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10 Fakten zur Unfruchtbarkeit

Jedes fünfte Paar in der Schweiz ist von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen. Wir beleuchten Fakten und Mythen zum für die Betroffenen oft belastenden Thema.

1. Wann spricht man von Unfruchtbarkeit?

Kann ein Mann auf natürlichem Weg kein Kind zeugen oder wird eine Frau trotz regelmässigem ungeschütztem Sex innerhalb eines Jahres nicht schwanger, spricht man laut der Weltgesundheitsorganisation WHO von Unfruchtbarkeit oder Sterilität. «Infertilität» der Frau bedeutet, dass sie zwar schwanger wird, das Kind aber nicht austragen kann. In der Umgangssprache werden alle Begriffe meist synonym verwendet. Sowohl Mann wie Frau können unfruchtbar sein.

2. Wie viele Menschen sind in der Schweiz betroffen?

Rund jedes fünfte Paar bleibt in der Schweiz ungewollt kinderlos. Weltweit betrifft es jedes sechste Paar. In 30 Prozent der Fälle liegt der Grund der Unfruchtbarkeit bei der Frau, in 30 Prozent beim Mann. Bei rund 20 Prozent tragen sowohl die Frau als auch der Mann dazu bei.

3. Was sind Gründe für Unfruchtbarkeit?

Grundsätzlich kann Sterilität bei Mann und Frau körperliche oder in Ausnahmefällen psychische Ursachen haben, aber auch der Lebensstil spielt eine Rolle: Länger andauernder Stress, starker Nikotinkonsum, ein hoher Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung und Übergewicht sind bei Mann und Frau ungünstig. Auch Medikamente, Chemotherapie, Bestrahlungen, Anabolika, Umweltgifte oder Pflanzenschutzmittel können sich negativ auswirken. Trotzdem: Die meisten Ursachen für Unfruchtbarkeit lassen sich nicht mit dem Lebenswandel erklären.

4. Unfruchtbarkeit aufgrund der Psyche ist doch ein Mythos?

Ja, denn man weiss aus älteren Studien, dass ungewollt kinderlose Paare psychisch gleich gut unterwegs sind wie Eltern und die Bevölkerung. Die Unfruchtbarkeit und die reproduktionsmedizinischen Behandlungen können aber auf Dauer so belastend sein, dass unfruchtbare Frauen ängstlicher und depressiver werden. Die psychischen Probleme sind also meist nicht die Ursache sondern die Folge von Kinderlosigkeit. Setzt die Monatsblutung trotz Hoffnung auf eine Schwangerschaft wieder ein, stürzen Paare oft in ein emotionales Loch.

(Fortsetzung weiter unten…)

5. Gleich zum nächsten Mythos: Verabschieden sich Paare vom Kinderwunsch, wird die Frau plötzlich und überraschend schwanger …

«Fixiert euch nicht so, dann wird es schon klappen», unterstellt psychische Selbstblockaden. Ältere Untersuchungen zeigen, dass sich bei Paaren, die sich keine eigenen Kinder mehr wünschen und ein Kind adoptierten oder zur Pflege aufnahmen, nicht häufiger «spontan» eine Schwangerschaft einstellte als bei Paaren, die weiter auf ein Kind hoffen.

6. Was sind die spezifischen Gründe für die Unfruchtbarkeit bei der Frau?

Es gibt sehr viele Gründe: Hormonstörungen, Gebärmutterfehlbildungen, Myome oder Polypen in der Gebärmutter. Verwachsungen nach einem Chlamydieninfekt bis hin zum Tubenverschluss. Medikamente, Chemotherapie, Anabolika, Über- oder Untergewicht, Schleimhautschädigungen, Stoffwechselstörungen oder Endometriose – um nur einige zu nennen. Auch das Alter spielt eine Rolle: Je älter eine Frau ist, desto höher ist das Risiko, dass die Reifung der Eizellen gestört und die Eizellreserve eingeschränkt sein kann.

Welche hormonellen Störungen können zu Unfruchtbarkeit bei Frauen führen?

  • Übergewicht: der Hormonhaushalt gerät aus der Balance. Das Fettgewebe produziert Hormone, etwa Androgene. Dies kann dazu führen, dass die Eizellreifung nicht mehr richtig funktioniert.
  • PCO-Syndrom: Bei Frauen mit polyzystischen Ovarien verkümmern die unreifen Eibläschen vorzeitig.
  • Gestörter Insulinstoffwechsel, etwa bei der Blutzuckerkrankheit Diabetes mellitus.
  • Erhöhter Prolaktinspiegel entweder durch eine vermehrte Produktion des Hormons Prolaktin oder durch Medikamentennebenwirkungen.

Die Auswirkung einer hormonellen Störung kann sein, dass zu wenig Eizellen heranreifen, der Eisprung ausbleibt oder sich die Gebärmutterschleimhaut nicht richtig aufbaut. Dann kann sich das Embryo nicht einnisten. Ausserdem verändert sich manchmal die Qualität des Zervixschleims, sodass die Spermien die Gebärmutter nicht erreichen.

