Internet Explorer wird nicht mehr unterstützt

Für ein optimales Website-Erlebnis bitten wir Sie einen aktuellen Webbrowser zu nutzen.

Wandern mit Frühlingsgefühlen

Frühlingswanderungen locken aus den eigenen vier Wänden. Wir haben Tipps für alle Landesteile. Viel Spass!

Ostschweiz

Kaienspitz – im steten Auf und Ab durchs Appenzellerland

kaienspitz.jpg

Der Kaienspitz ist eher Grashügel denn ein Berg. Doch auch ein Grashügel kann einen ordentlich ins Schwitzen bringen. Die Landschaft im Appenzellerland ist «gääch». Tief eingeschnittene Tobel und stotzige Hänge geben sich die Hand, «flach» kennt man hier nur vom Hörensagen. Entschädigt für die Anstrengung wird man mit Aussicht ohne Ende, nicht erst vom Gipfel, sondern fast während der ganzen Tour. Die Felsbastion Alpstein mit dem Säntis im Zentrum, der Bodensee und die vielen Dörfer, die wie Nester an den Hängen kleben, ziehen den Blick auf sich. Und natürlich die schmucken und mit Blumen verzierten Appenzeller Häuser, die den Weg säumen. Nur zu Beginn der Tour ist nichts mit Fernsicht: Dann schlängelt sich der Weg der wilden Goldach entlang durchs Tobel ins Chastenloch, einem schaurigen Ort mit urgemütlichem Gasthaus.

  • Start: Zweibrücken
  • Route: Chastenloch – Rehetobel – Kaienspitz – Benzenrüti – Heiden.
  • Länge: 9 km; 550 Hm Auf- und 430 Hm Abstieg; 3 Std.
  • Schwierigkeit: mittel.
  • Variante: In weiteren 1,5 Std. nach Rorschach an den Bodensee wandern.

Regitzer Spitz – was für ein Tiefblick auf Rheintal und Bündner Herrschaft

regitzer_spitz.jpg

Wo das Militär seine Anlagen errichtet, müssen entweder die Deckung oder die Sicht auf den Feind ideal sein. Beim Fläscher Berg ist beides gegeben. Der Felsriegel mitten in der Bündner Herrschaft gleicht einem Miniaturmassiv, mit dichten Wäldern, verwinkeltem Gelände und mit einer Aussicht vom höchsten Punkt, die kaum zu überbieten ist. Regitzer Spitz heisst der Gipfel, er thront über einer 400 Meter hohen, fast senkrecht abfallenden Felswand. Rheintal, Sarganserland, Bündner und Glarner Alpen und die Falkniskette grüssen, im Talboden schmiegt sich das sonnenverwöhnte Weinbaudorf Fläsch an seinen Berg. Und die Militäranlagen? Sie muten an wie eine verstreute Feriensiedlung, hübsch eingefügt in die wilde Wald- und Berglandschaft und von architektonisch überraschender Gestalt.

  • Start: Fläsch
  • Route: Feldrüfi – Matluschkopf – Vorder Ochsenberg – Regitzer Spitz – Hinter Ochsenberg – Mattheid – Fläsch.
  • Länge: 15 km; 900 Hm Auf- und Abstieg; 5,5 Std.
  • Schwierigkeit: anspruchsvoll.
  • Variante: Tour um 1,5 Std. abkürzen und vom Gipfel über Türlis zurück nach Fläsch.

Ruine Neu Toggenburg – im Blumengarten der Grafen von Toggenburg

ruine_neutoggenburg.jpg

Die Grafen von Toggenburg müssen Blumen geliebt haben. Über 200 zum Teil seltene Arten Farne und Blütenpflanzen gedeihen auf Neu Toggenburg, dem Hügel oberhalb von Lichtensteig, wo die Feudalherren ab Ende des 12. Jahrhunderts residierten. Bescheidenheit war ohnehin nicht ihre Tugend. Fünf Ringwälle und eine Ringmauer mit Burgtor schützten ihre Anlage. Sie sind bis heute erhalten und frei zugänglich, genauso wie die Überreste zweier Zisternen. Burgruinen befriedigen nicht nur den Entdeckergeist, sondern erfreuen auch mit bestem Blick in die Ferne – schliesslich wollten die Herrscher früh genug wissen, wer sich ihrem Sitz näherte. Von der Ruine Neu Toggenburg geht er übers ganze Toggenburg bis zum Alpstein mit dem Säntis im Zentrum. Ganz anders bei der Ruine der Burg Rüdberg, eine gute Wanderstunde später. Versteckt im Wald steht sie. Ihr Schutz ist die rund 50 Meter hohe, nahezu senkrechte Felswand, die hinter der Anlage jäh zur Thur abfällt. Auch eine Aussicht, aber eine andere.

