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Gesünder leben?

Gesünder leben?

Was essen bei Kinderwunsch

Granatapfel und Austern – tatsächlich kann Powerfood die Fruchtbarkeit fördern. Doch Paare mit Kinderwunsch sollten beim Essen noch auf anderes achten.

Dr. med. Ursula Gobrecht-Keller, Granatapfel, Austern und Venusmuscheln – diese Lebensmittel gelten schon seit alters her als Fruchtbarkeitssymbole. Was ist da dran?

Dass man mit einzelnen Nahrungsmitteln eine Schwangerschaft herbeiführen kann, gehört wohl ins Reich der Mythen. Doch Granatäpfel enthalten tatsächlich viele gesundheitsfördernde Stoffe – unter anderem Antioxidantien. Diese schützen vor freien Radikalen, welche Zellschäden verursachen, auch in den Hoden und Eierstöcken.

Gibt es dafür wissenschaftliche Belege?

Studien mit Tieren, die Granatapfelextrakt erhielten, konnten positive Effekte auf die Spermienqualität zeigen. Am Menschen gibt es nur eine einzige Untersuchung: Eine kleine Gruppe Männer mit reduzierter Spermienqualität erhielt für drei Monate Tabletten mit Granatapfelextrakt und Galgant-Pulver, worauf die Anzahl und Beweglichkeit ihrer Spermien zunahm. Ob sie dann tatsächlich mehr Nachkommen hatten, wurde aber nicht untersucht.

Empfehlen Sie die leuchtend roten Kerne also?

Es ist sicher nicht falsch, sie gelegentlich zu verzehren, wenn man sie mag. Um sie generell bei Unfruchtbarkeit zu empfehlen, ist die Datenlage jedoch unzureichend. Aber häufig spielt bei einer positiven Wirkung ja auch der Placebo-Effekt mit: Eine Erwartungshaltung löst einen Effekt aus.

Quellen: journals.plos.orgschwangerschaft.atdeutsche-apotheker-zeitung.de

Und was sagt die Wissenschaft zur Wirkung von Meeresfrüchten?

Viele Muscheln sind reich an Mineralien. Austern enthalten besonders viel Zink. Dieser Stoff ist essentiell für die männliche Fruchtbarkeit. Dennoch ist es sicher keine gute Idee, täglich Austern zu schlürfen. Denn in Muscheln sammeln sich auch viele Umweltgifte wie etwa Schwermetalle an.

Quellen: ncbi.nlm.nih.gov (Link auf Englisch)

Was also essen, wenn man schwanger werden möchte?

Am besten ist eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Früchten, Vollkornprodukten, massvollem Fleischkonsum – vorzugsweise Geflügel –  sowie Fisch. Dies entspricht der allseits bekannten Lebensmittelpyramide. Besonders wichtig scheinen mehrfach ungesättigte Fettsäuren, insbesondere Omega-3-Fettsäuren zu sein.

Sie sind etwa in Lein-, Raps-, Soja- und Algenöl sowie in Nüssen, dunkelgrünem Blattgemüse und fettreichen Fischen enthalten. Das alles gilt für die Frau und den Mann gleichermassen. Denn gesund essen fördert sowohl die Qualität der Spermien als auch die weibliche Fruchtbarkeit. Zudem hilft es, das Körpergewicht zu regulieren.

Quelle: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov

(Fortsetzung weiter unten...)

Was für eine Rolle spielt das Gewicht?

Eine wichtige. Ein Bodymass-Index im Normalbereich erhöht die Chancen auf eine Schwangerschaft erheblich. Denn sowohl Unter- als auch massives Übergewicht können die Spermienqualität beeinträchtigen und bei Frauen zu Zyklusstörungen führen. Sollte es dennoch zu einer Befruchtung kommen, sind Komplikationen wie etwa Fehlgeburten häufiger als bei normalgewichtigen Paaren.

