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Gesünder leben?

9 Mythen rund um den Schlaf

Immer vor Mitternacht ins Bett, damit Sie vom «guten» Schlaf profitieren können? Das können Sie vergessen, sagt der Experte. Wie vieles andere auch, was der Volksmund verbreitet.

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Bei Vollmond schläft man schlechter

Der Volksmund hat es eigentlich schon immer gesagt – doch die Wissenschaft konnte diesen Nachweis bis vor Kurzem nicht erbringen. Jetzt ist aber gemäss aktuellen Studien auch wissenschaftlich belegt, dass die Schlafqualität bei Vollmond schlechter ist. Warum das so ist, kann man noch nicht erklären. Dass der Vollmond Einfluss auf die Menschen ausübt, wurde schon früher in anderen Erhebungen festgestellt, etwa dass die Zahl von Gewaltverbrechen während des Vollmonds zunimmt.

Jens Georg Acker, Schlafmediziner, Chefarzt der Klinik für Schlafmedizin, Bad Zurzach

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Der Vor-Mitternachtsschlaf ist der beste

Das stimmt so nicht. Die Menschen haben individuelle Schlafzeiten. So gibt es «Lerchen», die Frühaufsteher, und «Eulen», die Nachtmenschen. Ausserdem verschiebt sich mit zunehmendem Alter der Schlafrhythmus deutlich nach vorn. Das Problem dabei ist, dass die Gesellschaft sich nicht nach diesen individuellen Schlafzeiten richtet. Man denke an die Diskussion des Schulbeginns oder an die Schichtarbeit. Das heisst: Der gute Schlaf ist dort, wo man gut schlafen kann. Wichtig ist ein regelmässiger Schlafrhythmus und die richtige Schlafmenge.

Jens Georg Acker, Schlafmediziner 

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Man steht am besten dann auf, wenns mit dem Biorhythmus übereinstimmt

Stimmt so nicht. Es wäre zuerst zu fragen, von welchem Biorhythmus die Rede ist. Der wichtigste Biorhythmus der Naturheilkunde ist das, was zum Beispiel Pfarrer Kneipp mit seiner Ordnungstherapie meinte, was seit jeher als menschgerechter, regelmässiger Wechsel zwischen Aktivität und Passivität empfohlen wird. Sehr heikel ist in diesem Zusammenhang das Blaulicht, das von fast allen Bildschirmen ausgestraht wird und die Bildung von Melatonin hemmt. Am besten steht man dann auf, wenn man ausgeschlafen und ausgeruht ist.

Christian Vogel, Vorstandsmitglied NVS Naturärztevereinigung Schweiz, Herisau

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Dinnercancelling: Kann man im Schlaf abnehmen?

Ja. Dinnercancelling oder zu Deutsch Abendfasten hat die Wirkung, dass nachts die Verdauungsorgane weniger arbeiten. Die Chronobiologie bestätigt heute, dass wir einen inneren Rhythmus im Stoffwechsel haben und die Verdauungsorgane nachts weniger arbeiten. Und nachts benötigen wir sehr wenig Energie. Das Dinnercancelling führt häufig zu erholsamerem Schlaf dadurch gesteigerter Leistungsfähigkeit und es erleichtert, das Gewicht zu halten.

Sybille Binder, dipl. Ernährungsberaterin FH, Leiterin des Institus für integrative Naturheilkunde, Zürich

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Zu wenig Schlaf macht dick

Ja, das trifft prinzipiell zu. Schlafmangel führt zu einem Mangel eines bestimmten Hormons, das häufig das Risiko von unkontrollierten Heisshungerattacken erhöht. Die Menschen neigen dann dazu, den Heisshunger mit Schokolade und Süssem oder koffeinhaltigen Getränken zu stillen. Ausserdem hat Schlafmangel zur Folge, dass das vegetative Nervensystem aus dem Lot gerät und falsche Impulse aussendet. Auf diese Weise wird der Körper weniger gut entgiftet.

