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Wander-Mythen unter der Lupe

Die Wandersaison ist in vollem Gang. Doch Vorsicht: Nehmen Sie den beliebten Sommersport nicht auf die leichte Schulter – und nicht alle «Wahrheiten» für bare Münze. Wir klären auf.

Was soll beim Wandern schon schiefgehen, mögen sich einige fragen, marschieren in Turnschuhen und bloss mit einem T-Shirt ausgerüstet bergwärts – und haben schon zwei Dinge falsch gemacht. Denn obwohl Wanderer mit vergleichsweise wenig Equipment auskommen und die Sportart von jedermann ausgeübt werden kann, gilt es einige wichtige Punkte bei der Vorbereitung, der Ausrüstung und dem Verhalten zu beachten. Wir sagen, welche Wandermythen stimmen – und welche nicht.

1. Wer wandert, muss deftig essen

Falsch. Auch wenn man fürs Wandern in den Bergen tatsächlich viel Energie benötigt: Ein üppiges Essen im Restaurant ist eher kontraproduktiv. Dasselbe gilt für Proviant-Klassiker wie Landjäger, Cervelat oder Pommes-Chips – sie sind allesamt zu fettig.

Besser für in den Rucksack sind laut Ernährungswissenschaftlerin Pia Teichmann von iMpuls ballaststoffreichere Lebensmittel, die länger sättigen: Vollkorn-Sandwiches und leichte Salate aus Vollkorn-Teigwaren, Kartoffeln, Linsen, Couscous oder Quinoa, die mit Gemüse, hochwertigen Ölen und Nüssen/Kernen (aber ohne Mayonnaise!) angemacht werden.

Als Proteinquellen empfiehlt Teichmann Eier oder Hüttenkäse. Mit einer Einschränkung: «Je nach Dauer der Wanderung und Wetter sollte auf die Hygiene und Temperatur geachtet werden, das heisst, bei sehr heisser Witterung lieber auf Lebensmittel wie Eier, Fisch, Fleisch und Milchprodukte verzichten.»

Als Snacks zwischendurch empfiehlt die Fachfrau Vollkorn-Blevita, Nüsse und Kerne, selbstgemachte Riegel aus Nüssen und Getreide sowie Rohkost à la Gurke, Rüebli oder Radieschen. Auch gut: Trockenfrüchte. «Sie enthalten zwar viel Zucker, liefern dafür aber schnell Energie, und im Gegensatz zu Fruchtgummis enthalten sie noch Vitamine und Mineralstoffe.»

Auch diese Infos zu gesunden Snacks und Snack-Ideen geben Aufschluss. Ein wichtiges Thema ist beim Wandern auch das Trinken. «Da würde ich auf Wasser und ungesüssten Tee zurückgreifen», sagt Teichmann. «Oder stark verdünnten Fruchtsaft.»

2. Turnschuhe reichen völlig aus

Falsch. Turnschuhe sind im Gebirge sogar ein No-Go. Man rutscht darin nicht nur leichter aus, es drohen auch Misstritte, das heisst, man knickt in Sneakers viel leichter ein. Blasen können sich in Turnschuhen auch schneller bilden als in stabilen, gut eingelaufenen Multifunktions-, Wander- oder Trekkingschuhen. Schuhe, die über die Knöchel reichen, geben zudem Stabilität.

Zusammen mit einem Fussbett, das nicht zu weich sein darf, sorgen Wanderschuhe für ein angenehmes Tragegefühl. Wichtig: Die griffige Profilsohle sorgt bei der Wanderung für festen Halt auf unebenem Gelände wie beispielsweise Schotterwegen. Es gilt: Je steiler und unwegsamer das Gelände, desto härter und dicker die Sohle des Schuhs.

Füsse einer Person, die auf einem Baumstamm über den Fluss wandert.
Füsse einer Person, die auf einem Baumstamm über den Fluss wandert.

Wichtig am Berg: Richtige Socken und Schuhe tragen.

3. Es geht nichts über dicke Wollsocken

Jein. Früher waren Wollsocken bei Wanderern sehr angesagt. Dabei haben sie einen grossen Mangel: Sie saugen zwar Feuchtigkeit auf, transportieren diese aber nicht an die nächste Schicht weiter. Das Resultat: feuchte Füsse und zum Teil sogar Blasen. Besser sind Funktionssocken aus synthetischem Material – oder dann aus Merinowolle.

4. Schnell loslaufen ist das Beste

Falsch. «Wenn man sich am Anfang übernimmt, bezahlt man das damit, am Schluss fix und fertig zu sein», warnt Dr. Christoph Dehnert, Kardiologe und Sportmediziner im Medbase Checkup Center Zürich. «Das ist nicht der Sinn der Sache. Besser ist es, über die ganze Tour langsam und gleichmässig zu laufen.» Beim Bergwandern gilt die Regel, nie ausser Atem zu kommen. «Man sollte sich mit den Wandergschpänli noch gut unterhalten können», sagt Dehnert. «Wer nach Luft schnappen muss, sollte dringend einen Gang runterschalten.» 

