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Gesünder leben?

Taaaaaake ooooon meeeee!

Singen in der Gruppe entspannt – das weiss unser Kolumnist aus eigener Erfahrung. Obendrein gibt es dafür wissenschaftliche Beweise.

Ein Freund erzählte mir kürzlich davon, dass er sich zwecks Ausgleich zum anstrengenden Job und seiner nicht minder anspruchsvollen Rolle als Vater zweijähriger Zwillinge ein neues Hobby angeeignet habe: Er singt in einem Chor. Ich reagierte etwas überrascht, war er doch weder der auffallend musikalische noch der ausgesprochen soziale Typ, doch mein Freund versicherte mir, dass es kaum etwas Besseres gäbe als eine Chorprobe, um den Stress eines langen Arbeitstags (und den Stress einer bevorstehenden Nacht mit erkälteten Zwillingen) zu vergessen.

Faszination beim Feierabend-Karaoke

Natürlich lud er mich ein, mit ihm eine Chorprobe zu besuchen, doch ich lehnte dankend ab. Singen in der Gruppe sei nicht so mein Ding, erklärte ich ihm, doch dann erinnerte ich mich an meine Zeit in China, wo ich meine Freizeit ausgesprochen gerne beim Feierabend-Karaoke verbracht hatte. Das war in gewisser Weise mit einem Chor zu vergleichen, denn obwohl stets nur eine Person das Mikrofon in der Hand hielt, grölte nach kurzer Zeit die ganze Gruppe mit, egal, ob es sich um Familienmitglieder, Arbeitskollegen oder Besucher aus der Heimat handelte.

Dem Singen im Kollektiv schien eine archaische Faszination anzuhaften. Ich hatte jedenfalls nie jemanden erlebt, dessen anfängliche Skepsis einen Abend lang anhielt. Selbst die grössten Zweifler empfanden nach kurzer Zeit den unstillbaren Drang, «Take on Me» von A-ha durch den Raum zu schmettern.

Frau singt im Gesangskurs Klubschule (mit Logo)

Gesang und Stimmbildung in der Klubschule

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Gesteigertes Wohlbefinden

Den deutschen Musikwissenschaftler Gunter Kreutz dürfte das kaum überraschen. Er erforscht an der Universität Oldenburg die psychologische, körperliche und soziale Bedeutung des Singens. In Studien mit Chorsängern kam er dank psychologischer Fragebögen sowie Blutmessungen zum Schluss, dass sich das Singen positiv auf Körper und Psyche auswirkt.

Hier können Sie mitsingen

Die Migros Klubschule bietet diverse Kurse zu verschiedenen Gesangsarten wie Jodeln, Chorsingen oder Pop/Rock/Jazz an. Auch Kurse zur Stimmbildung können besucht werden. 

Chorverzeichnis der Schweiz mit mehr als 520 Einträgen. Es finden sich alle Stilrichtungen von Gospel über Jazz bis hin zu Volks- und Weltmusik. 

Klassische Chöre der Schweiz: Verzeichnis jener Chöre, die sich klassischer und geistlicher Literatur widmen. Mit mehr als 680 Einträgen. Interessierte finden auch eine Übersicht aktueller Singwochen oder Singwochenenden. 

Auf Anregung des deutschen TV-Senders ARD weitete er seine Untersuchungen auf Menschen aus, die keine Erfahrungen mit Chorgesang hatten. Für seinen «Chor der Muffeligen» bildete er aus Personen, die im Leben aus ganz unterschiedlichen Gründen nur wenig zu lachen hatten, ein Gesangs-Ensemble, und liess die Mitglieder nach jeder Probe psychologische Fragebogen ausfüllen. Gleichzeitig mass er die Konzentration bestimmter Hormone im Speichel. Sein eindeutiges Fazit: Miteinander singen steigert das Wohlbefinden. Die «Muffeligen» sangen jedenfalls auch nach Ende der Dreharbeiten gemeinsam weiter.

Gute Gründe also, sich zwecks Entspannung und Wohlbefinden einem Chor anzuschliessen. Vielleicht komme ich ja doch noch auf das Angebot meines Freundes zurück. Ideal wäre natürlich, wenn ich einen Chor fände, der im Stile dieser Gruppe aus Toronto «Take on Me» und andere Pop-Klassiker intoniert. Dann würde es sich ein kleines bisschen so anfühlen wie Karaoke in Shanghai. Das wäre vermutlich mindestens genau so entspannend – und gäbe tags darauf deutlich weniger Kopfschmerzen.

von Lukas Hadorn,

publiziert am 02.07.2018


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