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Gesünder leben?

Was essen in den Ferien im Süden?

Die Sommerferien stehen vor der Tür. Viele zieht es jetzt in den Süden. Der Mediziner Alexander Vierheilig erklärt, worauf man dort beim Essen achten sollte.

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Dr. med. Alexander Vierheilig

Er ist Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH und hat einen Executive Master in International Negotiation and Policy-Making (INP) des Graduate Institute Geneva. Er leitet die Santémed-Gesundheitszentren Winterthur und Eglisau a.i.

Herr Vierheilig, was sollte man in den Ferien im Süden nie essen?

Ich würde möglichst wenig Süsses und Fettiges essen und wenig Alkohol trinken. Generell sollte man nicht zu schwere Kost zu sich nehmen, vor allem während des Tages.

Wieso?

Weil schweres Essen das Blut im Magen bindet – ein normaler Vorgang bei der Verdauung. Der Körper benötigt das Blut im Endeffekt für die wichtigeren Organe wie Herz, Hirn und Haut. Sie sorgen zum Beispiel durch Schwitzen für eine Abkühlung des Körpers.

Was kann man überall bedenkenlos essen?

Da gilt die einfache Faustregel: «cook it, boil it, peel it or forget it». Also nur Sachen essen, die gekocht, gegart oder geschält wurden. Den Rest sollte man im Zweifelsfall immer stehen lassen.

Was sagen Sie zu Spiessli, die ein Strassenverkäufer auf seinem Wagen grilliert hat? Essen? Oder lieber ignorieren?

Ich würde es sein lassen. In einem guten Hotel kann man Spiessli aber schon essen. Die haben meistens einen Hygiene-Plan.

Es ist doch gekocht?

Das stimmt. Sie wissen aber nicht, wie lange das Spiessli schon herumgelegen hat. Fliegen und anderes Ungeziefer können hier schnell Krankheitserreger einschleusen, und vor allem immer aufpassen bei Sossen! Diese beinhalten oft Mayonnaise oder Ei.

Was meinen Sie zu bereits aufgeschnittenen Früchten, zum Beispiel Melonen, vom Strandverkäufer?

Da sehe ich kein grosses Risiko, sofern die aufgeschnittenen Früchte nach dem Aufschneiden nicht mit Wasser behandelt worden sind.

Salat – ja oder nein?

In einem guten Hotel können Sie das machen, überall sonst rate ich davon ab. Das Problem bei Salaten ist das Waschen. Sie wissen nicht, was für Wasser da verwendet wird. Oftmals ist das Wasser im Süden leider mit Kolibakterien verseucht.

Ein Glacé vom Strassenverkäufer?

Wenn das Glacé offen verkauft wird, würde ich es nicht essen. Glacé wird mit Wasser oder Milch gemacht: zwei Lebensmittel, die besonders oft für eine Magenverstimmung verantwortlich sind. (Lesen Sie unten weiter...)

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Sich an Buffets bedienen oder lieber sein lassen?

In einem guten Hotel sollte das kein Problem darstellen.

Dort essen, wo die Einheimischen bzw. viele Leute essen, weil das bestimmt ein gutes Zeichen ist?

Das kann schon sein. Das heisst aber noch lange nicht, dass das Essen auch für uns gut verträglich ist, weil es andere Bakterien enthält als unsere heimische Kost. Einheimische sind daran gewöhnt, wir nicht. Wir brauchen etwa zwei bis drei Wochen, bis unsere Verdauung damit umzugehen weiss. In dieser Zeit sorgen die unterschiedlichen Bakterien bei uns meistens für Probleme. Ohne wirklich «krankhaft» zu sein.

Nach dem Essen einen Schnaps, das tötet die Bakterien dann schon, sagt der Volksmund. Hat er Recht?

Ja, ein Schnaps mit über 30, 40 Volumenprozent nach dem Essen hilft tatsächlich. Er desinfiziert. Es sollte dann aber auch bei einem bleiben.

Immer Händewaschen vor dem Essen, dann kann nichts schiefgehen?

Jein, wir essen in der Regel ja mit Messer und Gabel. Händewaschen allein bietet daher keine Gewähr. Aber es ist sicher empfehlenswert, die Hände vor dem Essen immer sauber zu machen mit Seife.

Kommen wir zum Trinken. Was kann man überall bedenkenlos trinken?

Wasser aus der Flasche oder abgefüllte Getränke. In heissen Ländern würde ich nicht zu kalten Getränken greifen, sondern zu temperierten. Das stresst den Organismus weniger. Es gibt ja Gründe, weshalb die Einheimischen das meistens auch so machen.

Wovon sollte man lieber die Finger lassen?

Bei Milch beziehungsweise Milchshakes und Fruchtsäften sollte man grosse Vorsicht walten lassen und diese nur dort konsumieren, wo man sich auf die Hygiene verlassen kann, zum Beispiel in einem guten Hotel. Mass zu halten empfiehlt sich bei Alkohol und bei stark koffeinhaltigen Getränken. Letztere lassen einen schneller dehydrieren. Generell sollte man in heissen Ländern pro Tag drei bis vier Liter trinken, weil man hier viel mehr schwitzt.

Zähneputzen mit Leitungswasser? Oder lieber nicht?

Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, dann verwenden Sie Wasser aus der Flasche.

Und wenn doch etwas passiert und man zum Beispiel Durchfall bekommt? Was dann?

Das kommt auf die Symptome an. Bei leichtem Durchfall sollte man sauberes Wasser trinken sowie Salze und Zucker zu sich nehmen und die Sonne eher meiden. Ein guter Tipp ist die Banane. Sie enthält viel Kalium, das man bei Durchfall ja verliert. Bei starken Bauchschmerzen, Blut im Stuhl oder Erbrechen sollte man dann doch medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Wenn es nach zwei bis drei Tagen nicht bessert oder sich verschlechtert, dann sollte man einen Arzt aufsuchen oder eine Hotline in der Schweiz anrufen. Wer weiter in den Süden reist, also zum Beispiel in Länder wie Ägypten, Marokko, Türkei oder Tunesien, der sollte sich vom Arzt eine Reiseapotheke mitgeben lassen.

Wie steht es mit Impfen?

Eine Impfung gegen Reisedurchfall gibt es keine. Für andere Impfungen ist es jetzt eventuell zu spät. Man sollte es aber kurz noch beim Hausarzt abklären. Eine Impfung gegen Hepatitis A kann sich eventuell noch lohnen. Ein Schnellschema kann hier auch drei Wochen vor Ferienbeginn noch gemacht werden. Diese Impfung bietet dann für zwei bis drei Monate Schutz. Nach Rückkehr aus den Ferien kann man dann die restlichen Impfungen nachholen für längeren Schutz.

von Rüdi Steiner


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