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Gesünder leben?

Ohne Botox und Skalpell schön altern

Die Entstehung von Falten lässt sich nicht verhindern. Aber verlangsamen. Wie man den Alterungsprozess der Haut ohne Botox und Skalpell mildert, weiss Dermatologe Severin Läuchli.

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Dr. med. Severin Läuchli

Facharzt FMH für Dermatologie und Venerologie, Oberarzt Dermatologie
am Universitätsspital Zürich.

Für Dermatologen ist der Fall klar: «Das beste Anti-Aging-Mittel ist Sonnencreme – und zwar täglich», erklärt Severin Läuchli (48), Oberarzt Dermatologie am Universitätsspital Zürich. Denn Hauptursache für die Alterung der Haut ist die immer präsente UV-Strahlung. «Sonnenschutz muss deshalb auch bei Bewölkung aufgetragen werden», so der Hautexperte, «am besten eine Tagescreme mit eingebautem Lichtschutzfaktor (LSF) von mindestens 15. Wer mehr als eine halbe Stunde draussen verbringt oder direktem Sonnenlicht ausgesetzt ist, der soll einen LSF von 50 einsetzen.» Damit schützt man die Haut vor UV-Strahlung, verhindert Falten und schützt sich vor Hautkrebs.

Dass die Kosmetikindustrie die Angst der Menschen vor dem Alter mit übertriebenen Versprechen ausnützt und damit dem Begriff Anti-Aging einen negativen Beigeschmack verliehen hat, bedauert Severin Läuchli. Es sei utopisch, mit 60 aussehen zu wollen wie mit 25. Doch ganzheitlich angewendet, bringe eine Anti-Aging-Behandlung tatsächlich etwas. Und dazu müsse man sich weder unters Messer legen noch mit Botox vollpumpen. Denn das eigentliche Ziel beim Anti-Aging sei nicht, jünger auszusehen, sondern das eigene Wohlbefinden zu steigern.

Die Haut verrät vieles

Rauchen macht die Haut fahl, gräulich, grobporig und faltig.

Ein gesunder Lebensstil hilft mehr als jede Faltencreme. Das ist dann auch der erste Schritt in der ganzheitlichen Herangehensweise: den Lebensstil anpassen. «Ich sehe jeder Haut an, ob der Betreffende raucht, viel Alkohol trinkt oder ungeschützt viel Zeit an der Sonne verbringt.» Wer mit Rauchen aufhört, verringert die Hautalterung und verbessert die Hautqualität, denn Rauchen macht die Haut fahl, gräulich, grobporig und faltig. Sie verliert an Elastizität und kann schlechter auf Bewegungen reagieren – es entstehen Falten. Dasselbe gilt für übermässigen Alkoholkonsum, und in geringerem Masse für Stress. Ebenfalls sichtbar sind Ernährungseinflüsse. Es seien aber nicht einzelne Lebensmittel wie Schokolade oder Pommes, die zu Hautproblemen führten. «Es ist die westlich orientierte kohlenhydratreiche Ernährung mit vielen ungesättigten Fettsäuren an sich, die Spuren hinterlässt.»

Natürlich lässt sich das Gesicht auch mit chemischen oder gar chirurgischen Mitteln verjüngen. Selbst Severin Läuchli würde bei Bedarf zu Botox greifen. Für Leute, die ihr Gesicht mit hohen Dosierungen in Masken verwandeln, hat er aber kein Verständnis. Botox ist ein Nervengift, das die Muskeln lähmt und so die Falten zum Verschwinden bringt. Korrekt angewendet, habe es kaum Nebenwirkungen. Alternativ bietet sich Hyaluronsäure an, die die Falten von unten her auffüllt.  Auch Vitamin-A-Säure-Präparate, sogenannte Retinoide, wirken. «Retinoide können Falten dauerhaft verschwinden lassen», erklärt Läuchli. Normalerweise erneuert sich die Haut alle 40 Tage. Retinoide beschleunigen diese Erneuerung. Die Steigerung wäre ein professionelles Fruchtsäurepeeling, ein chemisches Peeling, das die oberste Hautschicht wegätzt. Das ist jedoch nur etwas für den Fachmann. 

Auf die harte Tour mit Säure und Laser

Auffällig ist, dass 80 bis 90 Prozent der Anti-Aging-Patienten immer noch Frauen sind, auch wenn der Männeranteil zunimmt. Das liege einerseits an der traditionellen gesellschaftlichen Vorstellung, dass Frauen schön sein müssen. «Aber auch die deutlich bessere Schmerzresistenz ist mit ein Grund dafür.» Denn eine weitere eher schmerzhafte, aber gemäss Experten wirksame Methode ist das Mikro Needling. Dabei perforiert man mit einer Art Nadelkissenwalze die Haut. Diese winzigen Verletzungen regen die Hauterneuerung an. Das moderne Gegenstück dazu ist der Laser, mit dem man mittels eines Lichtimpulses die Haut perforiert. «Das bewirkt eine deutliche Hautstraffung», so Läuchli.

Wer es dann doch lieber auf die sanfte Tour mag, kann es mit einer Grünteekur versuchen – innerlich wie äusserlich angewendet, kann Grüntee nämlich antioxidativ wirken und so die Hautalterung verzögern. Und als Lebensmittel passt er perfekt zu Läuchlis Abschlusstipp: «Gesund essen und viel Bewegung an der frischen Luft erhalten jung und geben vor allem auch ein gutes Gefühl.» Ziel erreicht.

Publiziert am 29.05.2017,

von Thomas Vogel

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