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Gesünder leben?

Rotes Fleisch: Gesünder als gedacht?

Seit Jahren raten Ernährungsfachleute, weniger rotes Fleisch und Wurstwaren zu essen. Jetzt stellt eine Studie diese Empfehlung in Frage.

Rotes Fleisch ist schlecht fürs Herz, begünstigt Darmkrebs, erhöht die Sterblichkeit. So schärfen es Präventionsmediziner der Bevölkerung seit Jahren ein.

Jetzt aber kommt ein internationales Forscherteam zum Schluss, diese Empfehlung stehe auf so tönernen Füssen, dass sie nicht haltbar sei. Der Fleischkonsum erhöhe die Gesundheitsrisiken derart minim, dass dies keine solche Empfehlung rechtfertige, so das Fazit des Forscherteams.

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Weiter essen wie bisher

Die Forscher fassten Dutzende von Studien zusammen, die den Einfluss von Fleischkonsum auf die Gesundheit untersucht haben. Zuletzt stimmten sie ab: Soll man aufgrund dieser Erkenntnisse weiterhin dazu raten, rotes Fleisch und Wurstwaren zu reduzieren?

Die Abstimmung endete 3:11 und mündete in eine neue Empfehlung: Wir raten Erwachsenen ab 18 Jahren, Fleisch und Fleischprodukte weiterhin so zu konsumieren wie bisher, schreibt das Forscherteam in seiner Zusammenfassung – und löst damit einen Sturm der Entrüstung aus.

Reputation beschädigt

Die amerikanische Krebsgesellschaft, die amerikanische Herzvereinigung und weitere namhafte wissenschaftliche Institutionen sind konsterniert und zerpflücken diese Empfehlung. Die Forscher würden das Vertrauen der Bevölkerung in die Wissenschaft untergraben, die Reputation der Ernährungswissenschaft beschädigen und überdies die Gesundheit derer schädigen, die sich nach diesen unhaltbaren Empfehlungen richten.

So lauten die Vorwürfe. Ausserdem bestünden gewisse, in der Studie nicht offengelegte finanzielle Verflechtungen zur Agrobranche, bemängeln Kritiker.

Weniger Todesfälle

Wer hat nun Recht? Der springende Punkt ist, wie man die Studienergebnisse bewertet. Denn dass mehr Fleischkonsum mit erhöhter Sterblichkeit einhergeht, bestreitet auch das internationale Forscherteam nicht.

Seine Berechnung: Würde der Verzehr von Fleisch oder Fleischwaren um drei Portionen pro Woche sinken, ersparte dies vier von 1000 Personen einen tödlichen Herzinfarkt oder Schlaganfall und sieben bis acht von 1000 den Tod an Krebs. Das Problem ist aber, dass die Studien, die dieser Berechnung zugrunde liegen, nicht beweisen können, dass der Verzehr von Fleisch und Wurst schuld war am Tod.

Eine Frage der Betrachtung

Denn wer Fleisch konsumiert oder darauf verzichtet, macht noch andere Dinge im Leben: Er raucht vielleicht, trinkt Alkohol oder nicht, bewegt sich wenig oder viel, hat einen stressigen oder einen gemütlichen Beruf, verdient vielleicht wenig und isst deshalb weniger teure Gemüse und Früchte. Oder er mag einfach gern fettige Pommes. All dies beeinflusst das Krankheitsrisiko ebenfalls, lässt sich aber kaum auseinanderdividieren.

Präventionsfachleute und Ernährungsspezialisten sind deshalb zum Schluss gekommen: Auch wenn der Zusammenhang nicht eindeutig bewiesen und der Effekt klein ist, sollte man den Verzehr von rotem Fleisch und Wurst reduzieren. Das Forscherteam nun dagegen kommt zum Schluss: Die Beweislage ist noch immer zu dünn, um das zu raten.

Quelle: «Annals of Internal Medicine»

von Dr. med. Martina Frei,

publiziert am 20.11.2019


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