Milch ist nicht gleich Milch

Vier Milliarden Liter Milch im Jahr geben Schweizer Kühe. Doch Konsumenten greifen immer häufiger zu pflanzlichen Alternativen – aus moralischen und gesundheitlichen Gründen. Aber der Ersatz ist nicht automatisch besser.

Im Supermarkt stehen die anderen neuen Lieblinge: Hafermilch, Reismilch, Mandelmilch. Und das im Milchland Schweiz. Der Milchkonsum ist rückläufig, dafür werden zunehmend Milchersatzgetränke verlangt. Jahrzehntelang galt Kuhmilch als notwendiger Teil einer gesunden Ernährung. Heute jedoch scheiden sich die Geister an diesem Lebensmittel. Zwei Lager stehen sich da gegenüber: die Kuhmilch-Befürworter und jene Menschen, die deren Konsum für mehr oder weniger schädlich halten.

Rasanter Wachstumsanteil

Nach Angaben verschiedener Marktforschungsinstitute liegt die weltweite Wachstumsrate der pflanzlichen Milchalternativen pro Jahr bei über fünfzehn Prozent. Sojadrink ist die bekannteste, daneben werden aber auch innovative Getränke aus Nüssen, Körnern, Samen sowie aus alten Getreidesorten beliebter. Viele sind protein- und fettärmer, dafür kohlenhydratreicher als Kuhmilch. Oft wird den Milchgetränken Kalzium zugefügt, bisweilen auch Zucker. Beim Nährwert können sie dann nicht mehr mit der echten Milch mithalten. Sie dürfen denn auch nicht «Milch» genannt werden, sondern heissen «Drink» oder «Getränk».

Milch gilt noch immer als gesund

Drei Portionen täglich soll ein Erwachsener konsumieren. Das empfiehlt die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE). Kein anderes Lebensmittel ist so reich und gehaltvoll an Nährstoffen wie die Milch. Zudem ist sie die beste Kalziumquelle und eines der ersten Nahrungsmittel, welches wir kennen lernen. Unsere Genetik hat sich an den Milchkonsum angepasst, und der Genuss von Milch ist vor diesem Hintergrund gerechtfertigt. Nicht unbedeutend ist, dass in der Schweiz pro Jahr mehr als vier Millionen Tonnen Kuhmilch produziert werden. Milch ist damit das wichtigste Erzeugnis der schweizerischen Landwirtschaft.

Jeder Fünfte verträgt sie nicht

Die Zahl derer, die Milch nicht gut vertragen, steigt kontinuierlich an. Immer mehr Kinder leiden unter einer echten Allergie auf Kuhmilcheiweiss. Von einer Laktoseintoleranz ist heute in der Schweiz etwa jeder fünfte Mensch betroffen. Die Nachfrage nach Alternativen zur klassischen Kuhmilch nimmt stetig zu. Es gibt aber auch Milchgegner, die sich weniger um ihre Gesundheit als um das Wohlergehen der Kühe sorgen. Diese müssen, um Milch zu geben, regelmässig Kälber gebären.

Streit um die Wirkung

Für die Empfehlung der SGE bezüglich Milch fehle das nötige wissenschaftliche Fundament. Es gebe keine überzeugenden Beweise dafür, dass Milchkonsum mit einem niedrigeren Erkrankungs-und Sterberisiko einhergehe. Studienresultate über die Risiken von häufigem Milchtrinken für Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehen in alle Richtungen: positiv, negativ, neutral. Milch und Milchprodukte können, so die Aussage verschiedener Untersuchungen, im Erwachsenenalter nicht einmal das Osteoporose-Risiko senken. Genügend Bewegung scheint da ein viel wichtigerer Schutzfaktor zu sein. Am Ende ist es mit der Milch wie mit allem: Es kommt auf die Menge an, ob sie gesund ist oder nicht. Lebensnotwendig scheint sie nicht zu sein.

Cremig bis wässrig

Milchalternativen können verwendet werden wie Kuhmilch. Sie eignen sich fürs morgendliche Müesli ebenso wie für den Kaffee. Auch zum Kochen und Backen sind die meisten Ersatzprodukte geeignet.

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Schafmilch

Liefert eineinhalbmal so viele Proteine und Kalzium wie Kuhmilch, aber auch mehr Fett und Kalorien. Enthält ebenfalls Laktose, ist aber leichter verdaulich als Kuhmilch. Sehr reich an essenziellen Fettsäuren (Linol- und konjugierte Linolsäure), sehr vitaminreich (B2, B6, B12, B13, C und Niacin). Bemerkenswert ist der hohe Gehalt an Orotsäure (Vitamin B13). Sie soll unter anderem krebshemmend wirken und die Blutzellbildung im Knochenmark anregen.

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Sojadrink*

Vegan und laktosefrei. Enthält fast gleich viele Proteine und etwas weniger Kohlenhydrate als Kuhmilch. Gelbliche Farbe, cremige Konsistenz. Leichter Geschmack nach Sojabohnen. 

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Mandelgetränk

Vegan und laktosefrei. Liefert nur wenig Kohlenhydrate, ist damit eines der wenigen Milchersatzgetränke, die sich mit «Low Carb»-Ernährungsformen kombinieren lassen. Mandelgetränk ist jedoch eine schlechte Eiweissquelle. Ähnlicher Fettgehalt wie Kuhmilch (3 Gramm pro Deziliter). Wässrige Konsistenz. Weissliche Farbe. Leichter Marzipangeschmack.

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Haferdrink

Liefert (wenig) Beta-Glucane, die einen positiven Einfluss auf die Blutfettwerte haben. Schlechte Proteinquelle. Liefert etwa gleich viele Kohlenhydrate wie Kuhmilch, ist vegan und laktosefrei. Wässrige Konsistenz, eierschalenfarbig. Leichter Porridge-Geschmack.

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Reisdrink*

Vegan und laktosefrei. Sehr arm an Proteinen und Fett. Liefert fast 10 Gramm Kohlenhydrate pro Deziliter. Enthält weniger Fett und Eiweiss, dafür mehr Kohlenhydrate als Kuhmilch. Wichtige Inhaltsstoffe der Milch fehlen (Calcium, Phosphor, Vitamine A, D und B2). Weisse Farbe, wässrige Konsistenz. Leichter Geschmack nach Milchreis. 

Schafmilch

Liefert eineinhalbmal so viele Proteine und Kalzium wie Kuhmilch, aber auch mehr Fett und Kalorien. Enthält ebenfalls Laktose, ist aber leichter verdaulich als Kuhmilch. Sehr reich an essenziellen Fettsäuren (Linol- und konjugierte Linolsäure), sehr vitaminreich (B2, B6, B12, B13, C und Niacin). Bemerkenswert ist der hohe Gehalt an Orotsäure (Vitamin B13). Sie soll unter anderem krebshemmend wirken und die Blutzellbildung im Knochenmark anregen.

* Beim Kauf dieser Produkte sollte man darauf achten, dass kein Zucker zugesetzt wurde. Bei Getränken aus Getreide ist zu bedenken, dass oftmals zwar kein Zucker zugefügt wird, aber ein Teil der Stärke bei der Fermentation in Zuckerarten umgewandelt wird. Diese sind nicht gesünder als herkömmlicher Haushaltszucker.

Publiziert am 03.07.2017,

von Marianne Botta Diener


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