So gibts keinen WhatsApp-Daumen

Wir sitzen überall, schauen nach unten auf unsere Smartphones, tragen ungesunde Schuhe. Doch was hilft gegen den WhatsApp-Daumen und die Stiletto-Füsse?

Wir sitzen viel. In der Schule, im Büro, im Bus, am Tisch, auf dem Sofa zu Hause. Nicht selten starren wir dabei nach unten, auf einen kleinen Bildschirm, und scrollen und klicken uns die Finger wund. Der moderne Lebensstil verleitet uns zu unnatürlichen Körperhaltungen. Werden dieselben Bewegungen über lange Zeit oder repetitiv ausgeführt, drohen Überbelastungen der Muskulatur, Bänder und Sehnen. Fehlbelastungen im Alltag können durch häufiges Unterbrechen aufgelöst werden. Das weiss Carolin Heitz, Ergonomieexpertin, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

Handy- und Tablet-Nacken

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Eine permanente Überbelastung der Nackenmuskulatur entsteht, wenn wir den Kopf über längere Zeit vornüberneigen, um auf das Display unserer Gadgets zu schauen.

Was tun? Idealerweise halten wir das Gerät leicht unter Augenhöhe. Das Tablet lieber auf einen Tisch legen, vorzugsweise leicht abgeschrägt. Wer unterwegs sitzt und surft, kann seine Tasche im Schoss halten und die Arme aufstützen. So werden nicht nur die Armmuskeln entlastet, sondern der Blickwinkel liegt auch höher. Die Kopf-nach-unten-Haltung immer wieder unterbrechen. Übungen wie Kopf-und Schulterkreisen lockern die Muskeln.

WhatsApp-Daumen

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Beim Dauertexten führen wir mit den Fingern wiederholt dieselbe Bewegung aus. Werden Daumen oder Hand länger als vier Stunden stark belastet, kann es zu schmerzhaften Verspannungen kommen. Diese verschwinden zwar wieder, wenn man das Gerät konsequent für längere Zeit weglegt – was nicht vielen gelingt.

Was tun? Beim Tippen öfter eine Pause einlegen, Frequenz drosseln und andere Finger benutzen. Kurze Lockerungsübungen einbauen: Zum Beispiel die Hände zu Fäusten ballen und wieder entspannen, Hände und Arme ausschütteln und Schultern und Handgelenke kreisen. Oder zur Abwechslung einfach mal wieder telefonieren! 

Smartphone-Schulter

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Lustige Filmchen und Musikclips schauen wir oft auf dem Smartphone an, gern im Querformat. Dazu halten wir das Gerät mit ausgestrecktem Arm und drehen die Hand ab. Die Schulter ist dabei leicht verdreht, die Schulter und Nackenmuskulatur permanent angespannt.

Was tun? Hilfreich ist zumeist schon, den Haltearm mal zu wechseln. Oder gleich das Gerät vor sich abzulegen. Lockerungsübungen wie Schulterkreisen oder Arme ausschütteln sorgen für Entspannung.

Vielsitzer-Position

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Als ob das lange und häufige Sitzen nicht schon genug wäre, oft beugen wir uns dabei auch noch über den Tisch, und die Schultern fallen nach vorn. Das ist der klassische Rundrücken, den wir in fast jedem Arbeitsalltag antreffen, hauptsächlich dann, wenn es sich um Computer oder andere Büroarbeit handelt.

Was tun? Wenn schon sitzen, dann aktiv. Regelmässig zurück und vorlehnen und mal das Becken kippen. Die Position immer wieder verändern und dabei Beine, Arme, Rumpf und Schultern einbeziehen, so bleiben Muskeln und Wirbelsäule in Bewegung. In Pausen und auf dem Arbeitsweg ein paar Schritte zu Fuss zu gehen. Sportarten wie Walken, Joggen oder auch Schwimmen, bieten sich ebenfalls an. 

Stiletto-Füsse

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High Heels wirken elegant und strecken optisch die Beine. Für kurze Zeit getragen, können sie ein gutes Training für die Fussmuskulatur sein. Doch je höher der Absatz – und je länger der Einsatz –, desto mehr Körpergewicht lastet auf den Zehen, und der Rumpf neigt sich nach vorn. Folge: Wir fallen in eine  Hohlkreuzposition. Auch wird auf Absätzen das Sprunggelenk fehlbelastet, was die Verkürzung von Achillessehne und Wadenmuskulatur begünstigen kann.

Was tun? Nicht zu lange tragen, nach Möglichkeit zwischendurch zu flachen Schuhen wechseln. Übungen wie Wadendehnen oder Zehenkrümmen helfen der Beweglichkeit, auch Barfussgehen: Müssen unsere Füsse Bodenunebenheiten ausgleichen, kräftigt dies die Muskeln.

Publiziert am 02.02.2017,

von Petra Koci


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