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Gesünder leben?

Täglich zehn Portionen Früchte und Gemüse

Fünf Portionen Gemüse und Früchte pro Tag seien zu wenig. Zu diesem Schluss kommt eine grossangelegte Studie. Müssen wir jetzt beim Essen umdenken?

Fünf Portionen Früchte und Gemüse am Tag sind gut. Zehn wären besser. Das würde das Leben von Millionen von Menschen verlängern. Das behaupten Wissenschaftler des Imperial College London.

Sie haben die Ergebnisse aus 95 verschiedenen Beobachtungsstudien mit insgesamt rund zwei Millionen Menschen untersucht. Die Forscher analysierten hierfür 43.000 Fälle von Herzerkrankungen, 47.000 Fälle von Schlaganfällen, 81.000 Fälle von generellen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, 112.000 Krebsfälle und 94.000 Todesfälle.

Ein Drittel weniger Krebserkrankungen

Für die neue Studie haben die Forscher geschaut, welcher Zusammenhang zwischen dem Konsum von 200 bis 800 Gramm Gemüse und Früchten pro Tag mit unterschiedlichen Krankheitsrisiken besteht. Und das haben sie herausgefunden:

  • 200 Gramm täglich senken das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 13 Prozent, 800 Gramm hingegen um 28 Prozent.
  • Das Risiko für eine Krebserkrankung reduziert sich bei 200 Gramm um 4 Prozent, bei 800 Gramm um 31 Prozent.
  • Das Risiko für frühzeitigen Tod geht bei 200 Gramm um 15 Prozent, bei 800 Gramm täglich aber um 31 Prozent zurück.

«Unsere Studie verdeutlicht, dass eine hohe Aufnahme von Obst und Gemüse enorme gesundheitliche Vorteile hat – und wir sollten versuchen, den Anteil in unserer Ernährung zu erhöhen,» rät Studienleiter Dr. Dagfinn Aune. Die Studie wurde im «International Journal of Epidemiology» veröffentlicht.

Nicht alle Gemüse gleich gesund

Auf 10 statt 5 Portionen pro Tag kommen die Forscher übrigens, weil sie als Basis die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO von 400 Gramm Früchten und Gemüse pro Tag nehmen. Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung empfiehlt hingegen, täglich 600 Gramm Obst und Gemüse zu essen – 360 Gramm Gemüse und 240 Gramm Früchte. Für die Schweiz müsste es daher 7,5 statt 10 heissen.

Für die Forscher sind auch nicht alle Gemüse und Früchte gleich gut. Am besten abgeschnitten haben Äpfel, Birnen, Zitrusfrüchte, grünes Blattgemüse wie Salat, Spinat oder Chicorée, Broccoli und Kohl (besonders Blumenkohl).

Ein geringeres Krebsrisiko ging vor allem mit grünen und gelben Gemüsesorten einher (Spinat, Peperoni) und mit verschiedenen Sorten von Kohlgemüse.

Lieber mehr Nüsse essen?

Das Herz-Kreislauf- und Schlaganfallrisiko kann laut Studie besonders Äpfel, Birnen, Zitrusfrüchte, Salate, grünes Blattgemüse und Kohlgemüse vermindern. Obst und Gemüse haben einen positiven Effekt auf den Blutdruck, den Cholesterinspiegel, die Elastizität der Blutgefäße und die Abwehrkräfte.

Der Mediziner und Ernährungsexperte David Fäh reagiert skeptisch auf die Vorschläge. «Man kann das schon empfehlen, die Frage ist bloss, ob es etwas was bringt. Die Leute kommen ja heute nicht mal auf vier Portionen Gemüse und Früchte am Tag», sagt er. «Eine Portion Nüsse täglich zu essen, finde ich sinnvoller.»

Diese hätten im Gegensatz zu Früchten kaum Einfluss auf den Blutzucker und könnten daher auch leicht zwischendurch gegessen werden.


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