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Gesünder leben?

Für alles ist ein Kraut gewachsen

Teemischungen, ätherische Öle und Pflanzenextrakte sind Nelly Richinas Leidenschaft. Die Apothekerin kennt für fast jedes Leiden ein Heilkraut.

Bereits beim Vorbeischlendern wird klar: In dieser Apotheke gibt es mehr als Pillen. Im Schaufenster am Zürcher Stauffacher stehen Mönchspfeffer-Tee gegen Beschwerden vor der Menstruation und Sägepalmenextrakt bei Problemen mit der Prostata.

Wer durch die Tür tritt, trifft auf Duftsteine und Teemischungen. In einem angrenzenden Raum bergen goldene Blechdosen, alte Holzschubladen und gläserne Apothekerflaschen über 2000 Kräuter, Gewürze und andere geheimnisvolle Ingredienzien. Gerade füllt eine Mitarbeiterin einen wohlriechenden Badezusatz in Flaschen ab, den sie aus ätherischen Ölen selber zusammengemischt hat.

«Die Berg-Apotheke bietet das grösste Kräuter-Sortiment der ganzen Schweiz», sagt Nelly Richina stolz. Die 33-Jährige leitet das 20-köpfige Team seit vier Jahren. Und dies mit tessinischer Leidenschaft: Im sonnigen Dorf Medeglia am Monte Ceneri aufgewachsen, war sie bereits als Kind von einem üppig blühenden Garten umgeben. Die Eltern stellten selber Kräuterliköre her und kurierten Krankheiten so weit wie möglich mit pflanzlichen Mitteln.

«Besonders im Anfangsstadium einer Erkrankung erreicht man mit Phytotherapie häufig sehr viel», weiss Richina. Sie selber trinkt bei einer Erkältung gern Ingwertee oder nimmt ein Bad mit Eukalyptus- und Latschenkieferextrakt. «Ich liebe es, die Essenzen zu riechen und spüren.» (Lesen Sie unten weiter...)

Pfarrer Künzles Vermächtnis

Nach dem Gymnasium in Bellinzona studierte die Tessinerin Pharmazie an der ETH Zürich. «An der Hochschule hat die Pflanzenheilkunde heute keinen grossen Stellenwert mehr», bedauert Richina. Weil sie mehr darüber lernen wollte, suchte sie sich für ihr Assistenzjahr gezielt die Berg-Apotheke aus, die sich auf Naturheilmittel spezialisiert hat. Ihr Name stammt von Pfarrer Johann Künzles Berg-Kräutern, für die das Geschäft zu Beginn des 19. Jahrhunderts Hauptverkaufsstelle war. Seither wurde die Tradition stetig gepflegt.

Durch ihre Tätigkeit in der Berg-Apotheke eignete sich Richina ein umfassendes Fachwissen über Heilpflanzen an. Zudem erweitert sie ihre Kenntnisse stetig über Fachliteratur und Kongresse und pflegt einen regen Austausch mit anderen Fachpersonen über die Schweizerische Medizinische Gesellschaft für Phytotherapie (SMGP). 

Forschung statt Hokuspokus

«Viele Pflanzen sind mittlerweile gut erforscht», sagt die Apothekerin. Und das Arzneimittelrecht stelle für pflanzliche Mittel dieselben Anforderungen an Qualität und Sicherheit wie für schulmedizinische Medikamente. Doch leider werde die Phytotherapie oft in den gleichen Topf geworfen wie andere alternative Heilmethoden, deren Wirkung weniger gut belegt ist.

Verlangen Kunden zum Beispiel nach homöopathischen Mitteln, verweist das Team der Berg-Apothke sie auf entsprechende Spezialisten oder macht auf entsprechende pflanzliche Präparate aufmerksam. Im Gespräch mit Kunden erfahre sie immer wieder Neues, sagt Richina: «Menschen mit chronischen Krankheiten werden häufig zu richtigen Experten im Lindern ihrer Beschwerden.» Natürlich habe die Phytotherapie auch ihre Grenzen, ist sich die Apothekerin bewusst: «Bei Verdacht auf schwerwiegende Erkrankungen verweisen wir die Leute an den Arzt.»

Wenn die Geschäftsführerin nach einem anstrengenden Arbeitstag abends nach Hause kommt, zündet sie zur Entspannung häufig ein Duftlämpchen an – zum Beispiel mit Lavendel-Aroma. Um gesund zu bleiben, sei selbstverständlich auch ausgewogene Ernährung und Bewegung wichtig, ergänzt Nelly Richina. Sie selber fährt gern Mountainbike auf dem Üetliberg, geht schwimmen, macht Pilates oder wandert mit ihrem Freund. Und so oft sie dazu kommt, besucht sie auch ihre Familie im Tessin. (Lesen Sie unten weiter...)

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Nelly Richina im Teeladen mit einer Schachtel Tee in der Hand
Nelly Richina im Teeladen mit einer Schachtel Tee in der Hand
Nelly Richina

Baldrian, Hopfen, Melisse, Lavendel und Orangenblüten gehören zu den bekanntesten beruhigenden und schlaffördernden Pflanzen. Doch Nelly Richina kennt noch einige mehr. Hier ihre fünf Top-Tipps, um Stress abzubauen und neue Kraft zu tanken:

  • Schlafbeere (Withania somnifera)
    Der Extrakt der Schlafbeeren-Pflanze wird in der ayurvedischen Medizin schon lange verwendet. Er soll angstlösend, und schlaffördernd wirken, indem er das Stresshormon Cortisol senkt. Zudem steigert er die Vitalität und sexuelle Lust. In einer Studie mit Männern konnten höhere Testosteronwerte und mehr Muskelmasse nachgewiesen werden.
     
  • Goldmohn oder Kalifornischer Mohn (Eschscholzia californica)
    Bereits die amerikanischen Ureinwohner nutzten die Blätter des Kalifornischen Mohns als Schlaf- und Beruhigungsmittel. Obwohl mit dem Schlafmohn verwandt, ist die Wirkungsweise eine andere. Auch die Pharmaindustrie zeigt Interesse an der Substanz.
     
  • Glockenwinde oder Glockenrebe (Codonopsis pilosula)Die Wurzel der rankenden Pflanze wird häufig in der chinesischen Medizin eingesetzt. Die Wirkung ist ähnlich wie die von Ginseng: Sie führt zu mehr Vitalität. Im Gegensatz zu Ginseng senkt Glockenwinde aber den Blutdruck und entspannt die Muskulatur.
     
  • Damiana (Turnera diffusa)
    In Mexiko werden die Blätter des Strauchs mit den gelben Blüten bei Erkältungen und anderen Infektionskrankheiten verwendet. Damiana soll auch die Libido anregen, Menstruationsschmerzen lindern, die Stimmung aufhellen und allgemein die Nervosität senken.
     
  • Helmkraut (Scutellaria lateriflora)
    Die Pflanze mit den hübschen violetten Blüten wächst in Nordamerika. Sie soll eine beruhigende und angstlösende Wirkung haben sowie Menstruationskrämpfe lindern.

von Andrea Söldi,

publiziert am 31.10.2019


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