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Gesünder leben?

Von dick zu muskulös – wie ich mir meine Traumfigur erarbeitete

Während der Kochlehre wurde aus der schlanken Isabel Castelrotto ein Schwergewicht. Heute ist sie wieder ein Leichtgewicht, Personal Trainerin, Bodybuilderin aus Leidenschaft und Vorbild für Abnehmende. Wie hat sie das geschafft?

Tessin im Jahre 2008: Die 16-jährige Isabel Castelrotto absolviert in der Sonnenstube ihre Kochlehre. Obwohl sie sich in der Küche viel bewegt, setzt sie Kilo um Kilo an. «Ich habe überall immer wieder mal gekostet, dazu kamen lange Nächte und viele Partys, natürlich auch mit Alkohol», sagt die heute 25-Jährige.

Am Buffet packt sie sich auf den Teller, wonach sie Lust hat – vor allem Kohlenhydrate. Dann wird sie in die Patisserie versetzt. «Ich war ein Schoggimaul und habe mich kaum mehr bewegt.

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Isabel Castelrotto

Die 25-Jährige Isabel Castelrotto ist Fitnessinstruktorin und Ernährungscoach beim One Training Center. Im Rahmen des Weight-Management-Programms der Fitnessparks Migros coacht sie Übergewichtige. Seit drei Jahren brennt ihre Leidenschaft fürs Bodybuilding. 

Gewicht 80 Kilo, Grösse 1,62 Meter

Auch an der Hotelfachschule in Luzern, wohin sie wechselt, setzt sich der gewichtsmässige Aufwärtstrend fort. Die Quittung folgt: Mit 20 Jahren bringt die 1,62 Meter grosse Isabel 80 Kilo auf die Waage. Die Folge: Das Shoppen wird zum Frust, die junge Frau trägt Grösse 42/44. Ihr Vater, ein Hobbyfotograf, darf einzig ihr Gesicht knipsen.

«Von einem Ausflug nach London existieren nur drei Fotos – mit dicken Beinen», erzählt Isabel. Röcke trägt sie erst gar nicht, beim Blick in den Spiegel fühlt sie sich unwohl. Ihre Figur gibt Anlass zu Spott und Hänseleien, vor allem ihre dicken Beine. «Elefantenbeine» ist nur eine von vielen Bemerkungen, die sie sich anhören muss.

Wann fühle ich mich unwohl?

«Ich wollte hohe Schuhe tragen und mich sexy fühlen – das hat mir extrem gefehlt», umschreibt sie ihren sehnlichsten Wunsch von damals. Vermehrt fragt sie sich, wann sie sich unwohl fühlt. Und immer lautet die Antwort: Wenn es um den Körper geht. Deshalb muss sie etwas ändern, damit sie sich wieder wohl in ihrer Haut fühlt. Der Entschluss ist gefasst.

Die Grossmutter, seit jeher eine regelmässige Besucherin des Fitnessparks National, begleitet Isabel bei ihren ersten Versuchen an den Geräten (mit Trainingsplan) und auf dem Laufband. Frühere Versuche, ihre Enkelin zum Sport zu animieren, waren gescheitert, doch jetzt ist der Leidensdruck der Enkelin gross genug. Lektion eins des 1x1 des Abnehmens erfüllt Isabel Castelrotto zu 100 Prozent: «Man muss es wollen.» (Lesen Sie unten weiter...)

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Isabel Castelrotto mit der Langhantel.

21 Tage durchhalten

«21 Tage braucht der Körper, um sich an etwas zu gewöhnen. Da heisst es durchziehen, danach geht es einfacher weiter», sagt die Fitnessinstruktorin heute. Das gilt auch für die wabbelige 22-jährige Isabel, die sich nach ihrem Entschluss mit der Grossmutter zwei bis drei Mal pro Woche ins Fitnessstudio schleppt.

Schon bald ist Isabel vier bis fünf Mal pro Woche auf dem Laufband oder an den Geräten zu sehen. Wobei sie darauf achtet, immer andere Bereiche zu trainieren, damit kein Übertraining entsteht. Das Trainingsvirus hat sie fest im Griff.