5. Regenschutz nur mitnehmen, wenn das Wetter schlecht ist

Falsch. Sehr falsch sogar. Denn das Wetter ist oft trügerisch – in den Bergen kann die Witterung innert kürzester Zeit von strahlend schön und warm zu nass und kalt umschlagen. In einem solchen Fall keine Regenjacke oder nichts Warmes zum Anziehen dabeizuhaben, wäre fatal. Deshalb: Der Regenschutz gehört immer in den Rucksack. Weitere Infos zu Rucksäcken, Kleidung und Schuhen erhalten Sie in diesen Trekking-Videos.

6. Nastüechli auf dem Kopf schützt vor Sonnenstich

Jein. Vorsicht, Sonnenbrand – und Sonnenstich! Weil es in der Höhe nicht so heiss ist, wird die Sonneneinstrahlung schwächer wahrgenommen, als sie wirklich ist. Darum gilt: Gut eincremen und den Vorgang regelmässig wiederholen, weil der Sonnenschutz durch Reibung der Textilien und durch Schwitzen weggewischt wird. Auch wichtig: Eine adäquate Sonnenbrille für Bergtouren (erhältlich in SportXX-Filialen) und einen Hut tragen.

Bei Letzterem gilt es laut Sportmediziner Dr. Christoph Dehnert allerdings, auf eine ausreichende Belüftung zu achten, die beispielsweise bei einem Filzhut mit seinem dichten Gewebe nicht gegeben wäre. «Besser ist deshalb ein Strohhut.» Und was ist nun mit dem Taschentuch als Kopfbedeckung? «Meine erste Wahl wäre es nicht», sagt der Experte.

«Aber wenn man nichts anderes zur Hand hat, ist es immer noch besser, als gar keinen Schutz zu haben.» Wichtig gegen Sonnenstich sei nebst einer Kopfbedeckung aber auch, immer genug zu trinken – und bei der grössten Sonneneinstrahlung und Hitze zur Mittagszeit lieber eine Pause einzulegen.

7. Kinder können nicht gleich weit laufen wie Erwachsene

Hier gibt es kein Richtig oder Falsch. Dr. Christoph Dehnert rät, sich als Eltern an das Wanderpensum der Kinder ein bisschen heranzutasten und fürs erste Mal eine Tour zu wählen, die notfalls einfach abgebrochen werden kann. Wichtig ist es, sein Kind gut zu kennen und zu wissen, was man ihm zutrauen kann.

Aber auch das kann von Tag zu Tag unterschiedlich sein: «An einem Tag laufen die Kleinen über mehrere Stunden immer munter voraus, ohne im Geringsten zu ermüden, und am nächsten Tag kommt man nur schleppend voran, weil das Kind keine Lust hat – ich spreche da auch aus eigener Erfahrung. Dann ist es hilfreich, wenn noch andere Kinder dabei sind, denn Kinder motivieren sich in der Regel gegenseitig.» 

Wer dem Nachwuchs nebst dem eigentlichen Wandern auch noch ein bisschen Unterhaltung bieten möchte, entscheidet sich für eine der vielen Themenwanderungen für Kinder, die es in der Schweiz gibt, so etwa den Muggestutz auf dem Hasliberg oder den Eichhörnliweg in Arosa. 

Vater und Sohn beim Wandern
Vater und Sohn beim Wandern

Kinder sollten auf Wanderungen nicht über-, aber auch nicht unterfordert werden.

8. An Kühen möglichst schnell vorbeirennen

Falsch. Betritt man eine Weide, sollte man sich ruhig bewegen, damit man die Tiere nicht aufscheucht – am besten nicht quer durch die Herde laufen, sondern wenn möglich umwandern. Sollte dennoch eine Kuh auf einen zurennen, gilt es laut Experten Folgendes zu tun: Ruhig bleiben, dem Tier nicht den Rücken zudrehen und es weiter beobachten. Mache die Kuh Drohgebärden, also zum Beispiel durch Heben und Senken des Kopfes, Schnauben, Scharren und Brüllen, so solle man langsam zurückweichen und aus dem Revier hinausgehen. Im absoluten Notfall kann ein gezielter Schlag auf die Nase das Tier zum Rückzug zwingen. Besondere Vorsicht ist bei Drohgebärden von Stieren und Mutterkühen geboten – dann sollte man sich raschestmöglich von der Herde entfernen.

Kühe in einer schönen Berglandschaft
Kühe in einer schönen Berglandschaft

Kühe können Wanderern mitunter Mühe bereiten. Beachten Sie die Verhaltensregeln.

9. Schürfungen sofort im Bergbach kühlen

Falsch. Der Grund: Das Wasser im Bergbach ist nicht sauber genug, es kann verschmutzt oder verkeimt sein, was bei offenen Wunden zu Entzündungen führen kann. Besser ist es, die Wunde sogleich zu desinfizieren und entweder mit einem Pflaster oder einem Verband abzudecken.

Es empfiehlt sich, auf jeder Wanderung eine kompakte Wanderapotheke mitzunehmen. Was dort alles reingehört, sehen Sie in der nachfolgenden Box! Medbase Apotheken stellen für Sie auch eine individuelle Wanderapotheke zusammen. Erhältlich sind bei SportXX praktische Erste-Hilfe-Sets.

von Ringier Brand Studio / Thomas Wyss,

veröffentlicht am 28.04.2021, angepasst am 08.07.2021


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