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Gesünder leben?

Relaxen mit Mozart und Heavy Metal

Mit Musik lässt es sich wunderbar entspannen. Ob Mozart oder Heavy Metal ist dabei nicht so entscheidend wie die innere Einstellung.

Das «entspannendste Lied aller Zeiten» ist acht Minuten lang, heisst «Weightless» und stammt aus der Feder der Band Marconi Union. Gemeinsam mit Experten der britischen Akademie für Klangtherapie hatte das Trio aus Manchester so lange an Harmonien, Rhythmen und Bassläufen herumgetüftelt, bis der optimale Relax-Sound gefunden war.

In einer anschliessenden Studie versetzte man die Teilnehmer zunächst durch schwierige Rätselaufgaben, die unter Zeitdruck gelöst werden mussten, in einen Stresszustand. Anschliessend wurden ihnen verschiedene Musikstücke vorgespielt, während Sensoren Hirnströme, Blutdruck, Atem- und Pulsfrequenz massen. «Weightless» erwies sich dabei als das effektivste von allen und hängte im Vergleich sogar Mozart ab.

Der Rhythmus senkt Pulsfrequenz und Blutdruck

Das Stück reduzierte Nervosität und Ängste der Teilnehmer um durchschnittlich 65 Prozent, verlangsamte Herzschlag und Atmung, senkte den Blutdruck und das Stresshormon Cortisol. Die Forscher führten die Wirkung auf mehrere Faktoren zurück: Zum einen passe sich der Herzschlag dem Rhythmus an, der sich allmählich von 60 auf etwa 50 Schläge pro Minute verlangsamt, wodurch zugleich der Blutdruck sinke.

Die eher dunklen, warmen Klänge wirkten ausserdem tröstlich und lösten angenehme Assoziationen aus. Da das Gehirn beim Musikhören normalerweise versuche vorauszusagen, wie Melodie und Rhythmus weitergehen, wirke der Verzicht auf eine sich wiederholende Melodie zugunsten beiläufiger Klangfolgen zusätzlich entspannend. (lesen SIe unten weiter...)

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Beruhigend oder nicht?

Obwohl es nicht auf die Musik ankommt, um zu entspannen, existiert eine Liste mit den angeblich 10 besten Relax-Songs aus Grossbritannien. Welcher entspannt sie am meisten?

  1. Marconi Union – Weightless 
  2. Airstream – Electra 
  3. DJ Shah – Mellomaniac (Chill Out Mix)
  4. Enya – Watermark
  5. Coldplay – Strawberry Swing
  6. Barcelona – Please Don't Go
  7. All Saints – Pure Shores
  8. Adele – Someone Like You
  9. Mozart – Canzonetta Sull’aria
  10. Cafe Del Mar – We Can Fly

Quelle: Daily Mail

Wie wirkt sich Musikhören im Alltag aus?

Der Erfolg scheint ihnen Recht zu geben: Seit seinem Erscheinen 2011 wurde «Weightless» weltweit zig Millionen mal gestreamt und heruntergeladen. Die Sehnsucht nach einer Zauberformel für die ultimative Entspannung ist offenbar riesig.

Dass Musik eine starke Wirkung auf Körper und Seele haben kann, ist unbestritten, welche Mechanismen dabei genau zum Tragen kommen und ob Musik auch als Mittel zur Stressbewältigung taugt, ist seit Langem Gegenstand intensiver Forschung. Wissenschaftler der Universität Marburg wollten es noch genauer wissen: Da die bisherigen Erkenntnisse in aller Regel unter Laborbedingungen entstanden sind, untersuchten sie die Auswirkungen des Musikhörens im Alltag.

Dafür mussten die Probanden, eine Gruppe Studierender, mehrmals am Tag schriftlich Fragen zu ihrem Befinden und ihrem Musikhörverhalten beantworten – erst während des entspannten Semesterbeginns, dann in der stressigen Prüfungsphase am Ende. Zusätzlich sollten sie angeben, aus welchem Grund sie die Musik gehört hatten: zum Entspannen, zur Ablenkung, zur Aktivierung oder gegen Langeweile. Bei einer Teilgruppe wurden ausserdem Speichelproben auf ihren Gehalt an Cortisol und Alpha-Amylase getestet, zwei aussagekräftige Biomarker für Stress.

Auf die eigenen Vorlieben hören

Die Auswertung ergab, dass Musik immer dann stressreduzierend wirkte, wenn sie mit dem Ziel der Entspannung gehört wurde, und zwar unabhängig davon, um welche Art es sich handelte. Auch das subjektive Stressempfinden der Probanden und die Biomarker im Speichel waren in diesen Fällen stets am niedrigsten. Das Warum, so die Folgerung der Wissenschaftler, ist entscheidend, nicht das Was.

Der «entspannendste Song aller Zeiten» mag für viele Leute funktionieren; das Universalmittel für alle ist er jedoch ebenso wenig wie die «Kleine Nachtmusik» von Mozart. Den einen entspannt Vivaldi am besten, die andere Heavy Metal, und an manchen Tagen ist es vielleicht sogar umgekehrt. Da hilft nur ausprobieren. Und den eigenen Empfindungen mehr trauen als den Ergebnissen wissenschaftlicher Studien.

von Ruth Hoffmann,

publiziert am 08.11.2017


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