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Gesünder leben?

Kinderernährung ganz ohne Stress

Kinder gesund zu ernähren, ist für viele Eltern eine grosse Herausforderung. Wer einige Punkte beachtet, meistert dies aber gut.

Wie vermittle ich meinem Kind Freude am Essen?

Ein Kind gehört ab dem ersten Geburtstag an den Familientisch. Hier erlebt es, dass miteinander geredet, gelacht und mit Genuss gegessen wird. Studien haben gezeigt, dass das Ritual des gemeinsamen Familientischs hochwirksam ist, damit ein Kind Freude am Essen bekommt. Die Eltern sollen ihm vorleben, dass sie selber gern und mit guten Tischsitten essen und von allem probieren. Das Kind wird sie nachahmen, denn das Ernährungsverhalten wird in erster Linie vorgelebt und nicht mit vielen Worten und Befehlen anerzogen. Auch das Anfassen und Erfahren der Nahrung – etwa beim gemeinsamen Kochen – trägt dazu bei, dass ein Kind zu einem guten Esser wird.

Wie bringe ich mein Kind dazu, Neues zu probieren?

Kinder müssen neue Lebensmittel zehn- bis fünfzehn Mal probieren, bis sie diese mögen. Studien haben jedoch gezeigt, dass Eltern nach ein bis zwei, höchstens drei Versuchen aufgeben und das neue Lebensmittel ganz vom Speiseplan streichen, wenn es ein Kind nicht mag. Besser ist, dem Kind ein Lebensmittel innert weniger Wochen immer und immer wieder anzubieten. Dabei macht eine stufenweise Herangehensweise Sinn: erst einmal nur mit der Zunge probieren, beim nächsten Mal im Mund befühlen, und erst in einem dritten Schritt herunterschlucken. Motivierend wirkt, wenn die Eltern ihr Kind für jeden dieser mutigen Versuche loben.

Wie findet mein Kind einen guten Umgang mit süssen Lebensmitteln?

Die Vorliebe für Süsses ist angeboren. Fruchtwasser und Muttermilch schmecken süss. Kein Wunder, mögen schon kleine Kinder fast alles, was süss schmeckt. Süssigkeiten zu verbieten, nützt nichts, sondern machen sie erst recht spannend. Verschiedene Studien zeigten, dass jene Kinder am liebsten Süsses naschen, die zu Hause am wenigsten davon erhalten. Möchten Eltern ihre Kinder gesund ernähren, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als ihnen einen mass- und sinnvollen Umgang mit Süssigkeiten vorzuleben. Dabei gilt das Motto: Etwas Süsses pro Tag ist in Ordnung, mehr ist ungesund.

Brauchen Kinder spezielle Kinderlebensmittel oder Vitaminpräparate?

Ausser im ersten Lebensjahr sollte ein Kind dieselbe Nahrung erhalten wie die Erwachsenen – natürlich milder gewürzt und ohne Alkohol. Spezielle Kinderlebensmittel nützen nur den herstellenden Firmen und sind bei Weitem nicht so gesund, wie man es erwarten dürfte. Zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe machen meist wenig Sinn. Studien zeigen sogar, dass die dauernde Einnahme von zusätzlichen Vitaminen und Mineralstoffen der Gesundheit eher schadet als nützt. Es ist völlig normal, dass Kinder manchmal besser, manchmal schlechter essen und ihre schwierigen Phasen haben. Bis sich Ernährungsfehler gesundheitlich auswirken, dauert es aber lange.

Welche speziellen Ernährungsformen sind für Kinder geeignet?

Ein gesundes Kind braucht keine spezielle Ernährungsform. Nur wenige Kinder leiden an Zöliakie und müssen deshalb strikt glutenfrei essen. Auch Milchzucker vertragen die meisten Kinder problemlos, die Laktoseintoleranz entwickelt sich in der Regel erst im Erwachsenenalter. Eine gesunde vegetarische Ernährung eines Kindes ist gut möglich, wenn Milch, Milchprodukte und Eier auf dem Speiseplan stehen. Lassen Eltern strikt alle tierischen Produkte weg, drohen irreversible Mangelerscheinungen. Eltern, die ihr Kind vegan ernähren wollen, müssen sich intensiv mit dem Thema befassen und mit Supplementen und einer engmaschigen medizinischen Kontrolle sicherstellen, dass keine Mangelerscheinungen auftreten.

Wie gehe ich damit um, dass mein Kind anderswo ungesund isst?

Die Phase, in der die Eltern das Ernährungsverhalten der Kinder kontrollieren und beeinflussen können, ist sehr kurz. Sobald das Kind Taschengeld hat, auf die Schulreise oder in die Badi geht, ist sie vorbei. Zudem werden schon im Kindergarten die Znüni geteilt oder getauscht, und auch in Kinderkrippen oder Tagesschulen wird oft ganz anders gegessen. Dennoch dürfen Eltern beruhigt sein. Je näher sie ihrem Kind stehen, desto eher sind sie Vorbilder, deren Ernährungsverhalten nachgeahmt wird. Das Kind dürfte später weitgehend so essen, wie es das zu Hause gelernt hat.

von Marianne Botta Diener,

publiziert am 20.06.2018


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