Mit Hightech gegen den Sonnenbrand

Wie moderne Sonnencremes funktionieren, und was berücksichtigt werden muss.

Sonnenschutzmittel schützen die Haut vor gefährlichen UV-Strahlen und damit vor Sonnenbrand, versorgen sie mit Feuchtigkeit und vermindern die lichtbedingte Hautalterung. Doch welcher Sonnenschutz soll es sein? Ein transparentes Spray, eine Sprühlotion, Sonnenmilch aus der Tube oder lieber aus der Flasche? «Am besten ein Produkt, das Ihnen zusagt und das Sie gerne verwenden, denn Sie müssen es ausreichend und regelmässig benutzen», sagt Nina Wanek (36), Leiterin Forschung und Entwicklung Sonnenschutz beim Kosmetikhersteller Mibelle AG.

Chemische oder physikalische Filter

Als braun sein unsexy war

Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein galt blasse Haut als Ideal. Braun waren nur Arbeiter und Bauern, und diese hatten kein Geld für Sonnenschutzmittel. Schutz bot die Kleidung. Mit dem Aufschwung in den 1960er-Jahren kamen Strandferien ebenso in Mode wie freizügige Kleidung, sodass mehr als nur die Hände und das Gesicht Sonne abbekamen. Braune Haut galt nun als sexy und wies auf Wohlstand hin: Man hatte Zeit und Geld, sich dem Müssiggang an der Sonne hinzugeben.

Zu welcher Form man auch immer neigt, klar ist vor allem eines: «Der Trend bei Sonnenschutzmitteln geht hin zu immer höheren Schutzfaktoren», so Wanek. Während früher Sonnenschutzmittel mit Schutzfaktor 2 zu finden waren, sind diese heute praktisch verschwunden. Der meistverkaufte Sonnenschutz hat Faktor 30. Sonnenschutz garantieren entweder sogenannte chemische oder physikalische UV-Filter. Während die chemischen Filter die UV-Strahlung absorbieren, sie energieärmer wieder abgeben und die restliche Energie in Wärme umwandeln, reflektieren physikalische Filter die Strahlung und halten sie so von der Haut fern.

Physikalische Filter bestehen aus sehr kleinen Partikeln, etwa 10 bis 100 Millionstel Millimeter gross, also viel dünner als ein Haar. Diese Nanopartikel sorgen immer wieder für Kontroversen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um neuartige, sondern um altbewährte und seit Langem bekannte Substanzen. Seit einigen Jahren werden die Nanopartikel auf den Produkten durch den Zusatz «nano» klar gekennzeichnet, um den Konsumenten transparent zu informieren.

Nanopartikel werden geblockt

Wer hat's erfunden?

Wer die Sonnencreme erfand, ist unklar. Sicher ist, dass in den 30er-Jahren mehrere Firmen Sonnenschutzmittel mit UV-Lichtschutzfilter auf den Markt brachten. Mitte der 70er-Jahre wurde die Sonnencreme wasserfest. Seit Ende der 80er reflektieren Partikelfilter die Sonnenstrahlen. 1962 definierte der Schweizer Chemiker Franz Greiter den Lichtschutzfaktor.

Nanopartikel gelten unter Experten als unbedenklich auf gesunder Haut. Auch auf geschädigter Haut, so das schweizerische Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), gelten die Partikel als unbedenklich. Gemäss BLV stelle die Haut eine gute Barriere dar. Nanopartikel könnten nicht in tiefere Regionen der Haut eindringen und würden nur auf der Hornhaut abgelagert. Durch die andauernde Hauterneuerung von innen heraus werde die Aufnahme zusätzlich erschwert. In die Entwicklung eines Sonnenschutzprodukts fliessen neben der technischen Erfahrung des Herstellers auch die Bedürfnisse der Konsumenten sowie die aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnisse bezüglich UV-Filter ein.

«Nach dem Schutz ist auch die Textur wichtig», erklärt Nina Wanek. «Das Produkt muss sich ohne Mühe als gleichmässiger Film auf die Haut auftragen lassen. Je angenehmer dabei das Hautgefühl ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Produkte in der richtigen Menge und oft genug verwendet werden.» Schutz wie Textur werden laufend optimiert und führen zu immer besseren Produkten. Von der Idee bis zur Markteinführung eines Sonnenschutzprodukts dauert es in der Regel acht bis zwölf Monate.

Publiziert am 27.02.2017,

von Thomas Vogel


Das könnte Sie interessieren: