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Gesünder leben?

Wenn der Frühling traurig macht

Draussen erwacht das Leben, aber in der Seele macht sich Melancholie breit. Warum hat der Frühling für manche Menschen auch seine Schattenseiten?

Frühmorgens pfeifen die Vögel, die Wiesen werden immer farbenprächtiger, die Promenaden füllen sich mit Spaziergängern, kurz: Natur wie Menschen erwachen mit den länger werdenden Tagen zu neuem Leben. Eben diese Zeit ist aber auch mit grossen Erwartungen verbunden, etwas zu unternehmen und die Sonnenstrahlen auf sich wirken zu lassen.

Die Ursachen

Das ist für Menschen, für die der Frühling nicht nur eitel Sonnenschein bedeutet und die in diesem Aktivitätskarussell nicht mithalten können oder wollen, schwierig zu ertragen. Oft wird ihre Antriebslosigkeit mit der Frühjahrsmüdigkeit gleichgesetzt, doch das ist zu kurz gedacht. Die Traurigkeit, die manche im Frühling befällt, kann verschiedene Ursachen haben:

  • Erwartungen
    Der Anspruch, dass es uns gut geht, ist im Frühling höher als in anderen Jahreszeiten. Wenn sich aber diese Glücksgefühle aufgrund des schönen Wetters und der blühenden Wiesen nicht einstellen wollen, bedrückt dies aufgrund des Erwartungsdrucks umso mehr.
  • Erinnerungen
    Wie man sich fühlt, hat oft auch damit zu tun, welche Assoziationen mit bestimmten Situationen einhergehen. Wenn jemand zum Beispiel im Frühling seinen Partner, seine Partnerin verloren hat, kann einen das Pfeifen der Vögel an exakt diesen Einschnitt im Leben erinnern, als man sich zurückzog, anstatt draussen in die Fröhlichkeit einzustimmen. Die Ereignisse, die solche Assoziationen auslösen, können Jahre zurückliegen.
  • Einsamkeit
    Der Aktivismus , der um einen herum ausbricht, kann das Gefühl von Einsamkeit noch verstärken. Auch weil die Welt für die Betroffenen nur noch aus lauter Paaren zu bestehen scheint, die händchenhaltend den Schmetterlingen nachschauen. Diese Wahrnehmung ist oft genährt von einem romantischen Ideal, das der Realität gar nicht standhält.
  • Vitamin-D-Mangel
    Vitamin D nimmt der Körper über Sonnenstrahlen auf. Der Pegel befindet sich am Ende des Winters auf einem Tiefstand. Das kann sich durchaus auf die Stimmung auswirken: Wissenschaftler fanden Vitamin-D-Rezeptoren in exakt jenen Hirnregionen, die für das Gedächtnis und emotionale Befindlichkeiten zuständig sind.

Melancholie oder Depression?

Wenn die gedrückte Stimmung und Antriebslosigkeit auch nach mehreren Wochen nicht verschwunden sind, könnte eine Depression dahinterstecken – dann ist eine ärztliche Behandlung ratsam. Die Depression ist nicht zu verwechseln mit der Melancholie, die wieder vorbeigeht.

Gegen den Sommerblues hilft vor allem, sich von den externen Erwartungen zu lösen, dass steigende Temperaturen automatisch mit steigender Fröhlichkeit einhergehen sollen. Traurige Phasen gehören zum Leben. Diese zuzulassen, ist oft notwendig, um Veränderungen anzupacken, anstatt mit dem diffusen Gefühl der Unzufriedenheit im Bestehenden zu verharren. Lassen Sie sich also nicht von der «Glücksindustrie» verrückt machen.

von Manuela Specker


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