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Gesünder leben?

Stärkt Vitamin D unser Immunsystem?

Immer wieder bringen Studien tiefe Vitamin D-Spiegel mit einem geschwächten Immunsystem in Verbindung. Was ist dran?

Im August 2016 zeigte eine japanische Studie im Fachblatt Clinical Nutrition Überraschendes: Personen, die nicht gegen Influenza geimpft sind, erkranken den Ergebnissen zufolge bei einem normalen Vitamin-D-Spiegel weniger häufig an einer Grippe als solche mit einem tiefen Spiegel.

Andere Studien fanden heraus, dass das Erkältungsrisiko bei niedrigem Vitamin-D-Spiegel um 40 Prozent höher liegt als bei genügend versorgten Zeitgenossen. Bei japanischen Kindern liess sich das Erkältungsrisiko durch Gabe von Vitamin D um 40 Prozent senken.

Der positive Effekt von Vitamin D

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Prof. Dr. med. Heike Bischoff-Ferrari

Professorin für Geriatrie und Altersforschung und Leiterin des Zentrums für Alterstraumatologie am Universitätsspital Zürich

Trotz diesen Feststellungen liefern die Studien aber keine handfesten Beweise. Klar ist: «Viele Zellen unseres Körpers, die zuständig sind für die Infektabwehr, besitzen einen spezifischen Rezeptor für Vitamin D», erklärt die Schweizer Vitamin D-Expertin Heike Bischoff-Ferrari vom Universitätsspital Zürich. In einer eigenen Untersuchung konnten die Schweizer Forscher zeigen, dass eine Vitamin D-Gabe das Immunsystem positiv beeinflusst.

Was sagen Studien, wenn Menschen zusätzliche hohe Dosen Vitamin D einnehmen, obwohl sie einen ausreichenden Vitamin-D-Spiegel aufweisen?  Sind sie dann noch besser vor Infekten und Grippe geschützt? «Dafür fehlen noch die Studien», sagt Bischoff-Ferrari. Aber diese Daten werden Ende 2017 erwartet, bis dahin läuft die internationale Do-Health-Studie mit über 2000 Testpersonen – auch in der Schweiz. Auch ob Knochen, Blutdruck, geistige Leistungsfähigkeit und Muskelfunktion von zusätzlichem Vitamin D profitieren, soll dannzumal geklärt sein. 

So lässt sich ein Mangel behandeln

So kommen Sie im Winter zu Vitamin D
  • Gehen Sie täglich an die frische Luft
  • Setzen Sie Gesicht und Unterarme für rund 15 Minuten der Sonne aus
  • Die reichhaltigsten Vitamin-D-Quellen sind Fischleberöle und Salzwasserfische wie Sardinen, Heringe, Lachs und Makrelen. Eier, Fleisch, Milch und Butter enthalten ebenfalls geringe Mengen.
  • Nehmen Sie im Winter ein niedrig dosiertes Vitamin D-Supplement (600IE) ein
  • Nehmen Sie hohe Vitamin D-Dosen erst nach Rücksprache mit dem Arzt ein

«Was man heute aber sicher empfehlen darf, ist eine Korrektur des Vitamin-D-Mangels», sagt Bischoff-Ferrari. Vor allem im Winter. Orientieren kann man sich an den Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit BAG. Für junge Erwachsene und Kinder ab dem zweiten Lebensjahr erachtet das BAG eine Tagesdosis von 600 Internationalen Einheiten (IE) Vitamin D als genügend, ab dem 60. Lebensjahr stelle eine Dosis von 800 IE in nahezu allen Fällen sicher, dass ein Vitamin-D-Mangel behoben wird – ohne Risiko und unabhängig vom Ausgangsblutspiegel. Vitamin D gibt es als Tabletten oder in Tropfenform. 600 IE entsprechen dabei 15 Mikrogramm Vitamin D.

Auch Solariumbesuche könnten die körpereigene Produktion von Vitamin D im Winter ankurbeln. Allerdings überwiegen die Nachteile. Solarien fördern die Hautalterung und den gefährlichen schwarzen Hautkrebs, der bereits jetzt einer der gefürchtetsten Killer bei jungen Erwachsenen ist.

Publiziert am 29.05.2017,

von Andreas Grote


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