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Gesünder leben?

Bitte lächeln!

Unser Kolumnist ringt sich im Alltag zum regelmässigen Lächeln durch. Damit will er sein Gehirn reinlegen. Zunächst einmal erschreckt er damit die Mitpassagiere im Zug.

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Lukas Hadorn

Lukas Hadorn (39) ist als Vater zweier kleiner Kinder, selbständig Erwerbender und Pendler gewissermassen die personifizierte Schnittmenge umweltbedingter Stressbelastung. Darum ist er stets auf der Jagd nach neuen Ideen im Dschungel der Entspannungstechniken.

Im Juni verbrachte ich einige Morgenstunden damit, mich beim Qigong zu versuchen. Vivai, das Nachhaltigkeitsmagazin der Migros, organisierte Schnupperlektionen mit Qigong-Meister Jumin Chen in verschiedenen Schweizer Städten. Die Events waren sehr gut besucht, was auch an Meister Chen lag, der als Kapazität auf seinem Gebiet gilt und gleichzeitig über ein äusserst liebenswürdiges und umgängliches Wesen verfügt.

Nachdem ich die Schnupperlektion an verschiedenen Orten miterlebt hatte, fielen mir die vielen Anekdoten und Pointen auf, die er scheinbar nebensächlich in seine Anweisungen, wie wir unsere Arme und Beine zu bewegen hatten, einfliessen liess. Unter anderem erinnerte er die Teilnehmenden immer wieder daran, die Übungen mit einem Lächeln auf dem Gesicht auszuführen. Danach wartete er einige Sekunden, blickte in die Runde, und sagte spitzbübisch: «Genau so. Glücklich wie noch nie.»

Lächeln macht glücklich

Bewertung

Entspannungsfaktor: 3

Aufwand/Ertrag: 5

Suchtpotenzial: 1

Skala: 1-5

Der Satz erinnerte mich an einen Artikel, den ich früher mal gelesen hatte. Es ging um eine Studie, die etwas vereinfacht gesagt zum Ergebnis gekommen sein soll, dass länger und gesünder lebt, wer regelmässig lächelt. Offenbar gibt es eine Strasse zwischen Gehirn und Mundwinkeln, die in beide Richtungen befahren werden kann: Wir lächeln nicht nur, wenn wir glücklich sind, sondern sind auch glücklicher, wenn wir lächeln.

Nun denn. Ich fasste sogleich den Entschluss, zwecks alltäglicher Entspannung regelmässiger zu lächeln. Mit leisem Unbehagen erinnerte ich mich nämlich an mein Spiegelbild in der Scheibe eines Interregio-Zugs, in das ich vor einigen Tagen mit Befremden geblickt hatte. Es zeigte einen mürrischen Mann mittleren Alters, den man besser nicht nach einer Spende fragt, um die Unterschrift für eine Volksiniative bittet oder sonstwie von seinem steinigen Weg abbringt. Abgehärtet, fast schon verbittert vom alltäglichen Pendlerstress. Wollte ich so durchs Leben gehen?

Nein!, schwor ich mir, und knipste sogleich ein strahlendes Lächeln an, was eine junge Dame in meinem Zugabteil aufschrecken liess. Ich achtete nicht darauf, schliesslich lächelte ich für mein gesundheitliches Wohl, im Dienste eines langen Lebens quasi. Wie die Grinsekatze aus «Alice in Wunderland» marschierte ich danach quer durch die Bahnhofshalle, bestieg offensichtlich glücklich das Tram und zeigte den Passagieren meine Beisserchen, als wäre ich ein stolzer Erstklässler mit Zahnlücke. Die Übung bereitete mir eine tiefe, kindische Freude, was zur Folge hatte, dass ich mich tatsächlich glücklicher und entspannter fühlte. Ich lachte innerlich über mich, und damit irgendwie auch mit mir. Es fühlte sich gut an.

Seither versuche ich, mich im Alltag immer mal wieder zu einem spontanen Lächeln durchzuringen. Geht überall, und kostet nichts. Im Büro handelt man sich damit bisweilen ein paar verstohlene Blicke der Kollegen ein, wie beim Verfassen dieser Zeilen. Egal. Ich bin glücklich. Glücklich wie noch nie.

von Lukas Hadorn


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