Spazieren im Wald tut uns gut

Nach einem halbstündigen Spaziergang im Wald fühlen wir uns besser. Dass dem wirklich so ist, bestätigt die Forschung. Eine Expertin erklärt, wieso.

Wo waren Sie das letzte Mal spazieren?

Am Sonntagvormittag war ich mit meinen Söhnen im nahe gelegenen Wald spazieren. Da geht es weniger um meine Entspannung als um die Ausgeglichenheit der Kinder. Viele Eltern stellen ja fest, dass Kinder nach dem Aufenthalt im Wald viel ruhiger sind. Eine Feststellung, die auch durch die Forschung bestätigt wird.

Wie wirkt die Natur im Allgemeinen und speziell der Wald auf den Menschen?

Wir haben in einer Studie die Stimmung von Personen vor und nach einem 30-minütigen Waldspaziergang erfasst. Die Stimmung war nach dem Spaziergang im Wald viel positiver als vorher. Auf der körperlichen Ebene ist bekannt, dass sich nach dem Aufenthalt in der Natur oder im Wald die Konzentrationsfähigkeit verbessert, der Blutdruck sinkt und die Konzentration von Stresshormonen, wie etwa Cortisol, im Speichel zurückgeht.  

Stichwort: Terpene

Als Terpene bezeichnet man eine Gruppe von chemischen Verbindungen, die natürlich vorkommen. Die meisten der über 8000 Terpene sind hauptsächlich pflanzlicher und weniger oft tierischer Herkunft. Terpene sind Hauptbestandteil der in Pflanzen produzierten ätherischen Öle. Zwar sind Terpene schon seit längerer Zeit für die Pharmakologie von Interesse, ihre biologischen Funktionen sind aber noch nicht lückenlos erforscht.

Welchen Einfluss hat die Natur auf das Zusammenleben?

Es ist bekannt, dass Natur soziale Kontakte vereinfacht. In Wohnumgebungen mit vielen Grünflächen gibt es mehr Kontakte zwischen den Bewohnern und weniger Kriminalität und Vandalismus als in Wohnumgebungen ohne Grünflächen.

Wie wichtig ist die chemische Substanz der Terpene, die Bäume abgeben, für den Menschen?

Vor allem aus dem asiatischen Raum gibt es seit Längerem Forschung zur Wirksamkeit von Terpenen, welche die Bäume an die Luft abgeben. Diese Substanzen sollen einen positiven Einfluss auf die Immunabwehr des Menschen haben. Die Forschung hierzu steht in Europa aber noch ziemlich am Anfang und die Ergebnisse aus Asien lassen sich aufgrund anderer Baumarten in unseren Wäldern nicht ohne Weiteres übertragen.

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Die Forschung stellt immer wieder fest, dass man sich in der Natur besonders gut erholen kann. Warum ist das so?

Es gibt zu diesem Befund im Wesentlichen zwei Theorien: Die eine sagt, dass das Alltagleben den Menschen ermüdet und seine Fähigkeit, sich zu konzentrieren, erschöpft. In der Natur könne man diese Fähigkeit besser regenerieren, da sie bestimmte Merkmale hat, die andere Umwelten nicht oder nicht in dem Masse aufweisen. So soll eine Umwelt, in der man sich gut erholen kann, eine gewisse Alltagsferne vermitteln, also einen psychischen Abstand zum Alltag. Sie soll faszinierend sein, indem sie unsere Aufmerksamkeit auf sich lenkt, ohne dass wir uns anstrengen müssen. Ausserdem soll sie mit unseren Vorlieben übereinstimmen.

Die andere Theorie besagt, dass der Mensch sich in natürlichen Umgebungen wohl fühlt, da sie schon früher in der Menschheitsgeschichte sein Überleben gesichert haben. Diese Umwelten gehen daher einher mit Entspannung, sobald wir auf sie blicken. 

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Dr. Nicole Bauer ist Psychologin mit Schwerpunkt Umweltpsychologie an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL. Sie beschäftigt sie sich unter anderem mit den Effekten von natürlichen Umwelten auf die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Lebensqualität des Menschen. 

Stress ist für viele ein alltäglicher Begleiter. Wo erholt man sich als Städter mit kleinem Zeitbudget am besten? Wo auf dem Lande?

In der Stadt helfen kleine grüne Inseln, kleine Stadtwälder, Parks oder auch Strassen mit Bäumen. Zudem sind auch Wasserflächen wichtig für die Erholung. Auf dem Land ist es einfacher, unbebaute Flächen zur Erholung zu finden.

Grundsätzlich kann man sich auch schon etwas erholen, wenn man den Blick ins Grüne richten kann.

Welchen Einfluss haben unterschiedliche Arten von Natur auf das Wohlbefinden und die Lebensqualität und letztlich die Gesundheit des Menschen?

Wir haben in einer Studie festgestellt, dass bei einem Spaziergang im Landwirtschaftsland die positiven psychischen Effekte weniger stark ausgeprägt sind als im Wald. Der Wald hat den Vorteil, dass man sich hinein begeben kann und wenig von der Stadt, der bebauten Umwelt – also der eigenen Alltagsumgebung – sieht, was bei offeneren Landschaften natürlich nicht der Fall ist.

Wasserflächen haben ebenfalls einen sehr positiven Einfluss auf das psychische Wohlbefinden und die Erholung. Allgemein gesprochen: Natur jeglicher Art wirkt stressreduzierend und ist damit der Gesundheit zuträglich.

Publiziert am 02.02.2017,

von Silvia Schütz


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