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Gesünder leben?

Gicht – schmerzvoll, oft aber vorhersehbar

Gestern noch völlig gesund und ordentlich gefeiert – und jetzt das! Aus heiterem Himmel übelste Schmerzen: Der grosse Zeh tut höllisch weh, ist geschwollen, heiss und gerötet.

Die Gicht entwickelt sich während längerer Zeit aus einer erhöhten Konzentration von Harnsäure im Blutkreislauf. Sie kristallisiert zu feinen Nadeln aus und lagert sich in den Gelenken ab. Dies führt zu Entzündungen, die heftige, manchmal fiebrige Schmerzattacken verursachen. Oft geschieht dies im Grundgelenk des grossen Zehs, wo das Blut langsamer fliesst als im restlichen Körper. Auch Mittelfuss- und Sprunggelenke, Knie, Finger und Ellbogen sind häufig betroffen.

Männer trifft es häufiger

In der Schweiz sind 80 Prozent der Betroffenen männlich. Gicht ist bei Männern ab 40 die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung. Die Frauen trifft es meist erst nach den Wechseljahren, da weibliche Geschlechtshormone die Harnsäureausscheidung fördern.

Das Leiden tritt familiär gehäuft auf und manifestiert sich oft erst bei Übergewicht oder bei einer purinreichen Ernährung.

Früher als Wohlstandsleiden bekannt

Purine sind einerseits Bausteine des Erbmaterials in unseren Zellkernen, die zu Harnsäure verstoffwechselt werden. Wir nehmen Purine aber auch mit der Nahrung auf. Sie sind hauptsächlich in Fleisch, Wurst, Innereien, Meeresfrüchten, fettem Fisch und Hülsenfrüchten enthalten. Alkohol fördert die Gicht ebenfalls, er verstärkt die Harnsäurebildung und hemmt deren Ausscheidung über die Nieren. Früher galt das Leiden als Wohlstandskrankheit, weil es primär jene Menschen betraf, die sich regelmässig Fleisch leisten konnten. (lesen Sie unten weiter...)

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Puringehalt pro 100 Gramm
  • Eier: 2 mg
  • Kartoffeln: 6,3 mg
  • Weissbrot: 16,8 mg
  • Bratwürstchen: 40 mg
  • Kabeljau: 45 mg
  • Erbsen: 63 mg
  • Rote Linsen: 84 mg
  • Schweineschnitzel: 88 mg
  • Ölsardinen: 200 mg

Die Umstellung des Speiseplans ist elementar

Bei einem akuten Anfall erhalten die Patienten in der Regel Entzündungshemmer. Schmerzen und Entzündung lassen so meist innerhalb einer Woche nach. Doch wie geht es dann weiter?

Eine purinarme Diät gehört zur Standardtherapie bei Gicht. Doch der Harnsäurespiegel lässt sich damit lediglich um etwa ein Milligramm pro Deziliter Blutserum senken.

Manchmal helfen nur Medikamente

Das reicht als Therapie nicht bei allen Betroffenen. Eine Gewichtsabnahme unterstützt die Heilung zusätzlich: Ein mässig erhöhter Harnsäurespiegel normalisiert sich oft bei fünf bis zehn Kilogramm weniger Körpergewicht. Sind die Werte hoch, brauchen Patienten Medikamente zur dauerhaften Senkung der Harnsäure. Diese hemmen entweder die Bildung von Harnsäure oder fördern deren Ausscheidung.

Ganz einfach und doch schwierig

Abnehmen, mehr Bewegung, gesünderes Essen, kaum Alkohol – die Änderung des Lebensstils ist für viele Patienten eine grosse Herausforderung. Doch es lohnt sich: Wer umschaltet, senkt gleichzeitig das Risiko für viele andere Krankheiten.

von Barbara Kandler-Schmitt,

publiziert am 14.02.2018


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