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Gesünder leben?

So wird der Garten zur Entspannungsoase

Ob Garten oder Balkon: beides lässt sich mit ein paar Überlegungen in eine Oase der Entspannung und des Wohlgefühls verwandeln. Drei Experten erklären, worauf es ankommt.

Meist ist ein Garten oder Balkon das Spiegelbild der Menschen, die ihn bewohnen. Dies soll und darf auch so sein – schliesslich sollen sich die Bewohner dort wohlfühlen. Pflanzen sind das A und O eines Entspannungsortes. «Die Kunst ist, das Vorhandene mit dem Gewünschten in Einklang zu bringen. Das klingt klar und logisch. Doch oft liegen die eigenen Wünsche fernab der topografischen Verhältnisse», sagt Silvia Schaub, Co-Autorin des Buches «Gartensituationen». Ein mediterraner Garten, dessen Pflanzen Sonne liebten, könne in einer feuchten, schattigen Ecke nicht ideal gedeihen. Und Schattenpflanzen in einer sonnigen Lage anzupflanzen, mache ebenfalls keinen Sinn. Deshalb lautet der erste Tipp:

1. Die Möglichkeiten des Gartens ausloten

Nur wer die Ausgangslage (Boden, Klima, Exposition, Statik) kennt, kann seinen Garten im Einklang mit den natürlichen Gegebenheiten gestalten. Die Fragen dazu lauten: In welche Himmelsrichtung ist der Balkon oder Garten ausgerichtet? Wie verläuft der Sonnenstand zu den verschiedenen Tages- und Jahreszeiten? Wo und wann ergeben sich dadurch sonnige oder schattige Plätze? Wie ist die Windexposition? Wie sieht es mit dem Geräuschpegel aus, mit Strassen, Schienen oder öffentlichen Gebäuden in der Nähe?

2. Wo fühlen Sie sich wohl im Garten?

«Wichtig ist herauszufinden, wo man sich wohlfühlt. Am einfachsten geht man selber durch den Garten oder über die Terrasse und sucht diesen oder mehrere Orte des Wohlseins», erklärt Joel Kunz, Inhaber der Gartenbaufirma Gartist im zürcherischen Bubikon. «Manchmal gibt es auch Orte, wo man gerne sein würde, aber der Schutz ist nicht gegeben, weil zum Beispiel ein Nachbar Einsicht hat. Dies kann später mit der richtigen Gestaltung gelöst werden.» (Lesen Sie unten weiter...)

3. Wofür und für wie viele?

«Wichtig ist die Überlegung, wofür und für wie viele Leute die Oase sein soll, dies definiert die Grösse und prägt den Charakter», sagt Joel Kunz. «Selbst wer gerne Gäste empfängt, braucht die Grösse nicht dauerhaft auf 20 Leute auszurichten», ergänzt Silvia Schaub. Für ein Fest kann kurzerhand ein Tisch dazugestellt werden, oder Mauern und Treppen werden vorübergehend als Sitzgelegenheit genutzt. Die Platzgrösse sollte sich nach dem Alltagsgebrauch richten. «Ist der Platz zu gross, fühlt man sich schnell verloren darauf – und er wirkt unausgewogen im Gesamtbild eines Gartens.» 

4. Wie viel Aufwand darfs denn sein?

Mal eben schnell inmitten von Blumen und Hecken entspannt einen Kaffee trinken und über den neusten Kinofilm plaudern? Oder ab Frühsommer jeden Abend mit dem Gartenschlauch ausgiebig durchs Paradies streifen? Die Gartenfrage lautet: Wie viel Aufwand darfs denn sein? Je nachdem stellt sich die Frage nach Bewässerungsanlagen, pflegeleichten Pflanzen oder weniger Pflanzen. Und: Sollen von Frühling bis Herbst Pflanzen blühen, oder bevorzugt man eine Saison, in der der Grossteil blühen soll?

5. Welche zusätzliche Beschattung braucht der Platz?

Mit einer Pergola, Laube, einem Baum oder lieber mobil mit einem Sonnensegel, einem Sonnenschirm? Braucht es zusätzlichen Sichtschutz? Soll dieser durch eine Hecke, mit Kletterpflanzen, Holz- oder Metallwänden erreicht werden? Wo genau wird der Entspannungsplatz eingerichtet? «Wird er auch zum Essen genutzt», so Schaub, «ist die Nähe zur Küche sicher sinnvoll.» Das bedinge einen pflegeleichten Bodenbelag, der einfach gereinigt werden kann. In- und Outdoor-Beläge sollten dann farblich und vom Material her aufeinander abgestimmt sein. Das vergrössert optisch sowohl den Innen- wie auch den Aussenraum.

6. Worauf ist bei Möbeln zu achten?

«Liegt der Fokus auf körperlicher Entspannung, eignen sich Lounge oder Liegestühle als Einladung zum Fläzen, Lesen oder für ein Nickerchen», sagt Ruth Schwerzmann, Gartenmöbel-Expertin bei Micasa. Andere entspannen sich am besten in Gesellschaft – dann ist ein Tisch mit passenden Stühlen und Accessoires das Richtige für eine gemütliche Runde mit einer schönen Mahlzeit. (Lesen Sie unten weiter...)

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7. Welche Rolle spielen Accessoires und worauf ist bei der Auswahl zu achten?

ABC für die Gartenneulinge
  • Umschreiben Sie den Ort mit Adjektiven wie bunt, üppig, farbenfroh, dynamisch oder geradlinig, reduziert, schlicht.
  • Suchen Sie Bilder aus Büchern oder eigene Bilder, welche den Charakter Ihrer Vorstellungen spiegeln.
  • Überlegen Sie sich, was es braucht, damit Sie sich wohlfühlen. Wie viel Schutz und Geborgenheit brauchen Sie? Wie viel Offenheit und Freiheit oder welchen Mix davon?
  • Definieren Sie drei Elemente (oder mehr), die zwingend notwendig sind, zum Beispiel viel Pflanzen, Tontöpfe, Farbe Violett.
  • Definieren Sie drei Elemente (oder mehr), die auf keinen Fall sein dürfen, zum Beispiel: Farbe Gelb, Stahl, Beton.
  • Zeichnen Sie auf einem Blatt am besten einen Grundrissplan im Massstab 1:100 auf, bezeichnen Sie die Stellen, wo Sie sich am liebsten aufhalten würden und unterteilen Sie die entstandenen Flächen und Räume mit Ihren Elementen, welche Sie zwingend möchten.
  • Seien Sie auch mutig, die Gartenräume ganz klar voneinander zu trennen.
  • Haben Sie den Mut, einen «Master» zu bestimmen. Einmal einen riesen Topf mit vier kleineren kombiniert wirkt dynamischer als zehn gleich grosse.
  • Bestimmen Sie, wie viel Geborgenheit und viel Offenheit Sie an welchem Platz haben möchten.

Tipps: Joel Kunz

Accessoires geben der Stimmung, die ein Platz ausstrahlt, den letzten Schliff. Wer die Fläche gemütlich machen möchte, sollte viel Textil einsetzen. Ein Outdoorteppich unter der Lounge oder dem Tisch und viele Zierkissen auf der Lounge helfen dabei.

«Laternen, Outdoorleuchten oder solarbetriebene Lichterketten machen jeden Sommerabend romantisch», weiss Ruth Schwerzmann. Bei aller Romantik sollte der Sitzplatz praktisch bleiben, die Zierkissen und Auflagen auf den Lounges müssen spätestens bei Regen verräumt werden, damit sie schön bleiben. Also vielleicht darauf achten, dass genügend Stauraum in der Nähe ist. Dafür gibt es Kissenboxen im Handel.

8. Wie wird der Balkon zur Entspannungsoase?

Beim Balkon nutzt man einfach den ganzen Balkon als Oase. «Das Vorgehen und die Prinzipien der Raumgestaltung bleiben gleich, Räume werden immer bewusst unterteilt», so Joel Kunz. Auf dem Balkon oder der Terrasse braucht man oft mehr Mut, dies zu tun, weil die Fläche kleiner ist. Auf dem Balkon ist die Pflanzplanung eine andere, man ist eingeschränkter, da alles in Trögen ist. Silvia Schaub: Kräuter und Gemüse wie Salat, Fenchel, Lauch lassen sich ideal in Töpfen anpflanzen und bringen damit auch eine sinnliche Komponente auf den Balkon. Tipp: einheimische Pflanzen wählen mit nektarreichen, ungefüllten Blüten, die Insekten anziehen.

9. Dos and Don’ts

In der Entspannungsoase herrscht Arbeitsverbot. Joel Kunz warnt davor, Pflanzen an den falschen Standort zu stellen oder in die falsche Erde zu pflanzen. «Pflanzen sind immer zentraler Bestandteil eines Gartens, funktionieren diese nicht, funktioniert das Konzept nicht.»

10. Wo hole ich mir Inspiration?

Joel Kunz: «Haben Sie Mut, verrückte Dinge zu probieren, seien Sie nicht zu sehr fixiert auf Zeitschriften und Bücher, seien Sie selber kreativ. Es geht darum, einen ‹eigenen› Wohlfühlort zu kreieren und nicht darum, einen aus dem Regal zu kaufen. Bemalen Sie selber Töpfe, erfinden Sie Rankhilfen für Rosen, stellen Sie selber Sitzgelegenheiten oder Blumentröge her. Seien Sie kreativ, das ist Ihr Ort.» Ruth Schwerzmann zur Möblierung: Verschiedene Internetseiten besuchen von Möbelhändlern, einschlägige Zeitschriften durchblättern, bis man seinen Stil gefunden hat: modern und eher nüchtern, verspielt und eher romantisch? Möbelhäuser besuchen, Möbel ausprobieren. Auf wasserfeste Materialien achten. Grundriss mit gewünschten Möbeln zeichnen, genug Platz für Durchgänge einplanen. Wo ist der richtige Platz für meine Lounge, meinen Esstisch?

von Silvia Schütz,

publiziert am 22.08.2019


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