Wie aus den Rebellen Hipster wurden

Yoga ist hip und chic. Inzwischen gibt es sogar Yogasmoothies, Yogaclubbing, Goatyoga. Dabei geht vergessen: Die Ur-Yogis waren Rebellen und Aussteiger.

Yoga ist in, Yoga ist hip, Yoga trifft den Nerv der Zeit und gehört heutzutage für Millionen von Menschen rund um den Globus zum persönlichen Lebensstil. Es gibt inzwischen Yogasmoothies, Yogaclubbing, Goatyoga usw. Trendforscher sagen voraus, dass Musikfestivals in zwanzig Jahren Yogaveranstaltungen sein werden, mit ein bisschen Musik dabei. Yoga ist Kult, Yoga ist sexy, Yoga gehört zum guten Ton. Das ist die Verpackung.

Was ist Yoga?

Und was steckt drin? Einfache Körper-, Reinigungs-, Atem-, Konzentrations- und Entspannungstechniken, die sehr wirkungsvoll sind, wenn wir regelmässig üben.

Was heute ein Megatrend ist, war im Westen lange Zeit tabu. Indra Devi eröffnete 1948 das allererste Yogastudio in den USA, in Hollywood. In Europa galten Menschen, die Yoga praktizierten, damals und noch bis in die späten achtziger Jahre hinein als exotische Sektierer.

Aussteiger, die sich in die Berge zurückzogen

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Johannes Glarner

Johannes Glarner ist ursprünglich Dr. phil. I und heute Yogalehrer und -Ausbildner im Grossraum Zürich, Yoga-Dozent am Instituto de Empresa, Madrid und Yoga-Therapeut an der Forel Klinik im Kanton Thurgau.

Heute ist Yoga hip, aber die allerersten Yogis waren Aussenseiter und Aussteiger. Gehen wir zurück zu den Anfängen dieser uralten Lebenspraxis, so sehen wir Menschen in Dörfern, die den ,ganz normalen Wahnsinn‘ ihres Alltags nicht mehr mitmachen wollten. Sie hatten genug von der täglichen Gier, von Hass, von Gewalt und Neid. Sie rebellierten, indem sie ihre Liebsten verliessen und sich in die Stille zurückzogen: auf die umliegenden Hügel, in die Wälder und in Höhlen. Dort setzten sie sich hin.

Einige sahen mit offenen Augen auf das leidvolle Treiben in den Dörfern hinunter, andere liessen es vor ihrem inneren Auge aufsteigen. Durch dieses blosse Hin- und Hineinschauen beruhigte sich ,das Dorf in ihnen‘ und verschwand sogar zeitweilig. Damit sie nun länger ruhig sitzen und befreit verweilen konnten, erfanden sie Techniken: Sie stärkten ihren Rücken, sie öffneten ihre Hüften und Schultern. Das war die Geburt des Körperyoga.

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Hip ist nur die Verpackung

Wann und wo immer wir auf unsere Matten stehen oder auf unsere Kissen sitzen, um unsere innere Mitte zu finden, verbindet uns eine feine Linie direkt mit diesen frühen Aussenseitern und Aussteigern aus fernen Zeiten und Landen, die man gemeinhin Yogins nannte. Demnach heisst Yoga üben immer auch: sich widersetzen, rebellieren, Nein sagen zur ver-rückten Welt da draussen und Ja sagen zum Inneren, Stillen, Immateriellen. Man könnte es Bewusstsein nennen. Hip ist nur die Verpackung.

Publiziert am 10.08.2017,

von Johannes Glarner


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