Was bewirkt die Zeitumstellung im Körper?

Der Wechsel von der Winter- auf die Sommerzeit ist wie ein Mini-Jetlag. Der Chronobiologe Achim Kramer erklärt, was die Konsequenzen sind.

Herr Professor Kramer, wie wirkt sich die Zeitumstellung auf den Organismus aus?

Wie ein Mini-Jetlag. Wir müssen plötzlich zu einer Zeit aufstehen, zu der bei vielen Menschen innerlich noch Tiefschlaf angesagt ist. Das hat Konsequenzen für die Aufmerksamkeit. Studien zeigen etwa, dass es in den Tagen danach mehr Unfälle gibt und auch vermehrt gesundheitliche Probleme auftreten.

Der Vorteil ist doch aber, dass es durch die Umstellung abends länger hell ist – was unserer Stimmung guttut.

Das stimmt. Allerdings nehmen wir dafür in Kauf, morgens eine Stunde früher aufzustehen – und das tut uns nicht gut. Ohnehin stehen wir meist zu früh auf. Eine Untersuchung meines Kollegen Till Roenneberg zeigt, dass es sehr viel mehr Spät- als Frühtypen gibt. Das heisst: Die meisten Leute stehen für ihren inneren Rhythmus zu früh auf. Die Sommerzeit bringt diesen Rhythmus noch mehr aus dem Takt.

Würden Sie die Sommerzeit abschaffen?

Ich würde sie abschaffen. Allerdings müsste man das europaweit machen – und da sehe ich Probleme. Denn der Chronotyp ist auch vom Längengrad abhängig. An der französischen Atlantikküste wird es viel später hell als bei uns. An der polnischen Ostgrenze dagegen, wo unsere Zeitzone endet, geht die Sonne anderthalb Stunden früher auf. Deswegen ist es so schwierig, eine europäische Lösung hinzubekommen.

Welche Zeit sollte man denn vereinheitlichen?

Ich könnte mir einen Kompromiss vorstellen: Wenn man die Sommerzeit erst Anfang Juni einführen und Ende August abschaffen würde, hätte das auf die innere Uhr viel weniger Auswirkungen. Dann müssten die Menschen nicht auf ihren natürlichen Zeitgeber verzichten: das Licht am Morgen.

Professor Achim Kramer ist Chronobiologe an der Berliner Charité

Publiziert am 15.05.2017


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