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Gesünder leben?

Kein Witz: Lachen ist sehr gesund

Kinder lachen zirka 400 Mal pro Tag, Erwachsene nur noch 15 Mal. Das Gegenteil wäre richtig. Denn Humor hat nachweislich positiven Einfluss auf die Gesundheit.

Man hält sich den Bauch vor Schmerzen, die Tränen schiessen unkontrolliert in die Augen, und man ringt hechelnd nach Luft – Lachen kann ganz schön anstrengend sein. Mediziner sprechen von einer Generalisierung des Körpers und drücken damit aus, was wir längst wissen: Lachen ist Schwerstarbeit. Eine, die aber nicht nur gesund ist, sondern auch noch glücklich macht. Denn beim Lachen schütten wir vermehrt lebenswichtige Glückshormone wie Serotonin aus.

Umso erstaunlicher ist es, dass Erwachsene das Lachen verlernt haben. Denn während Kinder angeblich 400 Mal pro Tag lachen, tun dies Erwachsene nur gerade 15 Mal. Eine empirische Grundlage gibt es für diese Zahlen zwar nicht. Aber es ist offensichtlich, dass Kinder viel öfter lachen als Erwachsene. «Humor ist zwar in, doch Lachen schickt sich nicht in unserer emotionskontrollierten Gesellschaft. Denn Lachen gilt als kindisch und unreif», erklärt Salome Guggisberg. Die 34-jährige Bernerin hat an der Universität Zürich einen CAS (Certificate of Advanced Studies) in Positiver Psychologie absolviert und arbeitet seit rund vier Jahren als Humortrainerin.

Erfolgreicher dank Humor

«Ich versuche, bei meinen Kunden den Sinn für Humor wieder zu wecken. Denn Humor hat jeder», erklärt Guggisberg. «Der Grundgedanke meines Humortrainings ist es, dass die Leute die eigenen Ressourcen für den herausfordernden Alltag auf interaktive und humorvolle Art und Weise stärken und neu anwenden können.»

Salome Guggisberg hilft ihren Kunden, die sie auch Humorsportler nennt, ihr persönliches Führungsverhalten neu kennenzulernen, neue Strategien zu entwickeln, um im beruflichen und privaten Alltag weiterzukommen. «Ein Humortraining kann dazu führen, dass die Mitarbeit in verschiedenen Bereichen erleichtert wird.» (Lesen Sie unter weiter ...)

Beim Lachen atmen wir tiefer

Wer häufig lacht, geht beschwingter und gesünder durchs Leben. Denn beim Lachen atmen wir auch viel tiefer als sonst. Die Muskeln entspannen sich, Herz und Kreislauf werden angeregt.

Gleichzeitig unterstützt Lachen auch Heilungsprozesse im Körper. So bremst das Gehirn beim Lachen die Produktion von Stresshormonen wie Adrenalin und Kortison. Anspannung und Stress werden wie durch ein Sicherheitsventil abgelassen. Und Lachen macht auch Sportler schneller, wie eine internationale Studie kürzlich ergeben hat.

Lachen macht Läufer schneller

Das beste Beispiel dafür ist der aktuelle Marathon-Weltrekordhalter Eliud Kipchoge. Wenn der Olympiasieger und Weltmeister einen Wettkampf bestreitet, verschwindet das Lächeln nie ganz von seinem Gesicht. Kipchoge sagt dazu, dass er gezielt lächle, weil dies entspannend wirke und sein Schmerzempfinden lindere.

Studien zeigen: Wer lacht, verbessert seine Laufökonomie um knapp zwei Prozent, weil er in diesem leicht entspannteren Zustand weniger Sauerstoff benötigt. Lachen ist also auch interessant für Hobbysportler. (Lesen Sie unten weiter...)

Tipps für mehr Zufriedenheit

Lachen statt Antidepressiva

«Wer viel lacht, fühlt sich deutlich besser», sagt auch der deutsche Humanbiologe Professor Carsten Niemitz. Der langjährige Leiter des Instituts für Humanbiologie und Anthropologie an der Freien Universität Berlin ergänzt in einem Interview mit der «Welt», «dass Menschen, die unter Depressionen leiden, gezieltes Lachen gewissermassen zur Selbstmedikation nutzen können». Wem es gelingt, den Humor wiederzufinden, soll also eine positive Veränderung an sich feststellen.

Humor lässt sich trainieren

Dass sich Humor selbst trainieren lasse, wurde lange Zeit infrage gestellt. «Nach einem zweimonatigen Humortraining schätzen sich nicht nur die Teilnehmenden selbst als humorvoller ein, sondern auch deren Umfeld bemerkte eine positive Veränderung», konstatiert Benjamin Müller, der an der Universität Zürich am Lehrstuhl für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik seine Masterarbeit schreibt. Er hat das Projekt «Humor im Team» lanciert und will Freude und Humor dorthin bringen, wo Menschen arbeiten und also sehr viel Zeit ihres Lebens verbringen.

Müllers Training basiert auf einem der wenigen wissenschaftlich überprüften Humortrainings. Dieses liess das das wahrgenommene Stresslevel und Anzeichen depressiver Verstimmungen bei den Teilnehmern sinken.

von Corinne Bünzli,

publiziert am 06.11.2018


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