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Gesünder leben?

Homeoffice steigert das Wohlbefinden

Viele Angestellte möchten schon lange mehr zuhause arbeiten. Nun wurde ihr Wunsch ganz unerwartet erfüllt. Und das Modell hat erstaunlich gut funktioniert, wie Studien zeigen.

Zufrieden, weniger Stress und eine bessere Work-Life-Balance – so haben die meisten die Zeit im Homeoffice erlebt. Mitte März, als die Notmassnahmen wegen der weltweiten Covid-19-Pandemie verschärft wurden, schickten viele Unternehmen ihre Mitarbeitenden praktisch von einer Stunde auf die andere nach Hause. So viele Menschen wie nie zuvor arbeiteten für mindestens sechs Wochen im eigenen Wohn- oder Schlafzimmer.

Produktiver und kreativer im Homeoffice

Mehrere Forschungsinstitute haben diese aussergewöhnliche Situation zum Anlass genommen, die Auswirkungen des Arbeitsmodells unter die Lupe zu nehmen. Und sie sind praktisch einhellig zum Schluss gekommen: Das Experiment hat im Grossen und Ganzen bestens funktioniert.

Überaus positiv fielen etwa die Resultate des Meinungsforschungsinstituts GfS Bern aus, das im Auftrag der Gewerkschaft Syndicom gut 1000 Personen befragt hatte. 80 Prozent gaben an, dass sie im Homeoffice zufrieden waren und mehr als die Hälfte fand, der Arbeitsstress habe abgenommen, trotz gestiegener Produktivität und Kreativität. (Fortsetzung weiter unten…)

Effizient dank weniger Ablenkung

Dass zuhause mindestens so effizient gearbeitet wird wie im Büro, bestätigte eine weitere Befragung unter 1500 Personen des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte. Dies dürfte dem Wegfallen von Ruhestörungen und ineffizienten Sitzungen geschuldet sein.

Weniger produktiv waren dagegen Personen, die gleichzeitig Kinder betreuen mussten. 16 Prozent gaben an, dass sie sich durch Familienmitglieder gestört fühlten oder dass sie keinen geeigneten Arbeitsplatz zur Verfügung hatten. Und 20 Prozent der Befragten fühlten sich im Homeoffice isoliert.

Natürlich sei das Setting für Menschen mit beschränktem sozialen Umfeld ungünstig, sagt Volker Schulte, Co-Autor einer gemeinsamen Untersuchung der Fachhochschulen Nordwestschweiz (FHNW) und Zürich (ZHAW). Dass viele die spontanen Kontakte zu Kollegen vermissten, kam auch in dieser Studie deutlich heraus. Doch gut 70 Prozent der 333 Befragten fühlten sich wohl oder sogar sehr wohl im Homeoffice und wollen diese Arbeitsform nach der Coronakrise zumindest teilweise beibehalten. 

Vorgesetzte sind gefordert

Zum positiven Ergebnis habe beigetragen, dass in der Schweiz die meisten in relativ grosszügigen Verhältnissen leben, erklärt der FHNW-Professor. Bewohnerinnen und Bewohner von engen Wohnungen arbeiten tendenziell eher in Berufen, in denen Homeoffice gar nicht möglich ist – also zum Beispiel in der Reinigung, im Verkauf oder auf dem Bau.

Ausschlaggebend für das generelle Wohlbefinden ist zudem eine gute Führung. «Vorgesetzte sollten ihre Mitarbeitenden regelmässig anrufen und sich dabei nicht nur nach dem Stand der Arbeit erkundigen, sondern vor allem auch nach ihrem Befinden», schliesst der Forscher aus den Studienresultaten.

Die insgesamt hohe Zufriedenheitsquote ist insofern bemerkenswert, als die Arbeitsform für die meisten ganz unvorbereitet und in einer insgesamt verunsichernden Situation umgesetzt wurde. Unter normalen Umständen dürfte die Beliebtheit sogar noch steigen – auch weil die Kinder dann wieder in die Schule gehen. (Fortsetzung weiter unten…)

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Einschränkungen werden zum Motivationskiller

Bereits vor der Coronakrise gewährten immer mehr Unternehmen ihren Angestellten gewisse Freiheiten beim Gestalten ihrer Arbeitszeit – sei es, weil sie ihnen gute Bedingungen bieten wollen, oder auch nur, weil sie damit Platz im Büro sparen können.

Gemäss Daten des Bundesamts für Statistik arbeitete letztes Jahr bereits rund ein Drittel aller Beschäftigten mindestens einen halben Tag pro Woche von zuhause aus. Vorreiterinnen bei den mobilen Arbeitsformen waren Firmen wie Microsoft, Google, UBS und CS.

Manche Vorgesetzte hegen aber noch immer Vorbehalte und wollen ihre Angestellten nun so schnell wie möglich zurück in die Firma holen. Volker Schulte beobachtet diese Tendenz mit Bedauern: «Eine Einschränkung der lieb gewonnenen Freiheiten könnte zu einem Motivationsverlust führen.»

Und nicht zuletzt könnte auch die Umwelt profitieren, wenn die Bedingungen für Homeoffice nun gelockert werden: Dann braucht es weniger Bürofläche und der Pendlerverkehr auf Strasse und Schiene nimmt ab.

von Andrea Söldi,

veröffentlicht am 29.09.2020


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