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Gesünder leben?

Orientalisches Wohlgefühl im Hamam

Im orientalischen Badehaus geht es um die Reinigung von Körper und Geist.

Man muss nicht in die Ferne schweifen, um in den Orient einzutauchen. Ein Besuch im Hamam – einem türkischen bzw. orientalischen Bad – ist ein kleiner Rückzug von der Welt. Eine Reise zur äusseren und inneren Reinigung.

Inspiriert wurde der Hamam von den antiken Thermen der Griechen und Römer. Vom Römischen Imperium hat sich die Badekultur übers Osmanische Reich in den arabischen Raum ausgebreitet. Das öffentliche Badehaus war nicht nur ein Ort für die Körperreinigung. Es war auch ein sozialer Treffpunkt, wo Geschäfte besprochen und Neuigkeiten ausgetauscht wurden.

Düfte, Ornamente, Kräuterdampf

Ein Flüstern und Plätschern empfängt heute den Besucher im Hamam. Dazu sanftes Licht, Ornamente, Düfte und Wärme. Wärme und Wasser sind die zentralen Elemente. In das traditionelle «Pestemal», ein um den Körper gewickeltes Baumwolltuch, gehüllt, folgt man einem rituellen Ablauf durch die verschiedenen Räume: Im warmen Dampfraum geht es darum, den Körper aufzuwärmen und die Haut weich zu machen. Danach betritt man den Heisskräuterdampfraum. Die feuchte, heisse Luft öffnet die Hautporen, Giftstoffe werden ausgeschwitzt. Dazu sitzt man auf erwärmten Steinbänken und übergiesst sich mit Wasser, das man mit Schalen vom Brunnen schöpft. Ein anderer Raum ist für das Peeling-Ritual vorgesehen. Mit einem Handschuh, genannt «Kese», wird die Haut von abgestorbenen Hautschuppen befreit und gereinigt. (lesen Sie unten weiter...)

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Auf dem Nabelstein entspannen Muskeln und Geist

Hamam-Etikette für Anfänger
  • Im Hamam trägt man das Pestemal, ein Leinen- oder Baumwolltuch, um den nackten Körper. Männer nutzen es als Lendentuch, Frauen als körperbedeckendes Wickeltuch.
  • Pestemal, Peelinghandschuh und Bademantel bekommt man beim Eintritt. Eigene Textilien mitzubringen ist aus hygienischen Gründen nicht erlaubt.
  • Im Hamam bewegt man sich selbstständig nach einem vorgegebenen Ablauf. Es gibt Richtzeiten für jeden Raum/jedes Ritual.
  • Das Badehaus wird von Frauen und Männern gemeinsam besucht. In manchem Hamam gibt es separate Bereiche oder Öffnungszeiten nur für Frauen.
  • Anwendungen wie Rhassoul-Raum, Seifenschaum- und Ölmassagen oder Gesichtsbehandlung muss man vorher reservieren.

Innehalten, dem Körper eine Pause gönnen, sich mit gedämpfter Stimme unterhalten – dazu lädt ein grosser Nabelstein im Zentrum des Hamams ein. Auf dem beheizten Steinpodest sitzend oder liegend dringt die Wärme bis ins Innerste. Muskeln und Organismus können entspannen. Auch das Warmwasser-Becken dient dazu, den Kreislauf zwischen den Reinigungsgängen zu beruhigen. Nun ist der Körper bereit für eine Seifenschaum- oder Ölmassage oder eine Rhassoul-Anwendung. Die Rhassoul-Tonerde bindet Schmutzpartikel und Giftstoffe in der Haut und nährt sie mit Mineralstoffen und Spurenelementen.

Tiefenreinigung, Schönheitspflege, Rückzug

Ein Hamam-Besuch ist Tiefenreinigung, Schönheitspflege, Detoxkur und entspannender Rückzug zugleich. Durch die Wärme lockern sich die Muskeln und Gelenke, mögliche Verspannungen werden gelöst. Gleichzeitig erweitert die Wärme die Blutgefässe. Die intensivere Durchblutung versorgt alle Zellen vermehrt mit Sauerstoff und Nährstoffen und stärkt Kreislauf und Immunsystem. Nach dem Peeling erscheint zudem das Hautbild glatter, reiner. Mit der Haut ist auch unser Nervensystem verbunden. Es meldet die wohltuende Wirkung von Wärme, Wasser und Düften an das Gehirn weiter, so dass wir auch mental loslassen können.

Und tatsächlich, nach dem Hinaustreten aus dem warmen Kokon scheint der Alltag in die Ferne gerückt. Für ein paar Stunden ist man in die Ruhe vor der Welt eingetaucht, war auf Wohlfühl-Reise – weit, weit weg.

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von Petra Koci,

publiziert am 19.01.2018


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