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Gesünder leben?

«Im Sport erlebe ich grosse Emotionen»

Die Schweizer Toptriathletin Nicola Spirig nimmt Ende Mai am OneMillionRun teil, dem grössten Volkslauf der Schweiz. Aufgrund von Corona geht er virtuell über die Bühne. Was gibt ihr der Sport und warum findet sie ihn für alle wichtig? Das und mehr im Interview.

Portrait von Nicola Spirig
Zur Person

Nicola Spirig ist 38 Jahre alt und verheiratet mit dem ehemaligen Profi-Triathleten Reto Hug. Die beiden wohnen in Bachenbülach ZH und haben drei Kinder: Yannis (7), Malea (3) und Alexis (1). Im Juniorenalter galt sie als eines der grössten Schweizer Leichtathletik-Talente. Doch bald wechselte sie zum Triathlon. Ihr grösster Erfolg war der Olympiasieg 2012 in London. Vier Jahre später gewann Spirig die Silbermedaille in Rio de Janeiro. Zusätzlich ist sie sechsfache Europameisterin.

Fotos: ©Kirsten Stenzel Maurer

Was gibt Ihnen das Laufen?

Ich brauche Sport in meinem Leben. Beim Sport kann ich abschalten, kann ich den Tag verarbeiten, kann ich grosse Emotionen erleben und mir kommen die besten Ideen. Wenn ich Sport mache, fühle ich mich danach viel zufriedener. Ich habe ebenfalls extrem viel im Sport gelernt, das ich auch im Alltag nutzen kann und fühle mich rundum leistungsfähiger und gesünder.

Benutzen Sie digitale Unterstützung beim Training wie Vi-Race oder andere Apps, mit denen Sie virtuell an Läufen teilnehmen können?

Ich laufe mit meiner Polar-Uhr, damit ich Zeit und Geschwindigkeit messen kann. Manchmal vergleiche ich meinen Lauf im Nachhinein mit früheren Trainings. An virtuellen Läufen habe ich noch nicht teilgenommen. Der OneMillionRun ist der erste. Ich freue mich darauf.

Wie sind Sie als Kind und Jugendliche zum Sport gekommen? 

Meine Eltern waren Sportlehrer und meine Geschwister und ich durften viele Sportarten ausprobieren. Lange spielte ich Basketball. Mein Vater und mein Onkel machten Triathlon. So habe ich im Alter von zehn Jahren meinen ersten Triathlon absolviert. Mein Vater hat mich zudem die ersten 15 Jahre trainiert.

Wie bringen Sie Sport und Privatleben mit Mann und drei Kindern – darunter der einjährige Alexis  – unter einen Hut?

Dank der Unterstützung meines Umfelds, angefangen bei meinem Mann und meiner Familie. Für mich ist auch sehr entscheidend, dass ich alles mit grosser Leidenschaft mache und mein Leben als Privileg sehe, sonst glaube ich nicht, dass ich die Motivation und Energie dazu hätte.

Können Sie sich ein Leben ohne Sport vorstellen? 

Ich betreibe professionell Sport seit dem Jahr 1998 und bis heute. Es macht mir noch immer Spass und Freude. Sport ist meine Leidenschaft und ich bin glücklich, meine Leidenschaft als Beruf ausüben zu können. Ich hatte jedoch daneben auch immer andere Interessen, habe ein Studium als Juristin abgeschlossen, führe eine Stiftung, bin im Beirat des Balgrist Spitals und halte Referate. Was ich nach dem Karriereende machen werde, ist noch offen.

Welche Strecke werden Sie beim OneMillionRun absolvieren?

Das ist noch nicht klar, ich werde es noch mit meinem Trainer besprechen. Ich laufe sehr gern auf den Kieswegen im Wald. Die Schweiz ist eines der schönsten, wenn nicht das schönste Lauf-Land, das ich kenne. 

Nehmen Sie die Kinder beim OneMillionRun mit?

Ich finde es super, mit den Kindern aktiv zu sein. Für mich und für sie ist das jedoch meist kein Training, sondern Spiel und Spass – auf dem Trampolin, im Wald und an anderen Orten. Ich werde sicher versuchen, beim OneMillionRun auch ein paar Meter mit ihnen zusammen zu rennen.

Weitere Erlebnisberichte und Facts zum Joggen

Sie sind Ambassadorin für den OneMillionRun, den grössten Volkslauf der Schweiz, der wegen Corona virtuell stattfindet. Warum?

Ich bin sehr gerne Ambassadorin für den Sport und ich finde es toll, wenn Leute aktiv sind und Sport machen. Der Sport war für mich die bestmögliche Lebensschule und entsprechend glaube ich, dass man Freude am Sport gar nicht genug fördern kann. Deshalb habe ich auch den Kids Cup by Nicola Spirig, eine Triathlon-Kinderserie, sowie eine Stiftung lanciert, in dessen Rahmen Kinder schon früh mit Sport in Berührung kommen und ihre Begeisterung dafür entdecken und ausleben können.

Wie haben Sie es im letzten Sommer geschafft, zwölf Wochen nach der Geburt von Alexis bereits wieder sportliche Spitzenleistungen zu erbringen?

Ich hatte jedes Mal gute Schwangerschaften und schnelle, komplikationslose Geburten auf natürlichem Weg. Daher habe ich auch schon nach ein paar Tagen wieder mit leichtem Krafttraining für die Arme und mit Spaziergängen angefangen. Für mich kein Training, aber ich war froh, mich wieder bewegen zu können und hatte auch das Gefühl, dass dies meinem Körper guttut. Dann ging alles sehr schnell: Ich konnte gut trainieren, mit der Familie lief es hervorragend und so konnte ich wieder an den Start gehen. Damals brauchte ich unbedingt Punkte für das Olympia-Qualifikationsranking.

Was bedeutet der Ausfall der olympischen Spiele von Tokio für Sie?

Ich war sehr erleichtert, als am 24. März ein Entscheid bezüglich der Olympischen Spiele gefällt wurde. In den Wochen zuvor musste ich unter schwierigen Bedingungen 100 Prozent auf etwas hintrainieren, das zu 95 Prozent abgesagt wird. Die Absage war deshalb zwar eine Enttäuschung, aber auch eine Erleichterung, weil ich dann weiter planen konnte. Natürlich ist es schwierig. Eine vierjährige Vorbereitung einfach so zu beenden, das ist sehr unüblich.

 

von Silvia Schütz,

veröffentlicht am 21.05.2020


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