Wenn Unterforderung im Job krank macht

Gestresst zu sein, ist sozial anerkannt. Was aber, wenn der eigene Job unterfordert und langweilt? Die gesundheitlichen Folgen sind nicht weniger schlimm.

Checkliste: Leiden Sie unter einem Bore-out?
  • Erledigen Sie private Dinge während der Arbeit?
  • Fühlen Sie sich unterfordert oder gelangweilt?
  • Tun Sie ab und zu so, als ob Sie arbeiten würden – tatsächlich haben Sie aber nichts zu tun?
  • Sind Sie am Abend müde oder erschöpft, obwohl Sie überhaupt keinen Stress hatten?
  • Sind Sie mit Ihrer Arbeit eher unglücklich?
  • Vermissen Sie den Sinn in Ihrer Arbeit, die tiefere Bedeutung?
  • Könnten Sie Ihre Arbeit eigentlich schneller erledigen, als Sie dies tun?
  • Würden Sie gerne etwas anderes arbeiten, scheuen sich aber vor dem Wechsel, weil Sie dabei zu wenig verdienen würden?
  • Verschicken Sie während der Arbeit private E-Mails an Kollegen?
  • Interessiert Sie Ihre Arbeit nicht oder wenig?

Wenn Sie mehr als vier Fragen mit Ja beantworten, könnten Sie an einem Bore-out leiden oder auf dem Weg dazu sein.

Quelle: Philippe Rothlin / Peter R. Werder: Unterfordert. Diagnose Boreout – wenn Langeweile krank macht. Redline Verlag 2014.

Es ist kein Zufall, dass so oft von «Burn-out» die Rede ist. Da schwingt immer mit, dass jemand ausserordentlich viel geleistet hat, bis hin zur Erschöpfung. Das löst noch immer Anerkennung aus. Wer aber möchte zugeben, dass er im Job unterfordert ist?

Betroffene entwickeln alle möglichen Strategien, um ihre Unterbeschäftigung zu kaschieren – vor allem Mitarbeitende, die viel vor dem Computer sitzen und bei denen die Leistung nicht konkret messbar ist.

Die Folgen eines Bore-out

Das süsse Nichtstun kann anfänglich Spass machen. Ziellos im Internet rumsurfen und am Abend stressfrei aus dem Büro gehen, das klingt verlockend. Tatsache aber ist: Die Langeweile am Arbeitsplatz wird für die meisten früher oder später zum Problem.

Die Rede ist vom «Bore-out»: Mitarbeitende entwickeln ähnliche Symptome wie jene, die überlastet sind. Dazu gehören Schlaflosigkeit, Verdauungsprobleme, Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen.

Den ganzen Tag eine Fassade aufrechterhalten und nie herausgefordert zu sein, ist auf die Dauer anstrengend und nagt am Selbstwertgefühl – vor allem, wenn man sich stark über die berufliche Tätigkeit definiert.

Wer in seiner Arbeit keinen Sinn sieht und die Zeit totschlagen muss, kann abends so erschöpft sein, dass die Energie für andere Aktivitäten fehlt und depressive Verstimmungen die Folge sind.

Ein Teufelskreis

Die Langeweile am Arbeitsplatz ist längst nicht immer selber gewählt. Bei Umstrukturierungen kann es vorkommen, dass einem die interessanten Aufgaben weggenommen werden. Dafür reicht aber auch ein Vorgesetzter, mit dem man sich nicht versteht.

Und schon beginnt der Teufelskreis. Wer den Zustand der Unterforderung am Arbeitsplatz lange aushält, steht irgendwann vor dem Dilemma, dass er dies im Büro nicht mehr thematisieren kann, ohne den eigenen Arbeitsplatz zu gefährden oder als faul abgestempelt zu werden.

Gerade in Zeiten, in denen Jobs abgebaut werden, führt dies zur grotesken Situation, dass Mitarbeitende abends möglichst lange im Büro bleiben, um ihren Job zu rechtfertigen – obwohl sie nichts mehr zu tun haben.

Wie vorbeugen?

Um solche Situationen zu vermeiden, stehen vor allem Führungskräfte in der Verantwortung, indem sie die konkrete Leistung beurteilen und nicht, wie lange jemand am Arbeitspatz präsent ist. Ihre Aufgabe ist es auch, sporadisch zu überprüfen, ob die Arbeit innerhalb eines Teams gerecht verteilt ist.

Mitarbeitende stehen aber auch selber in der Verantwortung: Wer sich unterfordert fühlt, sollte dies rechtzeitig thematisieren und selber Massnahmen vorschlagen, wie der eigene Tätigkeitsbereich erweitert werden könnte.

Publiziert am 10.08.2017,

von Manuela Specker


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