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Gesünder leben?

Was tun, wenn Teenager nicht einschlafen können?

Auch Kinder und Jugendliche leiden unter Schlafstörungen. Sind Smartphones und Energydrinks dran schuld? Ein Kinderarzt gibt Tipps, wie Eltern für mehr Nachtruhe sorgen.

Es ist ein Elend – anstatt selig zu schlummern, wälzt man sich im Bett herum. Unter Schlafstörungen leiden nicht nur Erwachsene, sondern auch viele Minderjährige. Bis zu einem Drittel aller Kinder und Jugendlichen soll davon betroffen sein. Das Problem sei vor allem unter Babys und Kleinkindern weitverbreitet, sagt Oskar Jenni, Entwicklungspädiater am Kinderspital Zürich. Jüngere Primarschulkinder dagegen hätten meist ­einen guten Schlaf. Doch im Jugend­alter, so zwischen 10 und 20 Jahren, nehmen Schlafstörungen wieder zu. Während bei Kindern unter vier Jahren vor allem Durchschlafstörungen verbreitet sind, hätten Jugendliche meist nur Schwierigkeiten beim Einschlafen, weiss Jenni. «Wenn sie einmal schlafen, dann schlafen sie tief und fest.»

Die innere Uhr stabilisieren

Der Hauptgrund für Einschlafstörungen im Jugendalter ist die innere Uhr. Die Wachphase verschiebt sich zusehends in die Nacht hinein, dafür sind die Jugendlichen morgens müde. Zudem lernen sie, Schlafdruck besser auszuhalten. Wenn gerade etwas Interessanteres ansteht, als ins Bett zu gehen, sind sie hellwach und fit. So hat auch der Kinderarzt in seinen Sprechstunden die Erfahrung gemacht, dass bei manchen Jugend­lichen der Schlaf-Wach-Rhythmus verschoben ist. Sie schlafen erst spät ein, häufig nach Mitternacht, und sind dann in der Schule übermüdet. Für eine Normalisierung rät Jenni, auf einen strukturierten Tagesablauf mit regelmässigen Mahlzeiten am Familientisch zu achten sowie auf genügend Tageslicht im Freien. «Dies stabilisiert die innere Uhr.»

Ein verbreiteter Wachmacher sind auch koffeinhaltige Getränke wie Energydrinks. Ab etwa Mitte Nachmittag sollte man die Finger davonlassen. Ungünstig wirkt es sich zudem aus, wenn man sich tagsüber und am Abend im Bett ausruht. Das Bett sollte nur zum Schlafen gebraucht werden – eine Regel, die für Jugendliche genauso gilt wie für Erwachsene.  (Lesen Sie unten weiter...)

Schlafstörungen unter Kontrolle bekommen

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Hände weg von Tabletten und Schlafsirup

Es kann Eltern an den Rand der Verzweiflung bringen: ein Kleinkind, das einfach nicht einschläft oder immer wieder wach wird und dabei die ganze Familie weckt. In solchen Situationen liegt die Versuchung nahe, zu den chemischen Helfern zu greifen, die eine schnelle Lösung des Problems versprechen.

Doch was schon bei ­Erwachsenen heikel ist – Schlafmittel können schnell zu einer Abhängigkeit führen –, ist bei ­Kindern und Jugendlichen ein absolutes No-Go. Es kann zu schwerwiegenden Nebenwirkungen kommen, im schlimmsten Fall sogar zum Atemstillstand.

Auch rezeptfreie Medikamente sind längst nicht immer harmlos. In Ländern wie Deutschland und den USA ist die Verabreichung von Schlafmitteln an Kinder anscheinend zu ­einem gravierenden Problem geworden. In der Schweiz sind bis anhin kaum entsprechende Fälle bekannt.

Der natürliche Prozess der Rhythmusverschiebung wird auch durch Lichteinfluss verstärkt, ganz besonders durch die blauen Wellenlängen von Bildschirmlicht. Smartphone, ­Tablet und Computer gehören spä­testens eine Stunde vor der Bettzeit abgeschaltet. «Gamen und Chatten machen munter», stellt Jenni klar.

Eltern sollten den Handykonsum ihrer Kinder kontrollieren und ihnen das Gerät notfalls über Nacht wegnehmen. Bei Teenagern sei das natürlich schwieriger, ist er sich bewusst. Häufig seien es die Eltern, die sich Sorgen wegen schlechter Noten machten, während der Nachwuchs wenig Einsicht und Leidensdruck zeige. Eine Therapie sei aber nur möglich, wenn die Jugendlichen kooperieren, sagt Jenni. «Man muss das Vertrauen der jungen Menschen gewinnen und sie mit ins Boot holen.» 

Schule beginnt zu früh

Handlungsbedarf sieht der Kinderarzt aber nicht nur im Elternhaus, sondern auch in der Schule. Eben hat eine gross angelegte, noch nicht publizierte Studie des Kinderspitals wieder bestätigt, dass die Mehrheit der Jugendlichen grosse Probleme mit dem frühen Aufstehen hat. Die Wissenschaftler möchten die Untersuchungsergebnisse nutzen, um die öffentliche Diskussion über eine Verschiebung des Schulbeginns wieder aufzunehmen.

Damit trotz späteren Schulstarts am Nachmittag dennoch Zeit für Sport, Musik und andere sinnvolle Beschäftigungen bleibt, müssten die Mittagspausen verkürzt werden, ­fordert Oskar Jenni, der selber Vater von vier Söhnen im Jugendalter ist. «30 Minuten sollten reichen. Dauert die Pause eine oder gar zwei Stunden, vertrödeln sie die Zeit nur mit Gamen und Filmen.»

von Andrea Söldi,

publiziert am 07.06.2019


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