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Gesünder leben?

So wird man glücklich – wissenschaftlich erwiesen

Forscher wissen, wie man dem Glück auf die Sprünge hilft. Und warum Senioren trotz Altersgebrechen oft zufriedener sind als jüngere Menschen.

Glück ist nicht gleich Glück – sagt ein Professor, der es wissen muss. Es gebe drei verschiedene Arten davon: «Das Glück der Jugend, das im mittleren Alter und das der späteren Lebensphase», nennt es Tobias Esch.

Esch ist Professor an der deutschen Universität Witten/Herdecke. Seit seinem Medizinstudium fasziniert ihn, was Menschen – selbst unter schwierigsten Bedingungen – glücklich oder zufrieden macht.

Glücksmomente trotz Leiden

«Als Pflegehelfer auf einer Krebsstation hatte ich damals Begegnungen mit schwer krebskranken Menschen. Trotz der Diagnose und des Leids gab es auch Momente der Glückseligkeit und Freude. Selbst wenn der Mensch krank ist, ist er also nicht nur ein leidendes Wesen», folgerte Esch – und stieg nach dem Studium unter anderem in die Glücksforschung ein.

Geistig und körperlich beweglich

Eines ihrer wichtigsten Ergebnisse: Man kann dem Glück auf die Sprünge helfen. «Indem man etwa in Beziehungen investiert. Und indem man sich bewegt, körperlich und geistig, zum Beispiel neugierig bleibt und eine Art innere Flexibilität trainiert», rät Esch.

Tatsächlich sind Menschen, die sich viel bewegen, zufriedener. «Unser Gehirn ist ein «Bewegungsapparat», es liebt die Orientierung im Raum und vollzieht komplexe Bewegungen mit Freude», schreiben Esch und sein Ko-Autor, der bekannte deutsche Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen, in ihrem aktuellen Buch «Die bessere Hälfte».  

Demenz und Depression vorbeugen

«Erstaunlicherweise sind bei der körperlichen wie auch bei der geistigen Bewegung die gleichen Nervenbotenstoffe im Gehirn beteiligt», sagt Esch. Bewegung erreiche in Studien fast immer vordere Plätze unter den Faktoren, die Demenz und Depressionen vorbeugen.

Dass Glücksgefühle keine blosse Einbildung sind, können Wissenschaftler heute belegen. «Wenn wir Situationen erleben, die biologisch sinnvoll sind, werden im sogenannten «limbischen System» des Gehirns spezifische Nervenbotenstoffe freigesetzt – und je nach Glücksart überwiegen dabei jeweils andere. (Lesen Sie unten weiter...)

Weitere Anregungen für Zufriedenheit

Die Glücksbotenstoffe

Der Nervenbotenstoff Dopamin spielt eine wichtige Rolle in «Hochmomenten». Der «Kick» vor einem Bungee-Sprung oder die totale Verliebtheit sind typische Beispiele für dieses – vergängliche – Glück. Es wird vor allem in der Jugend empfunden in Momenten, in denen «der Mensch durchtränkt ist von Freude», wie Esch sagt. Dopamin bewirkt, dass wir «leben, Lust haben und die Welt erobern wollen».

In der mittleren Lebensphase – geprägt etwa vom Kindergrossziehen, Hausbauen, Sichbewähren im Job – besteht Glück vor allem in Momenten der Erleichterung. Wenn die Stresshormone im Hirn für einen Moment eine Pause einlegen, empfindet der Mensch das als Glück.

Die Nervenbotenstoffe Serotonin, Oxytocin und auch die sogenannten endogenen Opiate hingegen sind wichtig, um wohlige Zufriedenheit und Glückseligkeit zu spüren. «Dann entsteht ein innerer Frieden und das Gefühl genau dort zu sein, wo man sein möchte», beschreibt es Esch. «Man muss nicht mehr aktiv werden, sondern findet Ruhe in der Seele, entdeckt Leichtigkeit und Freiheit und empfindet Dankbarkeit für das bisherige Leben.» Dieses Glück sei auch eher typisch für das Alter.

Statistisch würden die meisten Menschen etwa mit Mitte 40 den Punkt im Leben erreichen, wo die Unzufriedenheit am grössten sei. «In schwierigen Lebensphasen sollte man Zutrauen haben, dass es sich lohnt, durchzuhalten. Denn mit höherem Alter werden wir wieder zufriedener», prophezeit Esch.

Trotz Krankheiten glücklicher

Körperlich gesund zu sein helfe zwar, um glücklicher zu sein. «Aber es ist nicht alles.» Denn die körperliche Unversehrtheit werde mit zunehmendem Alter weniger wichtig für die Zufriedenheit, auch weil man wohl immer besser lerne, seine Erwartungen an das anzupassen, was noch gehe, sagt Esch. «Es tönt paradox, aber man wird zufriedener, obwohl man gebrechlicher wird.»

von Dr. med. Martina Frei,

publiziert am 23.11.2018


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