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Gesünder leben?

Wenn man ungewollt Urin verliert

Ungewollt Urin zu verlieren, kann für Erwachsene peinlich sein und die Lebensqualität stark einschränken. Das muss nicht sein.

Inkontinenz ist ein sehr intimes und auch unangenehmes Problem. Viele Betroffene behalten das Thema daher lieber für sich, statt beim Arzt nach einer Lösung zu suchen. Dabei existiert eine Reihe wirksamer Therapien, etlichen Patienten kann gut geholfen werden.

Harninkontinenz heisst, dass man ungewollt Urin verliert. Man redet dann auch von Blasenschwäche oder einer schwachen Blase.

Eine gesunde Blase kann den Urin über längere Zeit speichern. Während der Speicherphase ist der Blasenmuskel, der gemeinsam mit Bindegewebe die Blasenwand bildet, entspannt. Der Schliessmuskel sorgt dafür, dass der Urin nicht über die Harnröhre abfliesst.

Bei der Entleerung zieht sich der Blasenmuskel zusammen, Schliessmuskel und Beckenbodenmuskulatur erschlaffen. Der Urin kann durch die Harnröhre abfliessen.

Damit die Blasenkontrolle reibungslos funktioniert, müssen Zentren in Gehirn und Rückenmark, beteiligte Muskeln und Nerven intakt sein und sinnvoll zusammenarbeiten. Zahlreiche Ursachen können das fein aufeinander abgestimmte System stören.

Die drei häufigsten Störungsformen sind Belastungsinkontinenz, die Dranginkontinenz und die Mischinkontinenz (eine Mischform aus 1 und 2).

Die Belastungsinkontinenz

Bei der Belastungsinkontinenz kommt es zu einem ungewollten Urinverlust, sobald sich der Druck im Bauchraum erhöht. Das ist zum Beispiel der Fall bei körperlicher Belastung.

Der Urinverlust kann dabei sehr gering sein (wenige Tropfen), aber es kann auch zu einem Urinverlust im Strahl kommen. Typischerweise verspürt der Betroffene keinen Harndrang, bevor der Urin ungewollt verloren geht. Die Ursachen dafür liegen meist in einer Schwächung der Beckenboden-Muskulatur. Dies kann altersbedingt auftreten, eine Folge von Verletzungen und Operationen sein. Bei Frauen, die häufiger unter dieser Form der Inkontinenz leiden, ist es oft auch eine Folge von Schwangerschaft und Entbindung.

Die Dranginkontinenz

Bei einer Dranginkontinenz spüren Betroffene immer wieder einen plötzlichen, übermässig starken Harndrang, obwohl die Blase noch gar nicht voll ist. Oft schaffen sie es nicht mehr rechtzeitig zur Toilette. Der Urin geht schwallartig ab. Dieser überfallartige Harndrang kann sehr häufig, manchmal mehrmals pro Stunde auftreten.

Die Ursache: Die Blase kann den Urin nicht mehr ausreichend speichern und sendet daher schon bei geringer Füllung fälschlicherweise das Signal «Blase voll» ans Hirn. Die Folge ist ein plötzlicher, kaum unterdrückbarer Harndrang der zu unfreiwilligem Harnabgang führen kann.

Überlauf- und Reflexinkontinenz

Weitere Formen sind die Überlaufinkontinenz. Hier kann sich die Blase aufgrund eines Hindernisses (z. B. vergrösserte Prostata, Gebärmuttersenkung, Myome) oder einer Nervenschädigung nicht mehr richtig entleeren und ist längerfristig übermässig voll. Im weiteren Verlauf kommt es zu einem permanenten Tröpfeln von Urin, wie bei einem undichten Wasserhahn.

Nervenschäden an Gehirn oder Rückenmark (durch Krankheiten wie Multiple Sklerose oder Schlaganfall, Parkinson- und Alzheimer-Krankheit oder andere Formen von Demenz oder eine Querschnittslähmung nach einem Unfall) bilden die Ursachen für eine Reflexinkontinenz. Die Blasenentleerung kann nicht mehr willentlich gesteuert werden, sondern geschieht «reflexartig». Oft funktioniert dabei die Zusammenarbeit der beteiligten Muskeln nicht mehr optimal, so dass immer etwas Restharn in der Blase zurückbleibt.

Hilfreiches Toiletten- und Trinkprotokoll

Es ist wichtig, dass der Arzt herausfindet, um welche Form von Inkontinenz es sich handelt – zum einen, um der Ursache auf die Spur zu kommen, zum anderen, um die individuell passende Therapie zu finden. Und die ist in vielen Fällen erfolgreich.

Hilfreich für die Diagnose ist meist ein Trink- und Toilettentagebuch (auch Miktionsprotokoll genannt): Darin notiert der Betroffene einige Tage lang, wann er Wasser lassen musste, wie stark der Harndrang war, ob es zu einem unwillkürlichen Harnabgang kam. Ausserdem vermerkt er seine Trinkmengen.

Das Risiko einer Inkontinenz steigt mit dem Lebensalter. Nebst Verletzungen, Operationen, Schwangerschaft und Entbindung können bei jüngeren Patienten auch Medikamente als Nebenwirkung eine Inkontinenz fördern. Als weitere Auslöser gelten körperliche Störungen wie eine vergrösserte Prostata, eine Nervenschädigung etc.

Beckenboden trainieren

Bei einer Belastungsinkontinenz kann regelmässiges Beckenbodentraining helfen. Dies kann überdies auch vorbeugende Wirkung haben.

Auch Übergewicht kann eine Blasenschwäche fördern, hier ist eine Gewichtsreduktion die Antwort.

In manchen Fällen bewährt sich ein Blasentraining. Dazu gehören angepasste Trinkmengen, eine geeignete Getränkeauswahl und feste «Toilettenzeiten».

Scharfe Gewürze meiden

Bei der Ernährung kann man versuchen, Stoffe zu meiden, die die Blase reizen könnten – zum Beispiel scharfe Gewürze oder Kaffee. Auf Nikotin sollte man verzichten. Zudem sollten Betroffene für eine geregelte Verdauung sorgen.

Hat eine Dranginkontinenz seelische (Mit-)Auslöser, helfen eventuell Entspannungsmethoden wie autogenes Training. Weitere ungünstige Faktoren wie anhaltender Husten, schweres Tragen, wiederkehrende Harnwegsinfekte können nur durch eine Verhaltensänderung oder eine entsprechende Therapie bekämpft werden.

Daneben gibt es verschiedene Medikamente, die für Linderung sorgen oder Abhilfe schaffen können. Operative Eingriffe empfehlen sich dann, wenn sämtliche anderen Therapiemöglichkeiten erfolglos waren.

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publiziert am 14.09.2018


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