Was ist Glück?

Optimistische Menschen leben länger. Wie sich Zufriedenheit und Gesundheit gegenseitig beeinflussen.

Es sind diese Augenblicke, in denen alles stimmt. Beim Kurven Schwingen im Tiefschnee, beim Blick auf ein traumhaftes Bergpanorama, beim harmonischen Sonntagsfrühstück mit dem Freund. Diese Momente bezeichnen wir als Glück. Oder zumindest viele von uns.

Das Glück stärken

Worauf kommt es an, wenn man zufriedener werden und es auch langfristig bleiben will? Experten der Amerikanischen Psychologischen Gesellschaft haben «Glücksfaktoren» zusammengetragen, für die es gute wissenschaftliche Belege gibt.

  1. Gute Beziehungen zu Angehörigen, Freunden und anderen pflegen
  2. Sich realistische Ziele setzen und sie ansteuern
  3. Problemen nicht aus dem Weg gehen
  4. Schicksalsschläge als Chance nutzen, das eigene Selbst zu stärken
  5. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken
  6. Auch bei extrem belastenden Ereignissen die langfristige Perspektive im Blick behalten
  7. Gefühle und Bedürfnisse ernst nehmen

Dreifaltigkeit des Glücks

Die Wissenschaft unterscheidet drei generelle Formen von Glück:

  • Einzelne Momente, zum Beispiel, wenn wir jemanden zum Geburtstag beschenken,
  • langfristige Zufriedenheit, etwa über beruflichen Erfolg oder eine glückliche Ehe,
  • die Erleichterung, die man empfindet, wenn eine Gefahr gebannt oder eine schwierige Aufgabe geschafft ist.

Mithilfe bildgebender Verfahren lassen sich diese drei Gefühle sogar in unserem Gehirn von­einander abgrenzen. Wenngleich sie in der Praxis verwoben sind, weist jede Glücksform doch bestimmte Aktivitätsmuster auf, an der auch jeweils andere Botenstoffe beteiligt sind.

Lebensfrohe Nonnen

Eine weitere spannende Erkenntnis der Forschung: Glückliche Menschen sind gesünder und leben länger. Zahlreiche Untersuchungen bestätigen den Zusammenhang. Eine der wichtigsten ist eine amerikanische Studie mit 180 Nonnen, die bis zu 70 Jahre lang wissenschaftlich begleitet wurden.

Ein Kloster eignet sich für solch eine Erhebung besonders gut, weil die äusseren Einflüsse gering sind und sich Alltag und Lebensstil der Teilnehmerinnen kaum unterscheiden. Fazit der Studie: Die Optimistinnen unter den Nonnen lebten im Schnitt sieben Jahre länger.

Glück hilft dem Herz

Im vergangenen November wurde dieser Zusammenhang in einer repräsentativen Untersuchung für die US-Bevölkerung bestätigt. Gesunde Menschen, die sich als sehr glücklich bezeichneten, hatten ein um 14 Prozent geringeres Risiko, im Studienzeitraum zu sterben – verglichen mit den Unglücklichen. Und eine Analyse der Harvard-Universität ergab, dass zufriedene Personen seltener einen Herz­infarkt erleiden.

Pasqualina Perrig-Chiello, emeritierte Honorarprofessorin für Entwicklungspsychologin an der Uni Bern, vermutet: «Menschen, die sich in ihrer Haut wohlfühlen, spüren viel eher, wenn etwas nicht stimmt, und dann unternehmen sie etwas dagegen». Sie reduzieren etwa Stressbelastungen und schonen dadurch ihr Herz.

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Beziehungen pflegen

Zu einer positiven Lebenseinstellung gehören gute Beziehungen zu Freunden und Familie.

Soziale Kontakte sind wichtig

So war es auch in der Herzinfarkt-Studie der Harvard-Universität. Die Teilnehmer mit einer positiven Lebenseinstellung profitierten davon, dass sie sich besser um ihre Gesundheit kümmerten und gute Beziehungen zu Freunden und Angehörigen pflegten. Unglückliche neigten eher dazu, ihren Kummer in Alkohol zu ertränken, Kette zu rauchen, wichtige Vorsorge­untersuchun­gen zu vernachlässigen, bei ersten Anzeichen einer Erkrankung den Arzttermin aufzuschieben und sich allein vor den Fernseher zu setzen, statt soziale Kontakte zu pflegen.

Lebenszufriedenheit ist im Gehirn verankert

«Lebenszufriedenheit ist eine Gewohnheit, die sich besonders schwer ändern lässt. Denn unsere Befindlichkeit ist tief in den Basalganglien unseres Gehirns verankert», erklärt Professor Gerhard Roth, Neurowissenschaftler und Persönlichkeitsforscher an der Universität Bremen. Unsere Grundstimmung wird zu 30 bis 50 Prozent von den Erbanlagen und von frühkindlichen Erfahrungen geprägt. Das zeigen Vergleiche zwischen nahen Angehörigen. Die andern 50 Prozent hingegen kann man beeinflussen.

Publiziert am 02.02.2017,

von Dr. Achim G. Schneider


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