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Gesünder leben?

Bewusster Luft holen

Wir tun es Tausende Male täglich – meist ohne darüber nachzudenken. Doch etwas Achtsamkeit beim Ein- und Ausatmen lohnt sich.

Ohne Nahrung kann der Mensch ein paar Wochen überleben. Ohne Wasser immerhin ein paar Tage. Ohne Atemluft hingegen nur wenige Minuten. Jede Zelle unseres Körpers benötigt den lebenspendenden Sauerstoff, und zwar ununterbrochen. Rund 20 000 Mal atmen wir deshalb pro Tag – von unserer Geburt bis zum Lebensende.

In der Zeit dazwischen stockt uns der Atem, haben wir einen langen Atem, atmen wir erleichtert auf oder nehmen uns gegenseitig die Luft zum Atmen. Manchmal machen wir unserem Ärger Luft, leiden unter einer erstickenden Atmosphäre oder erleben atemberaubende Momente.

Bewusst eingreifen

In der Umgangssprache drückt sich aus, was wir täglich beobachten können: Unser Atem reagiert wie ein Seismograf auf Handlungen, Gefühle und äussere Umstände. Ganz unwillkürlich passt er sich den Gegebenheiten an.

Obwohl wir quasi automatisch Luft holen, können wir bewusst eingreifen – und damit die Wirkung des Atmens verändern. Ob wir schnell atmen oder langsam, tiefe Atemzüge machen oder nur wenig Sauerstoff tanken – all das beeinflusst den gesamten Organismus und unsere Gesundheit. (lesen Sie unten weiter...)

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Brücke zwischen Körper und Seele

«Was wir erleben, beeinflusst den Atem. Und wie viel Raum sich der Atem nehmen kann, wirkt sich auf das Erleben aus, den Körper, auf Gefühle, Denken, Handeln», erklärt Cornelia Roth, die in München ein Verfahren anbietet, das Atempsychotherapie heisst.

Der Atem als körperliche Funktion, die stark mit seelisch-geistigen Vorgängen verbunden sei, ist eine Brücke zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein.

Wissenschaftliche Studien belegen, was Roth schildert: Die Brücke hilft Menschen bei Beziehungsstörungen, Burn-out-Symptomen, depressiven Verstimmungen oder Ängsten. Auch bei psychosomatischen Erscheinungen wie chronischen Schmerzen, Tinnitus oder Bluthochdruck hat sich die Arbeit mit dem Atem bewährt. ««Häufig verdrängen wir Probleme oder identifizieren uns zu stark mit ihnen», erklärt Therapeutin Roth. «Mithilfe des Atems lernt man, den richtigen Abstand einzunehmen.» Ausserdem helfe er dabei, eine angemessene Spannung oder Entspannung zu erreichen. In depressiven Phasen kann er aktivieren, in stressigen Zeiten beruhigen.

Bei Übungen im Stehen, Sitzen, Liegen oder Gehen lädt Cornelia Roth ihre Patienten ein, den eigenen Atemfluss genau wahrzunehmen. Nichts erreichen zu müssen, mit sich selbst in Berührung zu kommen, den Körper intensiv zu spüren.

Den Takt selbst vorgeben

Bewusstes Atmen kann mehr, als bloss genug Sauerstoff in unsere Blutbahnen zu befördern. Es führt zu mehr Leistungsfähigkeit und mehr Wohlbehagen. Egal ob Yoga, Meditation oder Qigong – bewusstes Atmen ist nicht umsonst ein wesentlicher Teil vieler Entspannungsmethoden. Sie alle machen sich das Zusammenspiel von Atmen und Herzfrequenz zunutze. So helfen langsames Ausatmen und längere Atempausen dabei, den Körper in einen ruhigeren Zustand zu versetzen.

Auch beim Sport kommen Luftholtechniken zum Einsatz. Mit verschiedenen Gerätschaften können Athleten etwa ihre Atemmuskulatur trainieren. So verhindern sie, dass Zwischenrippen-, Brust- und Lendenmuskeln vorzeitig ermüden. Atemübungen verkürzen die Erholungszeit, verbessern die Ausdauer, beschleunigen den Laktatabbau. Das legen Studien nahe.

von Lisa Meyer,

publiziert am 21.12.2017


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