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Rosula Blanc: Die Frau, die mit den Yaks redet

Im Val d’Hérens im Unterwallis züchtet Rosula Blanc Yaks. Sie geht mit ihnen auf Trekkingtouren und versucht, mit den stillen Tieren zu kommunizieren und sie zu verstehen.

Sie wird oft gefragt, wie ­alles angefangen hat. Dann kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: «Das ging wie von selbst!» Rosula Blanc lebt seit zehn Jahren in einem Maiensäss oberhalb von Les Haudères, in der ­Gemeinde Evolène VS, und züchtet Yaks. Aktuell besteht die ­Herde aus 13 Tieren. Geplant war das so nicht. «Im Leben schaut man ­selten weit ­voraus, eine Sache führt zur nächsten und so weiter. In sich trägt man eine Art Sehnsucht, ­einen Traum, der nicht immer ganz klar ist, doch dann eröffnen sich plötzlich Möglichkeiten, und man kommt voran», sagt sie.

In diesem Fall war die Möglichkeit etwas Land und ein Häuschen, das sie mit ihrem dama­ligen Partner renovierte. «Die Idee war, dort Tiere zu halten. Ich hatte vorher schon mit Pferden gearbeitet, aber hier ist es zu steil für sie, und Kühe mag ich nicht besonders. Was mich ­interessiert, ist nicht die Produktion von Lebensmitteln, sondern die ­Arbeit mit Tieren.»  

Rosula Blanc
Die Yaks fühlen sich an den steilen Abhängen wohler als wir Menschen.
Rosula Blanc, Yakzüchterin

Der Respekt gegenüber Tieren

Rosula Blanc mit Yak
Rosula Blanc mit Yak

Rosula Blanc betrachtet ihre Yaks nicht als untergebene Lebewesen, sondern sieht sie als Partner.

Zu den Yaks kam Rosula Blanc, weil sie die Tiere mag. «Scheu, wild, widerstandsfähig, geschickt, aber auch voller Weisheit, Kraft und innerer Ruhe – ich mag Yaks. Mir wurde klar: Das ist das Tier für mich», erzählt sie in ihrem Buch, das sie über ihre Reise von Evolène nach Menton an der Mittelmeerküste geschrieben hat («Avec trois yaks vers la mer»). Ihre Arbeit besteht heute hauptsächlich aus dreitägigen Trekkingtouren, die sie von Frühjahr bis Herbst ­organisiert. Allerdings, so erklärt die Züchterin, sind diese Ausflüge ins Hochgebirge in Begleitung der Yaks nicht für jedermann geeignet. Man muss bereit sein, für drei Tage in ­grosser Höhe zu zelten, man muss an das Gehen an steilen Hängen ­gewöhnt sein und darf keine Angst vor lau­nischem Wetter haben.

«Je nach den Bedingungen kann das Ganze ziemlich herausfordernd sein. Ich sage allen meinen Kunden, dass es im Juli durchaus schneien kann und dass es für sie auch in ­Ordnung sein muss, im Schnee zu ­zelten. Dann springen einige wieder ab.» Vor allem aber muss man sich den Tieren anpassen und «lernen, sie zu respektieren. Sie sind keine unterwürfigen Lebewesen und keine Kuscheltiere, sondern echte Tiere, die reagieren.» Zum Beispiel dann, wenn man sich dumm verhält: «Yaks greifen nicht aus Bösartigkeit an, aber wenn für sie eine Situation unverständlich ist oder etwas zu plötzlich geschieht und zu nah an ihnen dran, dann verteidigen sie sich. Bis jemand die Regeln verstanden hat, sollte man am besten Abstand halten.» Ein respektvolles Verhalten, das man laut Blanc allgemein der Natur entgegenbringen sollte. «Wenn man sich in einem Lawinenzug befindet, kann man der Lawine auch schlecht ‹Bleib da oben!› zurufen.»

(Fortsetzung weiter unten…)

Touren eignen sich nicht für alle

Yaks fühlen sich in den Bergen sehr wohl, trotz einiger Einschränkungen aufgrund ihrer Grösse und ihres Gewichts. «An sehr steilen Hängen stehen sie besser auf ihren vier Beinen als wir auf unseren zwei Füssen.»

Während der Trekkingtouren führt Rosula Blanc ihre Tiere, ruft sie, treibt sie an, bremst sie oder spielt mit ihnen. «Wenn ich im Normalfall nicht abseits der Wege laufe, dann eher wegen der Menschen als wegen der Yaks.» Rosula Blanc selbst liebt es, ­abseits der ausgetretenen Pfade zu gehen, und das tun die Yaks auch: «In diesen Momenten kommunizieren wir wirklich, sind viel freier und suchen gemeinsam nach dem Weg. Oft laufe ich ziemlich weit vor ihnen, 50 Meter, 100 Meter, damit sie genug Platz haben. Ich gebe eine Richtung vor, aber sie bestimmen den Weg, das gefällt ihnen sehr, und sie laufen doppelt so gut. Sie haben ein viel besseres Gespür für das Gelände als wir Menschen.» Die Leute fragen sie oft, wie schnell sich die Yaks fortbewegen. «Das ist unmöglich zu beantworten. Auf einem Waldweg laufen sie tendenziell langsamer, da ihnen die kleinen Steine wehtun. Das schnelle ­Vorankommen interessiert sie da nicht. Aber je höher es geht und je steiler die Wege sind, desto schneller und glücklicher, aber auch müder werden sie.»

(Fortsetzung weiter unten…)

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Wie ticken Yaks?

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Yaks sind sehr ruhige Tiere, ihre Laute, die ein bisschen wie die eines Schweins klingen, hört man selten. Es sei denn, eine Mutter ruft beispielsweise ihr Junges. Rosula Blanc kommu­niziert «hauptsächlich über Gesten, meine Haltung und meine Energie» mit ihnen. «In gewisser Weise ist es ein Tanz. Auch durch die Stimme, die ja auch eine Energie in sich trägt.»

Die Trekkingtouren bleiben für sie eine Nebenbeschäftigung. Was ­Blanc wirklich interessiert, ist, zu verstehen, wie Yaks ticken, wie sie lernen. Sie ­möchte die Tiere kennenlernen. «Je mehr ich mit ihnen arbeite, ­desto mehr werden die Yaks für mich zu Partnern. Ich behandle sie nicht als Untergebene, die mir gehorchen.»

Dies ist eins ­ihrer Leitmotive, das nicht nur die Yaks betrifft: «Zu oft ignorieren wir die Verständnisfähigkeit des Tiers, wir geben ihm nicht den Raum, sich auszudrücken.» Sie erinnert sich an eine Wanderung im Jura, bei der die Yaks plötzlich den Weg verliessen und in den Wald liefen. «Zuerst begriff ich nicht, warum, doch dann wurde mir klar, dass sie eine Wasserstelle in 200 Metern Entfernung entdeckt hatten. Wenn sie etwas tun, das wir nicht verstehen, ist es ein Fehler zu denken, dass sie etwas falsch machen. Ihre Reaktion kann dann brutal sein. Es ist wichtig, sie zu beobachten, um ihre ­Bedürfnisse zu verstehen. ­Ohnehin ist es viel spannender, ein Tier zu beobachten, als es zu bändigen.»

von Laurent Nicolet,

veröffentlicht am 15.07.2021


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