Welches sind die körperlichen Ursachen von Unfruchtbarkeit bei Frauen?

  • Eileiter: Sie können verwachsen, verklebt, verschlossen oder unbeweglich sein, etwa aufgrund von Entzündungen, Infektionen zum Beispiel durch Bakterien wie Chlamydien oder einer Operation. Dann funktioniert der Transport der Eizelle durch die Eileiter nicht richtig. Chlamydien sind Bakterien, die verschiedene Krankheiten auslösen können. Die häufigste Chlamydien-Infektion betrifft die Harn- und Geschlechtsorgane. Diese sexuell übertragbare Geschlechtskrankheit betrifft Frau und Mann.
  • Verwachsungen der Gebärmutter oder Eierstöcke: Entzündungen und Schädigungen
  • Endometriose – versprengte Gebärmutterschleimhaut, die sich an anderen Organen ablagert und zu Verklebungen führen kann. Ist eine Endometriose chronisch und fortschreitend, kann sie zu Unfruchtbarkeit führen. «Bei 30 Prozent der unfruchtbaren Frauen ist Endometriose die Ursache für deren unerfüllten Kinderwunsch», sagt Sara Imboden, Oberärztin und Endometriosespezialistin am Inselspital Bern.
  • Myome – gutartige Geschwulste in der Gebärmutter und Zysten, die immer wiederkehren können.
  • Bösartige Tumoren (Krebserkrankung), etwa der Eierstöcke, Eileiter oder der Gebärmutter
  • Angeborene Fehlbildungen in Gebärmutter oder Eileitern
  • Abwehrreaktion des Immunsystems, die sich gegen Spermien oder Eizellen richtet

7. Was sind die spezifischen Gründe für Unfruchtbarkeit beim Mann?

Forschende der Universität Genf haben im Jahr 2019 die Spermienqualität bei mehr als 2500 jungen Männern in der Schweiz zwischen 18 und 22 Jahren untersucht. Das Resultat: bei 60 Prozent dieser jungen Männer wurden die Normwerte der Spermienqualität nicht erreicht. Entweder waren zu wenig Spermien vorhanden, deren Beweglichkeit eingeschränkt oder die Anzahl der normal geformten Spermien war reduziert. Verminderte Spermienqualität und -Produktion sind die häufigsten Gründe für die Unfruchtbarkeit von Männern. Auch das Alter, das eine verminderte Produktion des Geschlechtshormons Testosteron mit sich bringt, trägt dazu bei.

Gründe für Unfruchtbarkeit bei Männern:

  • Ungenügende Spermienqualität (siehe oben)
  • Mumps in jungen Jahren – die Infektionskrankheit kann zu einer schweren Hodenentzündung führen und deren Funktion irreversibel beeinträchtigen
  • Entzündungen der Hoden, Nebenhoden, Prostata oder Harnröhre
  • Blockierte Samenleiter oder Nebenhodengänge: Es gibt Männer, welche zwar eine ausreichende Menge an Spermien produzieren, diese gelangen aber nicht in den Samenerguss (Ejakulat). Die Gründe reichen von Verletzungen, Operationen bis hin zu Chlamydien oder angeborenen Fehlbildungen.
  • Hodenkrebs, Hormonelle Störungen, etwa Schilddrüsen und Nebennierenkrankheiten – Immunologische Reaktionen (siehe oben bei den Frauen) Genetische Erkrankungen, Alter

(Fortsetzung weiter unten…)

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8. Wie behandelt man Unfruchtbarkeit?

Das kommt auf die Ursache an. Meistens geht man schrittweise vor, um die Abklärungen durchzuführen, dann werden die Optionen besprochen. Die reichen von gezieltem Sex bis hin zur In-vitro-Fertilisation IVF. Dazwischen gibt es viele Optionen, die Gynäkologinnen für Frauen und Urologen für Männer aufzeigen können.

9. Kann man die Fruchtbarkeit durch Ernährung beeinflussen?

Da kommt die altbekannte Lebensmittelpyramide voll zum Zuge: am besten ist eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Früchten, Vollkornprodukten, massvollem Fleischkonsum – vorzugsweise Geflügel – sowie Fisch. Besonders wichtig rund um die Fruchtbarkeit scheinen mehrfach ungesättigte Fettsäuren, insbesondere Omega-3-Fettsäuren zu sein.

10. Gibt es gewisse Nahrungsmittel, die Fruchtbarkeit fördern?

Dass gewisse Lebensmittel wie etwa Austern oder Venusmuscheln die Fruchtbarkeit fördern, gehört ins Reich der Mythen. Auch Granatäpfeln haftet diese Wunderwirkung an. Bewiesen ist nichts, doch auch hier gilt Altbewährtes: «Nützt es nichts, so schadet es immerhin nicht».

von Silvia Schütz,

veröffentlicht am 26.10.2021


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