Sybille Binder, dipl. Ernährungsberaterin FH, Leiterin des Institus für integrative Naturheilkunde, Zürich

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Ältere Menschen brauchen mehr Schlaf

Nein, die Schlafqualität verändert sich. Ältere Menschen haben morgens oft das Gefühl, noch müde zu sein, und interpretieren dies als Schlafmangel. Mit zunehmendem Alter verändert sich das Schlafmuster. Dies ist ein natürlicher Alterungsprozess der dazu führt, dass man kaum noch Tiefschlafphasen aufweist und weniger aktive Traumphasen erlebt. Durch den flacheren Schlaf ist die Weckschwelle gesenkt; Betroffene werden störanfälliger für Geräusche, wachen leichter auf und können nicht mehr durchschlafen. Kommt hinzu, dass es für viele schwieriger wird einzuschlafen. Nicht zuletzt leidet die Schlafqualität durch das häufigere nächtliche Wasserlassen.

Sandra Oppikofer, Gerontologin, Zentrum für Gerontologie der Universität Zürich

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Haut, Nägel und Haare regenerieren sich in der Nacht

Stimmt nicht. Der Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert bei allen höheren Lebewesen eine ganze Reihe überlebensnotwendiger Vorgänge. Unzählige biologische Vorgänge in den Geweben und im Stoffwechsel gehorchen einer «inneren Uhr». Intuitiv würde man daher annehmen, dass sich Haut, Nägel und Haare in der Nacht regenerieren. Die innere Uhr der Haut funktioniert jedoch anders. Neuste Forschungsergebnisse haben nachgewiesen, dass die Regenerationskraft von Haut, Haaren und Nägeln tagsüber und speziell am Mittag am höchsten ist.

Jürg Hafner, Professor, Dermatologische Universitätsklinik, Zürich

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Baldrian hilft beim Einschlafen

Baldrian wirkt sehr gut als Einschlafhilfe. Wissenschaftlich ist der Wirkmechanismus nicht genau bestimmt, der für die schlaffördernde und entspannende Wirkung der Baldrianwurzel verantwortlich ist. Sicher ist, dass der Baldriantee oder die Baldriantinktur bei Unruhezuständen und Nervosität als idealer Schlafanstoss gilt. Je nach Präparat wirkt der Baldrian mehr angstlösend oder entspannend. Die Präparate verursachen keinerlei körperliche Abhängigkeit und beeinträchtigen den physiologischen Schlafrhythmus nicht.

Stephan Savoy, Drogist, Drogerie Savoy, Zürich

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Im gemeinsamen Ehebett schlafen Männer besser und Frauen schlechter

Stimmt so nicht. Frauen geben häufiger an, schlechter zu schlafen als Männer. Das hat aber selten mit dem Ehebett oder Ehemann im gleichen Bett zu tun. In der Kleinkindphase sind Mütter nach wie vor hauptsächlich zuständig für ihre Kinder, auch während der Nacht. Das führt zu feineren Sensoren und «leichterem», störungsanfälligerem, Schlaf. Im späteren Erwachsenenalter scheinen hormonelle Veränderungen zu mehr Schlafstörungen bei Frauen zu führen. Grundsätzlich gibt es aber Hinweise, dass emotionaler Stress bei Frauen sich stärker auf den Schlaf auswirkt. Das ist jedoch schwierig zu beurteilen. Denn häufig geben die Männer nur an, keine Schwierigkeiten zu haben. Da sind Frauen oft einfach ehrlicher.

Raimondo Lettieri, Paarberater und Mediation Kanton Zürich

Bei Vollmond schläft man schlechter

Der Volksmund hat es eigentlich schon immer gesagt – doch die Wissenschaft konnte diesen Nachweis bis vor Kurzem nicht erbringen. Jetzt ist aber gemäss aktuellen Studien auch wissenschaftlich belegt, dass die Schlafqualität bei Vollmond schlechter ist. Warum das so ist, kann man noch nicht erklären. Dass der Vollmond Einfluss auf die Menschen ausübt, wurde schon früher in anderen Erhebungen festgestellt, etwa dass die Zahl von Gewaltverbrechen während des Vollmonds zunimmt.

Jens Georg Acker, Schlafmediziner, Chefarzt der Klinik für Schlafmedizin, Bad Zurzach

Publiziert am 10.08.2017


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