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Gesünder leben?

Yoga im Liegen

Schlaf nachholen mit Yoga Nidra? Das klingt nach einer Entspannungsübung für unseren Kolumnisten Lukas Hadorn. Ab in den Alpha-Zustand!

Vielleicht gehören Sie zu jenen Leuten, die beim Begriff Yoga reflexartig an Menschen denken, die sich zum Klang fernöstlicher Entspannungsmusik in halsbrecherische Stellungen knoten, während ein weisshaariger, gütig dreinblickender Yogi sie die Wärme seiner Erleuchtung spüren lässt. Ich gehörte lange dazu. Jedenfalls war ich der festen Überzeugung, beim Yoga nichts verloren zu haben. Alleine die Vorstellung, inmitten eng bekleideter Frauen einen nach unten schauenden Hund zu mimen, liess mich in Schweiss ausbrechen.

Dann erfuhr ich von Yoga Nidra. Yoga zur Entspannung. Yoga, das komplett im so genannten Shavasana praktiziert werden kann, also auf dem Rücken liegend, mit geschlossenen Augen. Das klang schon eher nach meiner Kragenweite.

Systematisch beruhigend

Da ich beruflich gerade zum Thema Entspannungstechniken recherchierte, kontaktierte ich Karin von Arx, die Yoga Nidra unter anderem an der Klubschule Migros unterrichtet. Sie erklärte mir, dass es sich um eine Tiefenentspannungstechnik handelt, die einem ganz bestimmten, systematischen Ablauf folgt und dabei Körper, Geist und Emotionen beruhigt. Dabei lauscht man den Anweisungen einer Lehrerin, eines Lehrers oder einer Stimme auf CD. «Beim Yoga Nidra pendelt man zwischen einem entspannten Wachzustand und einem leichten Dämmerschlaf hin und her», so Karin von Arx. «Es kann sein, dass man während der Übung kurz wegnickt oder eine Ansage verpasst.» Das sei völlig in Ordnung.

Genau diese Wechselwirkung zwischen wacher Entspanntheit und Halbschlaf mache die Technik so erholsam, so die Yogalehrerin weiter. «Es heisst, ein gutes Yoga Nidra wirke auf Körper und Geist wie drei bis vier Stunden Schlaf. Danach fühlt man sich frischer, aufmerksamer und gelassener.»

Abschalten mit dem Bodyscan

Bewertung

Entspannungsfaktor: 5
Aufwand-/Ertrag: 4
Suchtpotenzial: 4

Skala von 1 bis 5

Auf Youtube wurde ich fündig. Von «Mojo Di», einer deutschen Meditationstrainerin, liess ich mich in die Tiefen meines Bewusstseins entführen. Das ging erstaunlich einfach. Nach einer kurzen Einleitung, bei der vor allem auf die eigene Atmung fokussiert wird, knipste mir der «Bodyscan» schon nach wenigen Minuten die Lichter aus. Bei dieser mentalen Reise durch den eigenen Körper versucht man, sich alle Einzelteile seiner sterblichen Hülle ins Bewusstsein zu rufen: Der rechte grosse Zeh, der zweite Zeh, der dritte Zeh, der vierte Zeh, der rechte kleine Zeh, alle fünf Zehen, die Ferse, der Ballen, der Fussrücken, der rechte Knöchel und so weiter.

Dass man zwischenzeitlich in den erholsamen Alpha-Zustand abdriftet, merkt man daran, dass auf die rechte Wade plötzlich das linke Schlüsselbein folgt. Moment, da war doch was dazwischen? Inzwischen praktiziere ich Yoga Nidra regelmässig, und ich muss zugeben, dass ich es noch nie bei komplettem Bewusstsein durch die knapp 32 Minuten lange Übung geschafft habe. Aber das Gefühl, bei voller Konzentration wegzunicken und damit keineswegs das Falsche zu tun, ist einzigartig. Ich kann es nur empfehlen.

Yoga Nidra Lektion mit Ranja Weis


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