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Gesünder leben?

Akupunktur – Nadelstiche gegen Schmerzen

Die Wirksamkeit von Akupunktur wurde lange angezweifelt. Heute weiss man besser, wie sie wirkt – besonders bei Schmerzen ist sie hilfreich.

Man spürt sie gut, die feinen Stiche der Nadeln – echte Schmerzen verursachen sie aber nicht. Im Gegenteil: sie helfen dagegen. Und zwar effizient. Ob akute Zahnschmerzen oder ein langanhaltendes chronisches Leiden – in der Schmerztherapie wird die Heilmethode aus der traditionellen chinesischen Medizin stets mehr geschätzt und angewendet.

Den Energiefluss harmonisieren

«Akupunktur ist ein vielversprechender Baustein der multimodalen Schmerztherapie – das heisst, wenn man verschiedene Methoden einsetzt, um das Leiden zu lindern», sagt Johannes Fleckenstein, Co-Direktor des Instituts für Komplementärmedizin der Uni Bern.

Die chinesische Medizin erklärt die Wirkung der Nadeln damit, dass ein gestörter Energiefluss Grund für Erkrankungen ist. Mit der Akupunktur wird der Fluss der Lebensenergie Chi harmonisiert. In der westlichen Medizin greift dieses Modell nicht. Aber: «Die Forschung hat mittlerweile eine relativ klare Vorstellung davon, wie Akupunktur schmerzlindernd wirken kann», weiss der Mediziner.

Vielfältige physiologische Wirkung

Für die Schmerzbehandlung sind mehrere Wirkungswege der Akupunktur bekannt. «Dort, wo die Nadel eingestochen wird, werden beispielsweise lokale Botenstoffe ausgeschüttet, die unsere Schmerzrezeptoren weniger empfindlich machen», erklärt Johannes Fleckenstein.

Bei der Akupunktur schüttet der Körper zudem Endorphin oder Oxytocin aus: diese heben die Laune und wirken schmerzlindernd. (lesen Sie unten weiter...)

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Muskelverspannungen lösen

Mit den Nadeln lassen sich auch Muskelverspannungen lösen – ein wichtiger Ansatz in der Schmerztherapie. «Viele Schmerzen sind myofaszialer Natur und gehen mit verspannten Muskeln einher», sagt Fleckenstein. Myofasziale Beschwerden des Nackens können Ursache für schweres Kopfweh sein.

Effizient bei chronischen Schmerzen

Grosse Studien konnten mittlerweile zeigen, dass Akupunktur chronische Schmerzen wie etwa Kreuzschmerzen besser lindert als eine Standardtherapie nur mit Medikamenten und Krankengymnastik.

Der heilende Effekt beruht unter anderem darauf, dass im Bereich der Nadeleinstiche ein körpereigener Stoff ausgeschüttet wird, der lokal schmerzstillend wirkt.

Schnelle Wirkung

Die Nadeln können schon nach einer einzigen Sitzung wirken. «Heftige akute Ereignisse wie Übelkeit/Erbrechen, Schwindelanfälle, plötzliche Schmerzen wie Zahnweh, Nervosität, oder Einschlafprobleme sind sinnvolle Indikationen für eine Einmal-Akupunktur», weiss der Fachmann. Meist reicht hier eine Behandlung aus.

Wie bei allen medizinischen Massnahmen gibt es auch für die Wirksamkeit von Akupunktur keine hundertprozentige Garantie. Akupunktur ist nicht besser oder schlechter als ein anderer Ansatz. Es ist sinnvoll, wenn sie in Einklang mit den anderen schmerztherapeutischen Massnahmen angewandt wird.

von Claudia Langenegger,

publiziert am 22.02.2018


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