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Gesünder leben?

Zehn Mythen zu Verstopfung

Verstopfung kann so mühsam sein, dass die Laune und die le>Leistungsfähigkeit sinken. Etwa 15 Prozent der Menschen leiden daran. Aber nicht alles, was an Informationen dazu kursiert, ist richtig. Die häufigsten Mythen – und was wirklich stimmt.

Der Mensch muss täglich «ufs Hüüsli»

Nein. Das ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Dreimal täglich Stuhlgang zu haben kann ebenso normal sein wie nur alle zwei Tage. Von chronischer Verstopfung spricht man, wenn mehrere Beschwerden mindestens drei Monate andauern: etwa oft stark pressen zu müssen, weniger als dreimal pro Woche das WC aufsuchen zu müssen oder das Gefühl haben, dass sich der Enddarm nicht vollständig entleert oder harter, knotiger Stuhlgang.

Zu wenig Bewegung macht den Darm träge

Jein. Wenn jemand zu Verstopfung neigt, kann mangelnde Bewegung das Problem noch verstärken. Dann ist es sinnvoll, sich täglich zu bewegen, weil dies auch die Darmbewegungen anregt. Zu wenig Bewegung ist aber nicht der Grund für die Verstopfung. 

Verstopfung tritt mit dem Alter öfter auf

Ja. Die Ursachen für Verstopfung können vielfältig sein: Eine Beckenbodensenkung, das Anspannen des Schliessmuskels im falschen Moment, ein mechanisches Hindernis, zum Beispiel Verwachsungen nach früheren Operationen, Nervenschädigungen, beispielsweise durch einen Unfall oder Diabetes, eine Medikamenten-Nebenwirkung, hormonelle Störungen oder andere Erkrankungen. Bei Senioren kommen oft mehrere dieser Gründe zusammen. Aber auch junge Menschen sind nicht gefeit: Während der Schwangerschaft kommt es beispielsweise oft zu Verstopfung.  (Lesen Sie unten weiter...)

Abführmittel sind schädlich

Ja und Nein. Manche Abführmittel wie etwa Macrogol darf man langfristig einnehmen. Selbst bei jahrzehntelangem Gebrauch kommt es nur selten zur Gewöhnung. Andere Wirkstoffe, etwa Bitter- oder Glaubersalz, sollte man keinesfalls regelmässig benützen. Sie können unerwünschte Wirkungen hervorrufen und zum Beispiel bei Herz- oder Nierenschwäche Probleme verursachen.

Wer verstopft ist, muss mehr trinken

Nicht unbedingt. Verstopfung bessert sich kaum dadurch, dass man mehr als die 1,5 bis zwei Liter Wasser pro Tag trinkt, die sowieso schon allgemein empfohlen werden. Studien, bei denen Menschen mit und ohne Verstopfung verglichen wurden, haben gezeigt, dass sie etwa gleich viel trinken. Als Faustregel gilt: Täglich rund 26 Milliliter Wasser pro Kilo Körpergewicht, das macht bei einem 60 Kilo schweren Menschen circa 1,5 Liter. Umgekehrt gilt aber: Wer zu wenig trinkt, bekommt oft Verstopfung, weil der Darm dem Kot dann mehr Wasser entzieht.

Einläufe reinigen den Darm

Nein. Ein Einlauf kann bei schwerer Verstopfung kurzfristig helfen, «gereinigt» wird der Darm dabei aber nicht. Regelmässig angewendet, können (vor allem grosse) Einläufe die Konzentrationen von Mineralstoffen im Blut verändern und zu unerwünschten oder sogar schwerwiegenden Problemen führen. Ausserdem bringen sie die Darmflora durcheinander. Eine eigentliche Darmreinigung ist nicht nötig, bringt nichts und kann ernsthaft schädlich sein! (Fortsetzung weiter unten...)

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Ballaststoffe helfen gegen Verstopfung

Tipps bei Verstopfung
  • Bewegen Sie sich mindestens 30 Minuten täglich, zum Beispiel schnell gehen. 
  • Einige Lebensmittel helfen oft gut; dazu zählen getrocknete Pflaumen, Sauerkraut oder Feigen. Wichtig sind allgemein genug Gemüse und Salat täglich als Ballaststofflieferanten.
  • Wenn Sie mehr Ballaststoffe essen möchten, beginnen Sie mit wenig und steigern Sie die Dosis allmählich.
  • Suchen Sie ein WC auf, wenn Sie Stuhldrang verspüren. Den Drang nicht unterdrücken. 
  • Versuchen Sie, nach dem Essen aufs WC zu gehen.
  • Checken Sie keine E-Mails am Handy oder Ähnliches, während Sie auf dem WC sind. Verbannen Sie Zeitungen und Heftli aus dem WC.  
  • Bauchmassage kann bei Verstopfung helfen. Wenn Sie selbst Hand anlegen möchten, massieren Sie Ihren Bauch sanft im Uhrzeigersinn. 
  • Wenn einfache Mittel ungenügend helfen, können Medikamente oder medizinische Massnahmen helfen, bitte konsultieren Sie in diesem Fall Ihren Hausarzt.

Ja. Die Ballaststoffe beschleunigen die Darmpassage. Bei sehr wenig Ballaststoffen in der Nahrung kommt es häufiger zu Verstopfung. Empfohlen werden etwa 30 Gramm Nahrungsfasern pro Tag, zum Beispiel in Form von Gemüse, Früchten, Vollkorn, eventuell mit einer Zugabe an Weizenkleie oder Flohsamenschalen. Wichtig ist dabei ausreichende Flüssigkeitszufuhr zum Quellen, ansonsten könnte es kontraproduktiv sein. Bei Nahrungsfasern in Gemüse und Salat ist bereits genug Flüssigkeit im Nahrungsmittel selbst drin.

Wenn sich Verdauung ändert, muss man hellhörig werden

Ja. Jeder Mensch hat hin und wieder Verdauungsprobleme. Halten sie aber an, sollte man eine Ärztin oder einen Arzt konsultieren, vor allem, wenn man über 50 Jahre alt ist oder wenn in der Familie Darm- oder Krebserkrankungen aufgetreten sind. Denn eine neu aufgetretene Verstopfung kann auch durch Darmkrebs verursacht werden. Andere Warnsymptome sind zum Beispiel Bauchschmerzen, Stuhldrang ohne Entleerung, Verstopfung abwechselnd mit Durchfall sowie Blut- oder Schleimabgang. 

Bei Verstopfung sollte man stark pressen

Nein. Das belastet den Beckenboden. Was helfen kann, ist in Hockstellung zu gehen oder die Füsse mit einem Schemelchen anzuheben, während man auf dem WC sitzt. Wenn trotzdem «nichts geht», sollte man das WC nach maximal fünf Minuten wieder verlassen. Vom Zeitung lesen am stillen Örtchen ist abzuraten: Das lange Sitzen kann die Bildung von Hämorrhoiden begünstigen.

Probiotische Bakterien können bei Verstopfung helfen

In verschiedenen Studien haben bestimmte probiotische Bakterien die Darmpassage beschleunigt. Hilfreich waren zum Beispiel die Bakterienstämme namens E. coli Nissle, Lactobacillus Casei Shirota und Bifidobacterium animalis DN-173 010. 

von Dr. med. André Dietschi,

veröffentlicht am 09.11.2020

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