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Gesünder leben?

Wie Düfte unser Wohlbefinden beeinflussen

Gardenien wirken ähnlich wie Valium, Orangen vertreiben die Müdigkeit und Lavendel entspannt, weiss Hanns Hatt, Professor für Zellphysiologie an der Ruhr-Universität Bochum.

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Der Geruch von Jasmin hilft schlaflosen Menschen besser als Valium, haben Sie kürzlich herausgefunden.

Das muss ich etwas präzisieren: Wir haben in unserem Labor einen Duftstoff entdeckt, der an Jasminblüten erinnert, mit der Pflanze jedoch nichts zu tun hat. In der Natur kommt er in der Gardenienblüte vor, und seine Wirkung ist tatsächlich mit einem Schlafmittel vergleichbar. Wie das Linalool im Lavendel lässt er uns besser einschlafen.

Wie wendet man den Duft am besten an?

Man kann sich die Gardenie zum Beispiel als Pflanze ins Schlafzimmer stellen. Ein Kissen mit getrockneten Blüten eignet sich ebenfalls gut. Oder man benetzt die Bettwäsche mit ein paar Tropfen ätherischen Öls, das seine Wirkung auch als Badezusatz oder in einer Emulsion entfaltet.

Lavendel, Gardenie und Melisse – sie beruhigen und entspannen sogar, wenn wir nichts riechen.

Im Gegensatz zu den künstlichen Kaffeearomen, die uns aus vielen Cafés entgegenwehen, kann man Duftstoffe mit pharmakologischer Wirkung unabhängig davon einsetzen, ob unser Geruchssinn funktioniert. Sie gelangen mit der Atemluft, über die Haut oder mit der Nahrung ins Blut und werden von dort ins Gehirn transportiert, wo sie etwa unser Müdigkeitsgefühl beeinflussen.

Worauf muss man achten, wenn man Räume beduften will?

Die Düfte dürfen nicht zu konzentriert angewendet werden, das ist das Wichtigste. Sie können sonst zu Kopfschmerzen und Übelkeit führen. Am besten benutzt man Zerstäuber oder Luftbefeuchter. Duftlampen mit Kerzen sollte man eher meiden. Die ätherischen Öle werden dabei oft zu stark erhitzt und in ihrer Struktur verändert.

Welche Düfte vertreiben Müdigkeit und machen uns aufmerksamer?

Der Geruch nach Zitrone und Orangen, aber auch Pfefferminze oder Bergamotte hilft, wach zu werden und sich zu fokussieren. Studien zeigen, dass Schüler aufmerksamer sind, wenn es im Klassenzimmer nach Zitrone oder Rosmarin riecht. Jedoch kann auch ein beliebiger Duft konzentrationsfördernd wirken – wir müssen uns aber darauf konditionieren, indem wir ihn nur in bestimmten Situationen anwenden, etwa bei einer Prüfung.

Also verhalfen Schiller die faulen Äpfel in der Schublade vielleicht tatsächlich zur Inspiration. Behelfen Sie sich in gewissen Situationen ebenfalls mit dem Dufttrick?

Ja, das tue ich. Wenn etwa eine wichtige Arbeit am Schreibtisch ansteht, die besonders viel Konzentration verlangt, sprühe ich morgens etwas Zitrusduft auf meinen Jackenärmel und schnuppere immer wieder daran. Diesen Duft verwende ich ausschliesslich zu diesem Zweck. Übrigens sollte man Parfums nur auf Kleidungsstücke oder Haare sprühen und nicht direkt auf die Haut. Wir konnten zeigen, dass es einige der Duftsensoren aus der Nase auch in Hautzellen gibt, und wir wissen leider noch viel zu wenig darüber, welche Wirkungen sie haben. 

Sie haben jeden Tag mit zahlreichen Düften zu tun. Wovon lässt sich Ihre Nase überhaupt noch verführen?

Ich mag es, wenn es nach leckerem Essen und Trinken riecht. Am liebsten sind mir die frischen Düfte aus der toskanischen Küche wie Oregano oder Basilikum, aber auch Zitrusnoten.

von Ümit Yoker,

publiziert am 20.06.2018


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