kunststoff-Ringe greifen und bei stabilem Oberkörper die Beine über dem Waldboden kreisen lassen. Linksherum, rechtsherum – unglaublich, wie befreiend das ist.

Die Kraftübung mit angewinkelten Knien gelingt ebenfalls ordentlich. Geht doch. Am Ende des Parcours gönne ich mir ein paar Dehnübungen: Dabei die würzige Waldluft einsaugen und ausatmen und sich gut fühlen. Schliesslich hat man sich körperlich betätigt. Auch wenn es nur ein Testlauf war.

Fazit: Vitaparcours sind einen Versuch wert. Und kein Mensch sagt, dass alles absolviert werden muss. Es lässt sich das herauspicken, was jemandem liegt und wo er besser werden möchte. Das ist ein wesentlicher Unterschied zum Turnunterricht von früher.

von Vera Sohmer


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