Quelle: kinderwunsch-uk-bonn.de

Gibt es weitere spezielle Stoffe, auf die man achten sollte?

Frauen mit Kinderwunsch sollten bereits vor der Empfängnis genügend Folsäure einnehmen, um einem offenen Rücken beim Kind vorzubeugen. Eine gute Versorgung mit Folsäure scheint zudem die weibliche Fruchtbarkeit und auch die Erfolgsrate im Rahmen einer Kinderwunsch-Therapie zu erhöhen.

Quelle: ediss.sub.uni-hamburg.de

Gibt es Nahrungsmittel, von denen Sie Paaren abraten, wenn sie Eltern werden möchten?

Ja: Transfette. Sie entstehen, wenn natürliche Pflanzenöle industriell gehärtet oder stark erhitzt werden – etwa beim Frittieren. Transfette sind in vielen Fertigprodukten wie etwa Pizza, Chips und Berlinern enthalten. Man sollte sie generell meiden, ganz besonders aber bei unerfülltem Kinderwunsch. Denn sie haben bei beiden Geschlechtern nachweislich negative Effekte auf die Fruchtbarkeit.

Wie steht es mit Nikotin, Alkohol und Koffein?

Auch Rauchen ist bekanntlich Gift für den Körper. Unter anderem schädigt es die Spermien und die Eizellen. Eine künstliche Befruchtung bei einem Raucherpaar führt nur halb so häufig zu einer Schwangerschaft wie bei Nichtrauchern. Dagegen ist ein massvoller Konsum von Alkohol und Kaffee gemäss heutiger Erkenntnisse unbedenklich. Sobald Frauen schwanger sind, sollten sie aber natürlich vollständig auf Alkohol verzichten.

Quelle: praenat-koeln.de

(Lesen Sie unten weiter …)

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Kann man mit der Ernährung das Geschlecht des Kindes beeinflussen?

Kaum. Es gibt zwar entsprechende Untersuchungen bei Mäusen. Wenn man ihnen sehr fetthaltiges Futter zur Verfügung stellte, hatten sie mehr männliche Nachkommen. Jene, die mehr Kohlehydrate frassen, gebaren mehr Weibchen. Ob diese Erkenntnisse aber auf die Menschen übertragbar sind, ist ungewiss. Eine entsprechende Ernährung wäre zudem höchst ungesund.

Was, wenn es mit der Empfängnis trotz Befolgen all dieser Ernährungstipps einfach nicht klappen will?

Voraussetzung für eine Schwangerschaft ist natürlich auch regelmässiger Sex. Wenn es bei Paaren unter 35 nach einem Jahr nicht einschlägt, rate ich zu einer medizinischen Untersuchung; bei über 35-Jährigen bereits nach einem halben Jahr. Denn eine ungewollte Kinderlosigkeit kann viele Ursachen haben, die man zum Teil behandeln kann. Methoden wie die In-Vitro-Fertilisation sind mit zunehmendem Alter immer weniger erfolgreich. Ich erlebe regelmässig Paare, die zu spät Hilfe suchen. Wenn dann mit über 40, oder manchmal auch schon früher, nichts mehr zu machen ist, sind sie herb enttäuscht. Oft bricht eine Welt zusammen.

Ist eine Frau dann tatsächlich schwanger geworden, muss sie die Ernährung umstellen?

Wenn sie sich schon vorher gesund und ausgewogen ernährt hat, braucht es keine grundlegende Änderung. Sinnvoll ist sicher ein spezielles Multivitaminpräparat. Von veganer Ernährung rate ich entschieden ab. Denn bei der rein pflanzlichen Nahrung fehlen gewisse Aminosäuren. Dies kann sich ungünstig auf die Hirnentwicklung des Ungeborenen auswirken. Vegetarisch ist in Ordnung für Frauen, die sich beim Thema Ernährung gut auskennen.

Quelle: sge-ssn.ch

von Andrea Söldi,

veröffentlicht am 08.12.2020, überarbeitet am 12.01.2021


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