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Gesünder leben?

Stressfrei auf chinesische Art

Auf Zeitlupentempo runterdrosseln und in die asiatische Bewegungslehre eintauchen – das hilft gegen die Anspannungen des Alltags.

Während draussen der Nebel den Tag füllt, schwebe ich ab in den Fernen Osten. Meine erste Tai-Chi-Lektion: Chinesische Musik verbreitet exotische Stimmung, der Lehrer zeigt in Zeitlupentempo Figuren vor, die geschmeidig ineinander übergehen und Namen tragen wie «Den Vogel beim Schwanz packen» oder «Der weisse Kranich breitet die Flügel aus». Ich bin fasziniert. Irgendwie wie in einem Kampfkunstfilm, bloss dass auf den bedächtigen Prolog kein Zetermordio folgt.

Im Zeitlupentempo in den Fernen Osten

Ich versuche die Figuren nachzumachen, die sich als Gesamtes zu einer Choreografie zusammenfügen – der sogenannten Yang-Stil-Kurzform. Schwer fällt es mir nicht, aber wie es aussieht, weiss ich nicht. Ist mir derzeit auch egal. Wichtiger ist es nämlich, die Bewegungen von innen heraus zu spüren. «Zentral ist dabei das Gefühl von Gleichgewicht und dass man stabil und locker mit beiden Beinen auf dem Boden steht», erklärt der Lehrer Dino Rigoli, der in der Berner Welle 7 mehrmals pro Woche Training gibt. «Mit dem Tai-Chi fördert man auch die innere Stabilität und psychische Harmonie und aktiviert das Fliessen der Lebensenergie.»

Kampfkunst ohne Kampf

Die Bewegungslehre wurde vor Jahrhunderten im chinesischen Kaiserreich als Kampfkunst entwickelt. Von Kampf sieht man aber nicht viel. Anders als etwa im Kung-Fu oder Boxen geht es im Tai-Chi nämlich ums Training der inneren Stärke. (Lesen Sie unten weiter...)

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Gleichgewicht üben

Nach dem Üben der Figuren zeigt unser Lehrer eine Partnerübung vor. Ich habe Glück und komme mit einer Frau zusammen, die schon längere Zeit Tai-Chi praktiziert. Sie schliesst die Augen, ich darf sie von allen Seiten an Schultern und beim Becken stupsen. Statt dass Gleichgewicht zu verlieren, dreht sie die Schultern ab, sinkt leicht in die Knie und leitet die Energie des Stosses in den Boden ab. Der sanften Wucht meiner Anremplerei hält sie lächelnd stand. So geht das also mit der Standfestigkeit. Das will ich mir merken.

Fitness für den Geist

Ganz einfach ist Tai-Chi-Chuan – so heisst die Technik vollständig – nicht: Es dauert seine Zeit, bis man die Bewegungen drauf hat und die Abfolgen der Figuren kennt. «Man braucht bei dieser Entspannungstechnik auch etwas Sinn für Koordination und Freude an Choreografien», sagt Rigoli, der seit 25 Jahren Tai-Chi-Chuan praktiziert und auch in China bei grossen Meistern lernte. In der kommunistischen Volksrepublik war Tai-Chi einst staatlich verordnetes Fitnessprogramm.

Auch bei uns wäre es für die Volksgesundheit förderlich. Denn man schult damit nicht nur mentale Stärke, sondern auch Konzentrationsfähigkeit und es wirkt erwiesenermassen als Anti-Stress-Mittel. Mehrere Studien – eine davon am Institut für Psychologie in Bern – haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die chinesische Bewegungslehre ideal ist, um Stress abzubauen.

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Tai Chi Kurse

Der Volksport der Chinesen Lernen Sie die langsamen und fliessenden Bewegungen von der chinesischen Kampfkunst. Probieren Sie es in einem Kurs der Klubschule Migros aus.

von Claudia Langenegger,

publiziert am 19.03.2018


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