Kein Ärger mehr bei Reizdarm

Es gibt Hinweise, dass bestimmte Zuckerarten für Verdauungsbeschwerden verantwortlich sind. Mit Hilfe einer Fodmap-Liste kann man sie meiden.

«Sie leiden an einem Reizdarm.» Wenn Ärzte bei Patienten mit Verdauungsproblemen keine Krankheit finden, die sie behandeln können, stellen sie oft diese Verlegenheitsdiagnose. Leider bringt das die Betroffenen selten weiter. Die Empfehlungen, wie man mit einem Reizdarm lebt und sich optimalerweise ernähren sollte, gehen weit auseinander.

Neuerdings verfolgt die Wissenschaft einen neuen Ansatz: Es gibt Hinweise, dass bestimmte Zuckerarten, sogenannte Fodmap (siehe Box), für Verdauungsbeschwerden verantwortlich sind. 

Nicht verdaute Zuckerarten

Was bedeutet Fodmap?

Fodmap ist die Abkürzung für fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide und Polyole. Auf Deutsch etwa: vergärbare Mehrfach-, Zweifach- und Einfachzucker sowie mehrwertige Alkohole. Fodmap-arme Lebensmittel sind z. B. Bananen, Broccoli, Hafer und laktosefreie Milch.

Hier gibt es eine vollständige Liste der Fodmap-armen und Fodmap-reichen Lebensmittel.

Fodmap werden im Dünndarm nicht verdaut und landen unverändert im Dickdarm. Dort werden sie von unseren Darmbakterien vergoren, was zu Beschwerden führt.

Milchzucker (Laktose) gehört beispielsweise zu den Fodmap. Wer an einer Laktoseintoleranz leidet, produziert nicht genug vom Enzym, das Milchzucker verdaut. So gelangt dieser in den Dickdarm und macht dort Probleme.

So kommt man den Ursachen auf die Spur

Welche Fodmap individuell problematisch sein könnten, kann mittels Ausschlussverfahren bestimmt werden.

Betroffene befolgen eine Fodmap-arme Diät und führen dann mit steigender Dosis einzelne Fodmap-Quellen wieder ein, wobei sie die Symptome beobachten. Laut Studien spürt etwa die Hälfte der Reizdarmpatienten eine Linderung der Beschwerden dank Fodmap-armer Ernährung.

Auf wertvolle Produkte verzichten?

Nur: Eine Fodmap-arme Ernährung ist auf Dauer nicht unbedingt gesund. Viele Lebensmittel, die reich an fermentierbaren Zuckern sind – wie Äpfel und Birnen, Steinobst, Hülsenfrüchte und Lauchgewächse – sind überaus wertvoll und senken ­unser Risiko für Krankheiten wie Adipositas, Herzinfarkt oder Hirnschlag. Zudem sind Fodmap auch Präbio­tika, sie dienen also vor allem den «guten» Darmbakterien als Nahrung.

Eine Fodmap-arme Diät birgt also das Risiko, dass man seine kulinarische Bandbreite einschränkt, was gesundheitliche Nachteile mit sich bringen kann und das Risiko ­einer Mangelversorgung erhöht.

Publiziert am 13.04.2017,

von Dr. med. David Fäh


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