  • Start: Lichtensteig
  • Route: Vorderhalden – Burgruine Neu Toggenburg – Wigetshof – Burgruine Rüdberg – Bütschwil.
  • Länge: 11 km; 600 Hm Auf- und Abstieg; 3,75 Std.
  • Schwierigkeit: einfach.
  • Variante: Kürzere Tour von 3 Std., wenn man vom Wigetshof nach Dietfurt absteigt.

(Fortsetzung weiter unten…)

Zentralschweiz und Zürich

Wissiflue – den Vierwaldstättersee aus der Vogelperspektive

wissiflue.jpg

Küsnachtersee, Alpnachersee, Urnersee, Luzernersee – eine Übersicht über die sieben Becken des Vierwaldstättersees zu erhalten, ist nicht einfach. Da hilft es, das Ganze von oben zu betrachten, zum Beispiel von der Wissiflue, dem markanten Felszahn zwischen Vitznau und Gersau. Den mit 114 Quadratkilometern Fläche viertgrössten Schweizer See überblickt man zwar nicht ganz, aber man gewinnt eine Vorstellung davon, um wie viele Ecken und Vorsprünge sich sein Wasser ausbreitet. Die Aussicht muss man sich verdienen: Steil und eindrücklich ist der Aufstieg durch dichten Wald und dem nahezu senkrechten Felsen entlang; so viel alpine Wildnis auf 900 Metern Höhe kommt unerwartet. Ganz anders der Abstieg. Auf lauschigen Pfaden über blumenübersäte Wiesen wird in weiten Kehren Gersau erreicht. Wie steil auch diese Hänge sind, merkt man erst, wenn man den Bauern beim Heuen zuschaut. Das Gras rollt fast allein zu Tal.

  • Start: Vitznau
  • Route: St. Antoni – Wissiflue – Ober Rängg – Ebnet – Unter Rängg – Gersau.
  • Länge: 9 km; 690 Hm Auf- und Abstieg; 3,5 Std.
  • Schwierigkeit: mittel.
  • Variante: Wer den steilen Aufstieg weglassen will, fährt mit der Seilbahn zur Wissiflue.

Hüttchopf – Gipfel und Schluchten in der Zürcher Bergwelt

huettchopf.jpg

Im Quellgebiet der Töss wird der Kanton Zürich zum Berggebiet. Die Hänge sind abschüssig, die Grate schmal, Wasserfälle schiessen über nagelfluhdurchsetzte Felsrippen, Bäche zwängen sich durch Schluchten und im dichten Wald tummeln sich Hirsche, Rehe, Gämsen und Auerhühner, während in der Luft Adler ihre Kreise ziehen. Kein Wunder, wurden in dieser wilden Ecke Luchse angesiedelt – das Raubtier findet beste Bedingungen. Genauso die Wanderer. Die Höhen im Tössbergland sind aussichtsreich, der Blick vom Hüttchopf etwa reicht von den Glarner und Zentralschweizer Alpen über den Bodensee bis zum Schwarzwald. Die Landschaft ist ein Mosaik aus blumenreichen Weiden, stattlichen Bauernhöfen und urtümlicher Natur. Unten in der Tössscheidi schliesslich, wo sich Vorder- und Hintertöss zum Fluss vereinen und die Reise zum Rhein antreten, wähnt man sich als Entdecker eines entlegenen Bergtals. Der Weg vom Hüttchopf in die Tiefe gehört übrigens zu den wenigen Bergwegen des Kantons Zürich. Zu Recht.

  • Start: Fischenthal
  • Route: Hüttchopf – Tössscheidi – Wolfsgrueb – Sagenraintobel – Wald.
  • Länge: 13 km; 720 Hm Auf- und 850 Hm Abstieg; 5 Std.
  • Schwierigkeit: anstrengend.
  • Variante: 1 Stunde kürzer und weniger steil: Vom Hüttchopf über Scheidegg in die Wolfsgrueb.

Mittelland

Oberdörferberg – ohne Verunstaltungen über Jurahöhen

oberdorfer.jpg

«Dort oben die Freiheit», betitelte Wolfgang Hafner seinen Wanderführer zum Solothurner Jura. Den Solothurnern ist die Freiheit auf ihrem «Berg» heilig, wie sie den Jura liebevoll nennen. 1942 erliessen sie die Juraschutzzone, um die Anhöhen vor Bauten und Verunstaltung zu schützen. Heute dankt man es ihnen. Kein Wochenendhäuschen verstellt die Sicht, auf dem Oberdörferberg scheint der Blick ins Unendliche zu gehen: über Weiden mit typischen Trockensteinmauern, über knorrige Bäume, die giftigen Winden trotzen, und über Juraketten, die nirgends enden wollen. Dass man nach dem weitläufigen Oberdörferberg in den Kanton Bern wechselt, merkt man kaum. Die Berner lieben weite, unverbaute Landschaften genauso. Steigt man zum Schluss der Wanderung auf der kühnen Treppenanlage durch die Felswände der Montagne de Graitery, ist das Gefühl von Freiheit perfekt.

  • Start: Gänsbrunnen
  • Route: Martins Wägli – Backihaus – Oberdörferberg – Montagne de Graitery – Moutier (par les échelles).
  • Länge: 12 km; 740 Hm Auf- und 940 Hm Abstieg; 4,5 Std.
  • Schwierigkeit: mittel.
  • Variante: Der Leiternweg der Montagne de Graitery kann umgangen werden.

Blaseflue – von Hand geschaffene Aussicht aufs Emmentaler Hügelmeer

blasenflue.jpg

Was tun, wenn ein Berggipfel vollständig im Wald liegt und kein bisschen Aussicht bietet? Man sucht mit Eigentümern und Ämtern nach einer pragmatischen Lösung, greift danach zur Motorsäge und schafft Weitblick. So geschehen im Emmental auf der Blaseflue, dem mit 1118 Metern höchsten Punkt der Gemeinden Signau, Oberthal und Lauperswil. Eine Aussichtsplattform mit überhohen Tischen und Bänken schmückt nun den Gipfel, im grossen Waldfenster zeigen sich die Emmentaler Hügellandschaft und die Berner Alpen. Mit dieser Hügellandschaft macht man rund um die Blaseflue ordentlich Bekanntschaft. Mal geht es steil hoch durch Wald und wilde Tobel, dann wieder laden breite Wiesengrate zum Bummeln und den Blick in die Ferne schweifen lassen. Und wer an Gotthelfs Zeiten schnuppern will, kehrt im urigen Gasthof Waldhäusern ein.

  • Start: Signau
  • Route: Ober Rainsberg – Ofeneggalp – Blaseflue – Waldhäuseren – Aegerten – Emmenmatt.
  • Länge: 10 km; 500 Hm Auf- und 550 Hm Abstieg; 3,5 Std.
  • Schwierigkeit: einfach.
  • Variante: Eine halbe Stunde länger, dafür weniger steil: Von Grosshöchstetten auf die Blaseflue.

Tour de Moron – der Aussichtsturm für jedes Wetter

tour_de_mouron.jpg

Steht Mario Botta drauf, ist einem Bauwerk die Aufmerksamkeit auf sicher. Das ist bei der Steinblume «Fiore di pietra» auf dem Monte Generoso so, und das ist beim Tour de Moron im Berner Jura nicht anders. Der Tessiner Architekt hat den Aussichtsturm geplant und während vier Jahren mit 700 Maurer- und Strassenbaulernenden errichtet, um sie in die Steinmetzarbeit einzuführen. 350 Tonnen Kalkstein wurden verbaut, an der Einweihung des 30 Meter hohen Turms war gar Bundesrat Joseph Deiss zu Gast. Und klar, das Panorama von der 360-Grad-Plattform auf die Bergwelt und den Jura ist wunderschön – gute Sicht vorausgesetzt. Die aber muss nicht unbedingt sein, um dem Tour de Moron einen Besuch abzustatten. Die wilde Juralandschaft mit ihren windgepeitschten Weiden, den knorrigen Bäumen und den rauen Wäldern ist auch bei Nebel und Nieselregen einen Ausflug wert. Das Archaische des Turms kommt dann umso mehr zur Geltung, Aufwärmen kann man sich gegenüber in der Cabane de Moron oder später im gemütlichen Beizli in Champoz.

  • Start: Saules BE
  • Route: Moron – Champoz – Lac Vert – Court.
  • Länge: 15 km; 770 Hm Auf- und 850 Hm Abstieg; 5 Std. Schwierigkeit: anstrengend.
  • Variante: Von Champoz direkt nach Sorvilier absteigen spart eine Stunde.

(Fortsetzung weiter unten…)

Mehr zum Thema Wandern

Zum Dossier

Nordwestschweiz

Sissacherflue – mit Kirschblüten und Mammutbäumen durch die Basler Agglo

sissacher_flue.jpg

In der Agglomeration der drittgrössten Schweizer Stadt lässt es sich prima wandern. Die Region um Basel ist geprägt von abwechslungsreicher Juralandschaft; sanfte Hügelzüge, ausgedehnte Wälder und zwischendurch ein spannendes Tobel und imposante Felswände machen die Kombination aus. Dazu gesellen sich die Kirschbäume. Zu Tausenden erblühen sie im Frühling und verwandeln die Welt in ein schneeweisses Meer. Auf der Wanderung über die Sissacherfluh erhält man von all dem einen hübschen Mix – und dazu ein paar Spezialitäten. Ein frühmittelalterliches Refugium mit zwei Meter dicken Mauern, von denen noch die Grundfesten zu sehen sind, einen etwas neueren Aussichtsturm von dreissig Metern Höhe, der an den Eiffelturm erinnert und Angsthasen einen Schrecken einjagt, eine Familie Kalifornischer Berg-Mammutbäume, die bis zu hundert Meter hoch und 3500 Jahre alt werden, und auf der Sissacherfluh eine Aussichtsplattform, die keine Wünsche offenlässt.

  • Start: Sissach
  • Route: Sissacherflue – Grimstelucke – Forenacher – Stächpalmehegli – Schleifenberg – Liestal.
  • Länge: 13 km; 600 Hm Auf- und 650 Hm Abstieg; 4 Std.
  • Schwierigkeit: mittel.
  • Variante: Vom Stächpalmehegli direkt nach Lausen absteigen spart eine halbe Stunde.

Wallis

Bisse de Varen und Bisse Neuf – Panorama pur mit Wasserbegleitung

bisse_varen.jpg

Einen Aussichtspunkt in Form eines Gipfels sucht man bei einer Suonenwanderung vergebens. Suonen sind Wasserleitungen und dienen im Wallis seit Jahrhunderten der Bewässerung von Feldern und Rebbergen. Mal verlaufen sie entlang sanfter Hänge, mal überwinden sie in spektakulärer Anlage überhängende Felswände. Immer aber sind sie begleitet von einem Weg, von dem aus die Leitung unterhalten und der Lauf des Wassers gesteuert werden. Auf diesen Wegen zu wandern ist pures Vergnügen. Etliche Suonen führen von Frühling bis Herbst Wasser, dazu erhält man je nach Tour viel Luft unter den Füssen und Nervenkitzel geboten oder aber man aalt sich im Genusswandern auf Wurzelwegen unter schattenspendenden Bäumen. Die Grossi Wasserleitu und die Bisse Neuf gehören zu Letzterem. Sie schlängeln dem Südhang des Rhonetals entlang und versorgen die Weinstöcke um Varen und Salgesch mit kostbarem Nass. Und sie bieten eine unvergessliche Sicht auf die Walliser Bergwelt – während Stunden. Da vergisst man glatt den Gipfel.

  • Start: Varen, Frayen
  • Route: Taschonieren – Bisse de Varen / Grossi Wasserleitu – La Proprija – Bisse Neuf – Venthône.
  • Länge: 10 km; 240 Hm Auf- und 380 Hm Abstieg; 3 Std.
  • Schwierigkeit: einfach.
  • Variante: Tour um eine Stunde verlängern, in Inden starten und die Varner Leitern durchsteigen.

Tessin

Gola di Lago – den Ceneri-Basistunnel unter den Wanderschuhen

gola_di_lago.jpg

Wandern kann man nicht durch den Ceneri-Basistunnel. Die Gotthardzüge brausen durch den 15 Kilometer langen Bau und verbinden Bellinzona und Lugano seit Ende 2020 in Hochgeschwindigkeit. Trotzdem: Das letzte Puzzleteil der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale NEAT lässt sich zu Fuss entdecken. Die Wanderung von Isone über Gola di Lago nach Tesserete folgt weitgehend dem Verlauf der neuen Bahnlinie. Merken tut man davon nichts, im Gegenteil. Das Tal von Isone ist abgeschieden, auf den ersten Blick besteht es aus lauter Wald und aus verträumten Dörfern. Sein Reiz liegt im Kleinen, in alten, riesigen Buchen etwa und in unzähligen, knorrigen Birken. In Tobeln mit Bächen, liebevoll restaurierten Rusticos, und in den kahlen Hängen des Monte Bar, dessen Wald im 19. Jahrhundert die Mailänder Metallöfen heizte. Dazu warten immer wieder Traumplätze mit Blick auf die Tessiner Bergwelt. An all dies erinnert man sich gern, wenn man zurückfährt in die Deutschschweiz, durch den Ceneri-Basistunnel, mit 200 Stundenkilometern.

  • Start: Isone
  • Route: Muricce – Gola di Lago – Portico – Condra – Bigorio – Tesserete.
  • Länge: 11,5 km; 550 Hm Auf- und 750 Hm Abstieg; 4 Std.
  • Schwierigkeit: mittel.
  • Variante mit Kloster: Von Condra über Convento Santa Maria nach Bigorio. Etwa gleich lang.

von Daniel Fleuti,

veröffentlicht am 09.03.2021


Das könnte Sie interessieren:

Kulinarischer Genuss: Entdecken Sie Indien und Portugal auf dem Zürichsee

Jetzt entdecken
zsg_ms-helvetia_2160x1440_text_1.jpg