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Gesünder leben?

Gut schlafen – was Tracker in der Nacht leisten

Wer will, kann seinen Schlaf überwachen lassen. iMpuls erklärt, wie das funktioniert, was es bringt und welche Geräte dies ermöglichen.

Trotz acht Stunden im Bett übermüdet erwacht? Unruhiger Schlaf, zum falschen Zeitpunkt geweckt worden oder immer wieder wach gelegen: Wer weiss am Morgen schon genau, was die Gründe dafür gewesen sind. Nun, niemand – ausser jenen Menschen, die einen sogenannten Schlaftracker nutzen. Das ist ein kleines Gerät, das Ihren Schlaf überwacht und genau dokumentiert, wie lange Sie zum Einschlafen brauchen, wie oft Sie wach liegen und wie lange die Tiefschlafphase dauert – oder ob Sie geschnarcht haben.

Die Informationen, die einem die Geräte geben, sind spannend, und bereits nach wenigen Nächten haben Sie ein gutes Protokoll Ihrer Schlafgewohnheiten und können daraus ableiten, ob Sie jeweils eher nach einem Glas Rotwein oder einem ausgedehnten Spaziergang besser einschlafen und können Ihre Gewohnheiten dementsprechend anpassen. Ebenso helfen die meisten Schlaftracker einem dabei, leichter aus dem Bett zu kommen. Denn die eingebauten Wecker klingeln nicht zu einem festen Zeitpunkt, sondern zum Beispiel in der Zeitspanne zwischen 6.30 und 7.00 Uhr – und zwar genau dann, wenn Sie nur leicht und nicht tief schlafen.

Datenschutz ist ein Problem

Doch der Preis für diese Informationen ist hoch, und gemeint ist damit nicht der Frankenbetrag, den Sie im Laden für den Schlaftracker bezahlen. Viele Geräte sind nämlich für weniger als 200 Franken erhältlich und bieten noch viel mehr, als nur Schlafüberwachung (siehe Tabelle). Einen grossen Teil der Dienstleistung bezahlen Sie mit Ihren Daten: Die Schlaftracker speichern Gesundheitsdaten von Ihnen – meistens im Ausland notabene – und müssen sich deswegen nicht ans hiesige Datenschutzgesetz halten. Heutzutage ist das unproblematisch, da Ihre Daten oft nur statistisch und zur Verbesserung der Dienstleistung genutzt werden. Aber obs dabei bleibt, weiss niemand. In Zukunft wäre beispielsweise denkbar, dass Anbieter von Schlaftrackern mit privaten Krankenkassen zusammenarbeiten und diese die Prämienhöhe für Sie persönlich aufgrund eines guten oder schlechten Schlafs senken – oder eben erhöhen. (Lesen Sie unten weiter …)

Schlaftracker: Von gratis bis teuer

So funktionieren Schlaftracker

Smartphone-Apps nutzen das Mikrofon, um Geräusche von Bewegungen oder Schnarchen aufzuzeichnen und leiten die Information daraus ab.

Fitnessarmbänder kennen die Herzfrequenz und die Bewegungen des Trägers und leiten daraus ab, wie gut er schläft und können so zwischen tiefem und leichtem Schlaf unterscheiden.

Sensoren, die unter der Matratze platziert werden, messen die Körperbewegung, die Brustkorbbewegung durch jeden Atemzug und den Rückstoss des Körpers, der durch den Herzschlag ausgelöst wird.

Gemeinsam haben alle Tracker eines: Die Informationen werden auf dem Smartphone in einer eigenen App dargestellt.

Wer seinen Schlaf trotzdem mithilfe eines Trackers überwachen und verbessern will, hat die Qual der Wahl. Die simpelste und günstigste Version ist bei jedem iPhone ab iOS 10 integriert. Die Funktion «Schlafenszeit» in der Uhr erinnert ans Zubettgehen und misst die Länge des Schlafes. Ebenfalls kostenlos gibt’s zumindest in der Basisvariante (Premium kostet 30 Franken) die App «Sleep Cycle» für iPhone und Android-Geräte. Über das Mikrofon des Handys misst die App Ihre Schlafqualität und weckt Sie in einem vordefinierten Zeitfenster.

Zwischen 50 und 170 Franken teuer sind Fitnessarmbänder von Herstellern wie Garmin, Fitbit oder Xiaomi, die Sie ans Handgelenk schnallen und womit Sie zusätzlich zu den Informationen über Ihre Schlafqualität auch erfahren, wie weit Sie täglich gelaufen und wie viele Treppen Sie gestiegen sind. Nicht zuletzt gibt’s Schlafsensoren, zum Beispiel Beurer Sleep Expert, ab 170 Franken, die Sie unter Ihrer Matratze platzieren und die detaillierte Informationen über Herz- und Atemfrequenz und Atemaussetzer liefern.

Wie gut sind die Ergebnisse?

Schlaftracker liefern jeden Morgen Informationen zum Schlaf der vergangenen Nacht. Wer Gratis-Apps nutzt, erhält relativ ungenaue Informationen, da sie nicht unterscheiden, von wem die erkannten Geräusche stammen. Akkurater wissen Fitnesstracker Bescheid, die die Herzfrequenz des Trägers kennen und ihn über eine sanfte Vibration am Handgelenk aufwecken. Mit Abstand das exakteste Ergebnis liefern Sensoren, die unter der Matratze platziert werden – sie setzen aber eine ständige Stromverbindung voraus und sind dementsprechend wenig mobil.

Fazit: Datenschutz vs. guter Schlaf

Wer einen Schlaftracker nutzt, schläft nicht automatisch besser – er weiss nur, wie gut oder schlecht sein Schlaf ist. Alle gesammelten Informationen müssen mit dem Handy synchronisiert und eigene Datenschutzbedenken in den Hintergrund gestellt werden. Ausserdem muss einem bewusst sein, dass der Tracker nur etwas nützt, wenn die Informationen auf dem Handybildschirm in Verbindung mit dem eigenen Verhalten gebracht werden. Sprich: mit genügend Bewegung und gesunder Ernährung kombiniert werden.

von Reto Vogt,

publiziert am 05.10.2018


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