Sieben Motivations-Tipps

Davor:

  • Sich vorstellen, wie man aussehen möchte und welche Kleider man in naher Zukunft tragen möchte.
  • Sich realistische Ziele setzen wie zwei Kilo pro Monat abnehmen (nicht 20).
  • Einstellung: «Ohne Opfer geht nichts, sei es beim Sport oder der Arbeit. Man muss es wollen.»

Während:

  • Spiegel und die stets grösser werdende alte Hose zeigen den Erfolg. Verwandelt sich Fett in Muskeln, schlägt sich das zuerst optisch nieder.
  • Sich motivieren mit Fotos von früher – so ist das bisher Erreichte gut sichtbar.
  • Bei Tiefs: Auf das Erreichte zurückblicken und sich sagen: Das werfe ich jetzt nicht weg!
  • Häufige Stolpersteine vermeiden:
    1. Stress zu Hause oder bei der Arbeit
    2. Die Ausrede «keine Zeit».

Training und Ernährung sind wichtig

Bewegung allein genügt nicht, Schritt für Schritt stellt die junge Frau auch die Ernährung um. Statt Cornflakes isst sie morgens Vollkornprodukte, Cottage Cheese und Haferflocken stehen immer öfter auf dem Tisch oder dienen als Zwischenmahlzeit. Was sich alles im Kühlschrank von Isabel befindet und was ihr Geheimtipp bei Hunger ist, erfahren Sie hier.

Vorkochen hilft

Irgendwann beginnt Isabel mit dem Vorkochen und nimmt ihre Mahlzeiten mit. Fisch oder Poulet mit Gemüse etwa oder Hülsenfrüchte und Salat mit Olivenöl und Essig. Da es sich um eine nachhaltige Umstellung der Essgewohnheiten handelt, «muss es essbar sein und schmecken», sagt die Personal Trainerin. Bouillon als Salatsauce kommt deshalb nicht in Frage. Bei ihr zeigt die Ernährungsumstellung Wirkung: «Ich ass frischer und fühlte mich auch so.»

Der Erfolg von Training und umgestellten Essgewohnheiten stellt sich bereits nach drei Wochen ein: Der Blick in den Spiegel löst keine Depression mehr aus, im Gegenteil: Die alten Hosen sind eine Nummer zu gross. Isabel stellt sich vor den Spiegel und sagt: «Wauw!» Sie bestellt online ihre ersten Sportleggings und weiss: «Der Körper ist das schönste Kleidungsstück, deshalb sollten wir das Beste draus machen.»

Personal Trainerin im Fitnesspark

Auch andere nehmen die Veränderung von Isabel wahr und machen ihr Komplimente. Freundinnen lassen sich Trainings- und Ernährungspläne von ihr erstellen. Eines führt zum anderen und ein Jahr nach Trainingsbeginn arbeitet sie bereits bei One Training Center und bildet sich zur Fitnessinstruktorin und zur Ernährungscoachin aus. «Mit dem Training stieg auch mein Selbstbewusstsein, ich stärkte mich äusserlich und innerlich.»

Heute wiegt sie zwischen 66 und 67 Kilo. Hat also in eineinhalb Jahren 13 Kilos abgenommen. Da sie den Grossteil ihres Fettes in Muskeln umgewandelt hat, zählt die Optik mehr als die Waage. Und die spricht für sich.

Auf dem Podest beim Bodybuilding

Drei Jahre nach dem ersten Training nimmt Isabel Castelrotto mit 25 Jahren zum ersten Mal an einem Bodybuilding-Wettbewerb teil. Später schafft sie es gar aufs Podest.

Dank ihrem Leidensweg und Erfolg fällt es ihr leicht, Übergewichtige zu motivieren. Sie hat deren Erfahrung geteilt und ist Vorbild im Fitness Center – und auch auf Social Media. «Hammerbody – wer ist dein Personal Trainer?» wurde jüngst ein gepostetes Foto von ihr kommentiert. Eine Frage, die sie freut und die sie gerne beantwortet.

von Silvia Schütz,

publiziert am 04.09.2018


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