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Gesünder leben?

Au, das tut gut!

Unser Kolumnist ist überzeugt: Eine Massage, die nicht schmerzt, bringt nichts. Er spricht dabei aus Erfahrung.

Zeit, dass wir uns an dieser Stelle mit dem Thema Massage auseinandersetzen – der Entspannungsmethode schlechthin. Alleine an meinem Wohnort, einer mittelgrossen Schweizer Stadt, habe ich eine schier endlose Auswahl an Massagen, die von klassischen Anwendungen wie der Fussreflexzonenmassage oder der Bindegewebsmassage über weniger bekannte Ausprägungen wie der tibetischen Massage oder der Lomi-Lomi-Massage bis hin zu exotischen Spielformen wie der Honigmassage, der Jadestein-Massage oder der Detox-Massage reicht.

Der Grund, warum sich diese Dienstleistung einer derart grossen Popularität erfreut, ist einfach: Massagen sind toll. Man braucht nichts zu tun, ausser sich hinzulegen, mit einem wohlriechenden Öl einreiben und sanft kneten zu lassen, während im Hintergrund irgendeine Shakuhachi-Flöte dudelt. Und das erst noch auf Kosten der Krankenkasse. Was will man mehr?

Ich persönlich muss Ihnen gestehen: mir sagt das alles nichts. Nicht, weil ich kein Fan japanischer Bambusflöten wäre oder eine Abneigung gegen Jojobaöl hätte. Und zusatzversichert bin ich obendrein auch noch. Nein, mir fehlt hierzulande schlicht der Schmerz. Eine Massage, und diesen Punkt bitte ich Sie mitzunehmen, muss weh tun. (lesen Sie unten weiter...)

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You ok, sir?

Ich habe diese Lektion von Wei gelernt, einem Masseur in Shanghai, wo ich für einige Zeit lebte und regelmässig einen Massagesalon ganz in der Nähe meiner Wohnung besuchte. Wei war einen halben Meter kleiner als ich, und dürfte keine 60 Kilo auf die Waage gebracht haben, aber schon bei unserer ersten Begegnung packte er mich im Nacken wie eine Löwenmutter ihr Junges, und begann zu kneten, als gelte es, meine Wirbel zu zerbröseln.

Danach stolzierte er mit spitzen Fingern die Wirbelsäule herab, während er sein ganzes Gewicht, das ich inzwischen auf 148 Kilo schätzte, mit einer beängstigenden Präzision stets genau dorthin zu verlagern schien, wo es besonders weh tat. «You ok, Sir?», fragte er mich. «Yes, of course, no problem, thank you», stammelte ich. Was sollte ich schon antworten? Ich konnte ja nicht nach fünf Minuten Daumenbohren schon um Gnade winseln.

Und so vergrub sich Wei für weitere 65 Minuten in mein Fleisch, packte ganze Muskel auf einmal, presste sie, quetschte sie, griff mit der ganzen Hand unter meine Schulterblätter, drehte meine Arme auf den Rücken, zog, schob, schüttelte, klopfte und rieb, dass mir die Tränen in die Augen schossen. Gesäss, Beine, Füsse, Gesicht und zum Schluss noch einmal Nacken und Schultern, dann war die Tortur beendet, und der kleine, freundliche Wei verabschiedete sich. Und ich fühlte mich – grandios. Da die Traditionelle Chinesische Massage sich auch auf die Energielaufbahnen konzentriert, schien mein ganzer Körper, obwohl angenehm entspannt, wie elektrisiert. Ich nahm meine Bewegungen intensiver wahr, fühlte mich ruhig und trotzdem energiegeladen.

Und ich wusste: Für dieses Gefühl muss ich leiden.

Nun mag es ein Vorurteil sein, dass ich mir unter einer Detox- oder Honigmassage ein begrenzt leidvolles Erlebnis vorstelle. Vielleicht sollte ich das eine oder andere Angebot mal ausprobieren. Aber wehe, es spielt keine Bambusflöte.

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von Lukas Hadorn,

publiziert am 09.02.2018


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