Bei Stress hilft oft ein Gespräch

Das Wort Burn-out ist in aller Munde. Doch was steckt genau dahinter, und vor allem: Wie merkt man, ob man selbst gefährdet ist? Ein Gespräch kann aufschlussreich sein.

«Möchten Sie ein Glas Wasser?», fragt Rita Müller fürsorglich. Die ruhige Art der Psychologin wirkt vertrauenerweckend. Ein nicht unwesentlicher Faktor, denn wir sind am Anfang des Life-Balance- Gesprächs, das zum Gesundheitscheck des Swiss Prevention Center im Paraplegikerzentrum in Nottwil LU gehört.

Obschon wir uns in einem Büro im kühlen Hightech-Stil befinden, beginnt es wie bei einem Kaffeeplausch. Psychologin Rita Müller erkundigt sich nach dem Alltag ihres Gegenübers. Arbeit, Hobbys, Familie und Freundeskreis – für die Life-Balance- Fachfrau sind das alles Informationen, um herauszufinden, wie ausgewogen das Leben ihres Kunden ist. «Ausgleich finden im Leben ist Voraussetzung für eine gute Gesundheit», erklärt sie später. «Ein Leben, das aus dem Gleichgewicht gerät, ist mit Stress belastet.» Kurzfristig ist das kein Problem. Gelegentlicher Stress ist normal und wird in der Regel gut verarbeitet. Wird er aber zum ständigen Lebensbegleiter, bekommt man es mit chronischem Stress zu tun – die Grundlage für ein Burn-out und andere stressbedingte Krankheiten.

Perfektionisten und Kontrollfreaks sind gefährdet

Rita Müller versucht im Gespräch herauszufinden, was die Life-Balance- Teilnehmer im Alltag aus dem Gleichgewicht bringt. Ist es der eigene Perfektionismus, der ans Limit treibt? Ein allzu hohes Verantwortungsgefühl? Spannungen mit dem Partner? Ein schlechtes Arbeitsklima? Oder gar alles zusammen? Meistens ist nicht nur ein Faktor für chronischen Stress verantwortlich, sondern ein ganzer Cocktail. Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale wie eben Perfektionismus, aber auch der Hang, alles kontrollieren oder es allen recht machen zu wollen, sind nur eine Seite.

mann-gestresst-pc.jpg
mann-gestresst-pc.jpg

Sport als Ventil

Sportarten wie Yoga können bei der Stressbewältigung unterstützend wirken.

Sport als Ventil

Sportarten wie Yoga können bei der Stressbewältigung unterstützend wirken.

Alkohol ist keine Lösung

Auf der anderen stehen externe Einflüsse von Familie, Freunden und der Arbeit. «Und was machen Sie in Ihrer Freizeit?», will Rita Müller von ihrem Gegenüber, einem IT-Spezialisten, wissen, nachdem sie erfahren hat, in welcher familiären und beruflichen Situation er lebt. Auf seine Antwort, er spiele Musik, treffe wöchentlich seine Männerrunde und mache gerne Ausflüge, nickt die Psychologin zufrieden. Das alles klingt nach einem positiven Ausgleich. Dass er kürzlich aber gleich mehrere Velounfälle hatte, lässt sie aufhorchen. Die Männerabende, findet Müller im Gespräch heraus, enden oft feuchtfröhlich, und die anschliessende Velofahrt nach Hause – ohne Helm – wird zum Risiko. «Zusammen mit den Kollegen trinken entspannt und lenkt mich vom Alltagsstress ab», erklärt der Life-Balance-Teilnehmer.

Körperliche Bewegung entstresst

Darin erkennt die Fachfrau erste Stresssymptome und meint, körperliche Bewegung wie Sport, Yoga oder Wandern sei eine tauglichere Entspannungsstrategie als Alkohol. Und auch eine klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit. Denn der Computerfachmann liest auch nach der Arbeitszeit und am Wochenende seine E-Mails und ist ständig auf dem Handy erreichbar. Sein permanentes Auf-Draht- Sein verhindert eine nachhaltige Erholung. Müller rät, Computer und Handy konsequent zu fixen Zeiten auszuschalten. Zum Beispiel jeden Sonntag und jeden Abend, etwa nach dem Essen.

Wichtige Prävention

Eine Früherkennung der Symptome von Burn-out ist entscheidend, denn damit haben die Betroffenen die Möglichkeit, rechtzeitig gegenzusteuern. Auch bei dieser Volkskrankheit gilt: Prävention ist besser als heilen. Denn wer einmal in einem Burn-out steckt, so zeigt die Erfahrung, kommt nur schwer wieder heraus. Manchmal dauert es Jahre.

Autorin: Simone Ott


Das könnte Sie interessieren: