Gute Vorbereitung statt Blutgrätschen

Fussball kann Kampfsport sein. Die meisten Unfälle geschehen jedoch ohne Fremdeinwirkung. Deshalb ist eine richtige Vorbereitung das A und O.

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Dr. med. Konrad Birrer

Konrad Birrer ist Oberarzt der Chirurgie am Luzerner Kantonsspital und arbeitet 50% bei Medbase in Luzern.

Gemäss der Suva-Statistik von 2014 verletzen sich jährlich 45 000 Personen beim Fussballspielen. Unfälle verursachen nicht nur Schmerzen, sondern zwingen oft auch zur Untätigkeit und gehen ins Geld. Die verletzten Fussballer bleiben zusammen 500 000 Tage der Arbeit fern und kosten die Versicherungen 160 Millionen Franken.

Auch wenn Meniskus- und Kreuzbandverletzungen in der Öffentlichkeit immer wieder thematisiert werden, sind diese seltener, als man meint. Am häufigsten von Verletzungen betroffen sind die Sehnen und Bänder (40 %), die Muskeln (33 %), der Schädel (8 %), die Knochen (7,5 %), die Haut (6 %) und nur zu 5,5 % die Gelenke (Meniskus, Knorpel, Kreuzbänder) und das Rückenmark.

Die Ursache der Verletzungen liegt zumeist in der mangelnden Vorbereitung (Aufwärmen, Ausrüstung), der ungenügenden Kondition oder dem Überschätzen der eigenen Fähigkeiten (ungenügende Technik, fehlende Ausheilung alter Verletzungen). Auch führen Übermüdung (fehlende Erholung) sowie Über- und Fehlbelastungen zu Unfällen – viel mehr als Regelverstösse und Umwelteinflüsse. Wichtig, aber schwierig festzumachen, ist der Einfluss der Psyche auf den Körper.

Sofortmassnahmen ergreifen

Fit ans Grümpi
  • Vor dem Spiel ist das Aufwärmen zum Aktivieren der Muskeln und des Kreislaufs unumstritten, während das Dehnen kontrovers diskutiert wird.
  • Nach dem Spiel empfiehlt es sich, auszulaufen (Velofahren) und den Körper zu kühlen (Dusche, Bad).
  • Wichtig sind auch die Ernährung (genügend Flüssigkeitszufuhr) und die Regeneration (Schlaf, kein Alkohol).
  • Vorbeugend kann an der Muskelbalance und der Gelenkstabilität sowie natürlich an der entsprechenden Technik gearbeitet werden.
  • Zuletzt gilt es noch anzumerken, dass man nicht angeschlagen, verletzt, müde oder mit belasteter Psyche einen Mannschaftssport betreiben soll.
  • Auf die vorbeugende Einnahme von Schmerzmitteln (z. B. vor einem Match) soll verzichtet werden.

Die PECH-Regel kommt bei der Behandlung einer Verletzung nach wie vor als Erstes zum Zuge. Diese Regel steht für Pause, Eis, Kompressionsverband und Hochlagern. Primär dürfen keine Wärmeanwendungen oder lokale Massagen erfolgen. In einem zweiten Schritt sollte bei fehlender Ausheilung medizinisches Personal oder ein Arzt kontaktiert werden.

Die meisten Verletzungen können klinisch, das heisst ohne Bildgebung, diagnostiziert werden. Ergänzend können der Ultraschall vor allem für Muskelverletzungen, das MRI für Bänder und Sehnenverletzungen und Röntgenbilder bei Knochen- und Gelenkverletzungen hilfreich sein.

Wichtig ist, den Schweregrad der Verletzung richtig einzuschätzen. Neben den offenen Verletzungen gibt es weitere Anzeichen, die auf eine schwerere Verletzung hindeuten: die Unmöglichkeit zu belasten, Einschränkungen der Gelenkbeweglichkeit oder sogar Blockaden des Gelenks und starke Schwellungen vor allem im Gelenkbereich. Der Schmerz spielt primär nur eine untergeordnete Rolle. Falls man eine Verletzung falsch einschätzt oder falsch behandelt, kann dies zu einem längeren Sportausfall oder gar zu Sportunfähigkeit führen.

von Dr. med. Konrad Birrer


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