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Gesünder leben?

Wenn die Liebe durch den Magen geht

Das Sprichwort von der Liebe, die durch den Magen geht, kennt jedes Kind. Kulinarische und sinnliche Genüsse gehen seit je Hand in Hand.

«Ich dachte nicht,
dass es für mich
noch einmal so was gibt,
doch ich bin verliebt.
Sie gibt mir Frieden, sie gibt mir Ruh.
Jetzt sitz ich hier, bei ihr
Und schaue ihr beim Kochen zu.»

Diese Sätze finden sich in einem lyrischen Kochbuch mit dem Titel «Liebe geht durch den Magen», das Rezepte zum Kochen noch mit einer paar Gedichten garniert.

Sinnlichkeit pur

Für den Partner oder die Partnerin zu kochen oder ein Essen zu zweit im Restaurant: Ein solches Gemeinschaftserlebnis hat etwas Sinnliches an sich. Und ein gesättigter Magen löst Wohlbehagen aus.

Rezepte für die Liebe und den Magen
  • Libidofördernde Nahrungsmittel und spezielle Zutaten gibt es zuhauf auf dem Markt. Eine Prise Aberglaube spielt natürlich auch immer mit.
  • Die Römer schwörten auf Wein, Knoblauch und Majoran. Knoblauch ist ein gutes Aphrodisiakum für Männer, weil es die Spermien fit machen soll. Wegen ihrer phallischen Form galten auch Spargeln als kulinarisches Zaubermittel.
  • Die Azteken glaubten an die erotische Kraft von Schokolade.
  • Die Chinesen sind noch heute überzeugt von Seegurken, Raupenpilzen und Nacktschnecken zur Förderung der Libido.
  • Casanova und James Bond stärk(t)en ihre Manneskraft mit Austern.
  • Generell geschätzt wird Chili, weil es gefässerweiternde Substanzen enthält und das Nervensystem anregt. Und Sellerie soll die Erektion sowie die Spermienproduktion unterstützen.

Dafür gibt es auch eine medizinische Erklärung: «Bildgebungen im Gehirn zeigen, dass die Aktivitäten im limbischen System beim Essen besonders hoch sind», fasst Prof. Dr. med. Mark Fox mehrere Studien zusammen. Das limbische System diene unter anderem der Verarbeitung von positiven und negativen Emotionen. «Essen hat einen grossen Effekt auf das Wohlgefühl», sagt der Mediziner, leitender Arzt Gastroenterologie am Claraspital in Basel. «Sättigungs- und Wohlgefühl liegen ganz nah im ältesten Teil unseres Gehirns beieinander.»

Hormone als Bindeglied

Just wer so richtig verliebt ist und Schmetterlinge im Bauch hat, empfindet allerdings vor lauter Glück keinen Hunger. Bei Liebeskummer ist es gerade umgekehrt. Eine entscheidende Rolle bei diesen unterschiedlichen Gefühlslagen spielen die Hormone, die ein wichtiges Bindeglied zwischen Hirn und Magen-Darm-Trakt sind. Glückshormone sind Botenstoffe, die zu unserem Wohlbefinden beitragen, Emotionen auslösen und Glücksgefühle fördern können.

«Eine verliebte Frau weist einen hohen Anteil an Oxytocin auf», erklärt Prof. Fox. Dieses Hormon, das er vereinfacht als «Hormon der Liebe» bezeichnet, spiele nicht nur in der Sexualität eine grosse Rolle und stimuliere die Milchproduktion beim Stillen. Nein, auch beim Essen kommt es zum Zug. Bei Männern und Frauen ist nach dem Essen der Oxytoxinspiegel erhöht – so kann Liebe tatsächlich durch den Magen gehen.

«Hormon der Belohnung»

Bei Liebeskummer, wenn wir uns schlecht fühlen, suchen wir dagegen auf andere Art und Weise nach einem kompensierenden Ausgleich. Konkret: Um die Stimmung zu verbessern, werden die Hormonspiegel oft mit Süssigkeiten wieder nach oben getrieben. Hier komme das Dopamin, das «Hormon der Belohnung», ins Spiel, sagt Prof. Fox. Dopamin werde beim Essen ausgeschüttet, löse Zufriedenheit aus und wecke den Wunsch nach einer Wiederholung.

Der Zusammenhang zwischen Essen und Glücksgefühl spielt allerdings nicht bei Menschen, die nicht nur traurig, sondern richtig depressiv sind. «Wer wirklich depressiv ist, hat häufig keinen Appetit», sagt Prof. Fox.

Zu den Glückshormonen zählt auch das Serotonin. «Tatsächlich wissen wir, dass Medikamente, die den Serotoninspiegel im Gehirn steigern, bei Patienten mit Depressionen eine Stimmungsverbesserung auslösen.» Beim Essen sei es ähnlich.

Die Bilanz von Prof. Fox: «Fast jede Emotion geht durch den Magen – besonders aber die Liebe.»

von Markus Sutter,

publiziert am 13.12.2017

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