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Gesünder leben?

So misst man den Blutdruck richtig

Den Blutdruck zu messen, scheint etwas vom Simpelsten zu sein – möchte man meinen. Doch der Eindruck täuscht. Worauf man beim Blutdruckmessen achten sollte.

  • 30 Minuten vor dem Messen weder Kaffee noch Alkohol trinken und nicht rauchen
  • Am besten den Blutdruck eine Woche lang morgens beim Aufstehen messen (vor der Einnahme von Medikamenten) und abends vor dem Schlafengehen
  • Unmittelbar vorher drei bis fünf Minuten ruhig auf einem Stuhl sitzen. Beim Messen entspannt den Rücken anlehnen und den (entkleideten) Arm aufstützen. Beine nicht überkreuzen und nicht sprechen
  • Nicht genau dann messen, wenn nebenbei der «Tatort» oder andere nervenaufreibende Dinge laufen
  • Das Blutdruckmessgerät sollte «klinisch validiert» sein. Selbst das gibt aber keine 100-prozentige Garantie, dass die Messung korrekt ist. Im Zweifelsfall am besten beim Arzt Vergleichsmessungen mit seinem Gerät machen
  • Apparate, die den Blutdruck am Oberarm messen, sind meist genauer als solche fürs Handgelenk – aber nur, wenn die Manschettengrösse passt. Die übliche 12 cm breite Manschette eignet sich für einen Armumfang von 27 bis 34 cm. Ist er grösser, braucht es eine 14 bis 16 cm breite Manschette. Sie sollte auf Herzhöhe sein, zwei Querfinger über der Ellbeuge platziert werden und so befestigt, dass noch bequem ein Finger darunter passt
  • Bei Geräten fürs Handgelenk sollte das Handgelenk auf Herzhöhe sein, indem man zum Beispiel den Arm aufstützt und anwinkelt
  • Immer mindestens zwei Mal im Abstand von ein bis zwei Minuten messen. Bei Herzrhythmusstörungen ein Gerät verwenden, das dafür geeignet ist und öfter messen
  • Beim allerersten Mal den Blutdruck an beiden Armen prüfen. Unterscheiden sich die Werte an beiden Armen, zählen die Messwerte am Arm mit dem höheren Blutdruck. Unterscheiden sich die Werte an beiden Armen sehr stark (oberer Wert: Differenz über 20; unterer Wert über 10), sollte ein Arzt dies kontrollieren (Lesen Sie unten weiter...)

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Viele Geräte messen falsch

Fast jedes dritte getestete Blutdruckmessgerät für den Hausgebrauch zeigt Werte an, die mindestens 10 Messpunkte zu tief oder zu hoch sind (mm Hg, siehe Box). Das ergab ein aktueller Test von 85 Geräten.

Sogar Ärzte liegen oft daneben

Zweitens tun sich sogar Ärzte schwer mit dem Blutdruckmessen, wie eine Studie in 26 Genfer Hausarztpraxen 2014 zeigte. Im Vergleich mit zwei extra in der Blutdruckmessung geschulten Fachpersonen lagen die Hausärzte beim oberen Blutdruckwert um durchschnittlich 23 Punkte daneben; beim unteren Wert waren es etwa 15. Für die Patienten kann das weitreichende Folgen haben: In rund 28 Prozent hätte der Arzt aufgrund dieser Messungen fälschlicherweise einen Bluthochdruck vermutet.

Viele Fehler lassen sich vermeiden

Ein Teil der Fehlmessungen ist vermutlich dem häufigen «Weisskittel-Bluthochdruck» zuzuschreiben. Das bedeutet, dass der Blutdruck des Patienten beim Arzt steigt, sonst aber normal ist. Manche Fehler bei der ärztlichen Messung aber hätten sich vermeiden lassen. So sassen die Patienten beispielsweise in 30 Prozent der Fälle mit gekreuzten Beinen auf dem Stuhl, was den Blutdruck erhöht – bei Personen mit Bluthochdruck um satte 8 bis 10 Messpunkte! 

Wieso wird der Blutdruck in «Millimeter Quecksilber» angegeben?

Früher benutzten die Ärzte zum Blutdruckmessen sogenannte «Quecksilber-Sphygmomanometer». Zunächst wurde die Armmanschette so stark aufgepumpt, dass kein Blut mehr in den Arm fliessen konnte. Dann wurde die Luft sachte aus der Manschette abgelassen. Dabei sank der Druck in der Manschette und damit auch das Quecksilber (chemisches Kürzel: Hg) in der Säule. Zugleich lauschte der Arzt mit seinem Stethoskop auf die Strömungsgeräusche des Bluts in der Armarterie.

Sobald er sie hörte, war der systolische Blutdruck erreicht. Die Höhe der Quecksilbersäule (mm Hg) in diesem Moment entsprach also dem oberen Blutdruckwert. Verebbten die Strömungsgeräusche in der Arterie, war der diastolische Blutdruckwert erreicht. Heutige automatische Blutdruckmessgeräte enthalten kein Quecksilber mehr, ihre Messung beruht auf anderen Methoden.

von Dr. med. Martina Frei,

publiziert am 25.07.2018


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